Giuliani pop

GITARRE & LAUTE ONLINE: Beiträge zu Neuerscheinungen (Notenausgaben, Bücher, CDs) auf den Gebieten Gitarre und/oder Laute, Berichte über Konzerte, Festivals und Wettbewerbe, Essays und Kommentare. Verschiedene Autoren, Chefredakteur (Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes): Dr. Peter Päffgen.

Napoleon Coste CD APROFlávio Apro plays Napoleon Coste
Aufgenommen im Juni 2015, erschienen ℗ 2016
Gitarre: Sérgio Abreu
BRILLIANT CLASSICS 95255
… er glänzt auch durchaus musikalisch …

♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Flávio Apro ist Brasilianer. Bekannt ist er, so heißt es jedenfalls im Booklet, als Gitarrist, Produzent, Forscher und Lehrer. Bei Brilliant Classics hat er jetzt seine zweite CD herausgebracht – eine Sammlung mit „Romantic Guitar Miniatures“ ist bereits 2014 im gleichen Label unter dem Titel „Nocturne“ erschienen.
Dieses Mal bekommen wir den Zyklus „Vingt cinq Études de Genre“ von Coste zu hören, dazu die „Grande Sérénade“ op. 30 – zwei Werke also, bestehend aus insgesamt dreiunddreißig Einzelsätzen. Was die Etüden angeht, gehören sie zum Standardspielmaterial – als Etüden allerdings und weniger als Vortragsstücke. In der undatierten Edition der Etüden im Münchener Verlag „Der Gitarrefreund“ heißt es: „Die Werke Coste’s sind im Handel vollständig vergriffen. Mit dem Neudruck des vorliegenden Werkes glauben wir den Gitarrespielern einen Dienst zu erweisen, da es für Studienzwecke unumgänglich notwendig ist und ein abgeschlossenes Studium ohne Kenntnis dieses Werkes undenkbar ist, andererseits aber enthält es auch Stücke von so hohem musikalischen Wert, und solcher Schönheit, daß es für jeden ernsten Gitarrespieler zu einer Quelle wertvoller Gitarremusik wird.“

Modrzejewski Fantasias CDRoch Modrzejewski: Fantasias on operas by …
Bellini, Rossini, Donizetti, Verdi in Bearbeitungen von Napoléon Coste, Luigi Legnani, Mauro Giuliani, Jan Nepomuk de Bobrowicz, Johann Kaspar Mertz und Giulio Regondi
Aufgenommen im August 2012, erschienen ℗ 2013
BRILLIANT CLASSICS 94446
… So kann man sich Salon-Atmosphäre vorstellen! …

♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Zugegeben, ich habe mir viel Zeit gelassen, diese CD von Roch Modrzejewski hier zu würdigen. Dabei stimmt so gut wie alles: Das Programm besteht aus Fantasien über Themen aus romantischen Opern – dafür muss man sich keineswegs schämen und schon gar nicht, wenn man, wie Roch Modrzejewski, die Gassenhauer des Repertoires nicht aufgenommen hat; der Solist kommt sympathisch daher – wie übrigens auch seine CD und er stammt außerdem aus der wunderbaren Stadt Kraków, die man nicht nur bewundern, sondern einfach lieben muss. Alles gut!

Noch ein paar Worte mehr über Roch Modrzejewski: Er hat zunächst in seiner Heimatstadt Kraków studiert, danach in Basel und schließlich in Weimar – bei wem, da ist er diskret, aber man hat so seine Ahnung! Wettbewerbe hat er natürlich gewonnen … aber nicht die Riesendinger in fernen Ländern, sondern eher kleinere: Erwitte und Moncalieri—ich kannte nicht einmal die Orte. Aber ist vielleicht die Zeit der großen internationalen Wettbewerbe überhaupt vorbei?
Vor ein paar Monaten war ich beim ARD-Wettbewerb in München, der einmal der „schwierigste“ und renommierteste deutsche Wettbewerb seiner Art gewesen war. Die Gitarre ist allerdings in München immer schon eher stiefmütterlich behandelt worden – vor dem Wettbewerb 2017 hatte sie vierundzwanzig Jahre nicht auf dem Programm gestanden.

Reusner Erfreuliche Lautenlust William WatersReusner: Erfreuliche Lauten-Lust
William Waters, Laute
Aufgenommen im Oktober 2016, erschienen ℗ 2017
11-chörige Laute (2015) von César Árias nach Hans Frei
BRILLIANT CLASSICS (2 CDs) 9242

♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Esaias Reusner (1636–1679) wurde in Löwenstein in Schlesien (heute Polen) geboren. Zu der Zeit herrschte seit achtzehn Jahren Krieg und der sollte noch zwölf Jahre weitergehen. Als Reusners Mutter 1643 starb, zog Esaias mit seinem Vater nach Wrocłav (Breslau), weil der sich dort sicherer wähnte – ob er damit die Situation richtig eingeschätzt hat, wissen wir nicht. In Wrocłav blieb er jedenfalls bis 1648, als in Münster und Osnabrück der „Westfälische Friede“ unterzeichnet und damit der „Dreißigjährige Krieg“ beendet wurde.
Seine musikalische Ausbildung erhielt Esaias von seinem Vater, der auch Esaias hieß und der als Lautenist bekannt war. 1665 wurde Esaias jr. Lautenist am Hof der Herzöge von Brzeg, Legnica und Wolów. Zwei Jahre später erschien sein erster Tabulaturband „Delitiae Testudinis“. 1672 ging Reusner jr. nach Leipzig; wo er als Lautenlehrer an der Universität angestellt wurde und als Continuo-Lautenist unter anderem an der Thomaskirche spielte. Die nächste Anstellung führte ihn als Kammermusiker an den Hof von Friedrich Wilhelm von Brandenburg nach Berlin. Dort erschien 1676 auch Reusners zweite Sammlung von Lautenstücken: „Neue Lauten-Früchte“. Der Titel vorliegender CD „Erfreuliche Lauten-Lust“ nimmt Bezug auf die zweite Auflage von Reusners erstem Lautenbuch: „Delitiae Testudinis Oder Erfreuliche Lauten-Lust“ von 1668.

Dowlands MidnightWhite Sparrow: Mr. Dowland’s Midnight
The Music and Melancholy of John Dowland and his Contemporaries
Debi Wong, Mezzosopran; Solmund Nystabakk, Lute
Werke von Robert Jones, John Dowland, Thomas Campion, John Danyel, Philip Rossetter, Francis Pilkington
Aufgenommen im Februar 2014; erschienen ℗ 2017
Laute: 10-course renaissance lute after Hans Frei by Bruce Brook, 1998
SIBA RECORDS SRCD 1021, im Vertrieb von NAXOS
… Die CD „Mr. Dowland’s Midnight“ ist etwas Besonderes, und zwar in fast jedweder Hinsicht …

♦♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Englische Lautenlieder gehörten hier vor – sagen wir – vierzig fünfzig Jahren zu den Geheimtipps des Repertoires der „Alten Musik“ bzw. der „Early Music“. Dort, in England, hatte man sich lange vorher dieser Preziosen des englischen Musikschaffens erinnert und zwar auf mehrerlei Art … denn tatsächlich gibt (oder gab) es eine englische Musik, auch, wenn der deutsche Gesellschaftsschriftsteller Oscar A. H. Schmitz etwas ganz anderes behauptete. Der schrieb 1914 bedauernd, England sei „das Land ohne Musik“ (Buch: Das Land ohne Musik – Englische Gesellschaftsprobleme, München, 11914). Da wir nun wissen, dass es englische Musik gibt und zwar andere, als die von Händel (oder Handel), deren Komponist im „GROVE Dictionary of Music and Musicians“ immerhin als „English Composer of German Origin“ ausgewiesen ist, gehören die Lautenlieder des frühen 17. Jahrhunderts zweifellos zum Besten, was in dieser Kategorie im Angebot ist. Und sie sind in England auch tatsächlich in ihrer Originalbesetzung mit Laute gepflegt worden, als „in Europe“ niemand daran dachte, dieses antiquierte Instrument, das zudem auch noch auf eine höchst kryptische Art notiert war, zu spielen. Aber Arnold Dolmetsch (1858–1940) und später Alfred Deller (1912–1979) und besonders Peter Pears (1910–1986) führten die Tradition weiter … und sie ist bis heute sehr lebendig, wie Debi Wong und Solmund Nystabakk beweisen.

Mair Angela Sin palabras CDAngela Mair: Sin palabras
Werke von Giuliani, Pujol, Granados und Mertz
Aufgenommen 2016, erschienen ℗ 2017
Gitarre: Paco Santiago Marin
MA001 (mairecords)
… ungemein sympathisch! …

♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Bravo, dies ist eine Debut-CD, in deren Covertext nicht vorgegeben wird, ihr Interpret/ihre Interpretin habe schon sämtliche Kontinente bespielt und ebendort auch schon die wichtigsten Wettbewerbe gewonnen. Angela Mair gibt auch nicht vor, sie habe bei allen Großmeistern der Branche studiert (gemeint sind dabei nämlich meistens nichts als Meisterkurse, bei denen die jeweiligen Debütanten die eine oder andere Unterrichtsstunde erhalten haben). Nein, Angela bringt ihre CD ohne Hochstapeln und ohne große Worte (sin palabras!) heraus … und nicht nur damit macht sie ihr Medien-Debüt so ungemein sympathisch!

ORPHEUS ANGLORUMORPHEUS ANGLORUM: Lute Music by John Johnson and Anthony Holborne
Yavor Genov, Lute
Aufgenommen im Mai 2017, erschienen, ℗ 2018
Laute: Ivo Magherini nach Georg Gerle, Innsbruck ca. 1550
BRILLIANT CLASSICS 95551
… sehr an Sensibilität im Umgang mit dieser Musik hinzugewonnen! …

♦♦♦

 CD bei Amazon bestellen?

Den Lautenisten Yavor Genov kennen wir – hier ist bereits seine frühere CD besprochen worden, sie enthält Werke von Giovanni Girolamo Kapsberger. Eine weitere CD mit Kompositionen von Giovanni Zamboni ist hier bisher nicht gewürdigt worden.
Yavor Genovs Spiel hat mich damals – die Besprechung entstand im Jahr 2013 – nicht begeistert. „Sein Spiel ist“ – so schrieb ich damals – „klanglich fragil. […] Sieht man von technischen Unzulänglichkeiten ab, sind es vor allem Temposchwankungen, die mir an Yavors Spiel auffallen. Große Bögen, die Form und Gefüge abbildeten, kann ich mir nur selbst hinzudenken; Verfahren, die mit Akzentuierung und Phrasierung zusammenhängen, sind eher als kryptisch wahrzunehmen; ein leicht federndes, dynamische Spiel ersetzt er durch ein schwerfälliges, indifferentes … kurz: Ich bin nicht begeistert von Yavor Genovs Spiel. Seine Energie, sich mit dieser Musik und diesen Instrumenten zu befassen, ist allerdings zu unterstützen.“

Xianji Liu Guitar RecitalLaureate Series
Xianji Liu – First Prize 2016 Tárrega International Guitar Competition, Benicàssim
Werke von Scarlatti, Tárrega, Sor, Albéniz, Malats, Piazzolla, Coste, Berkeley
Aufgenommen im Januar und April 2017, erschienen ℗ 2017
Gitarre: Dominique Field
NAXOS 8.573813
… scheinbar locker und leicht …

♦♦♦

 CD bei Amazon bestellen?

Dies ist Xianji Lius Debüt-CD mit dem „typischen Debüt-Repertoire“ zwischen Tárrega und Albéniz, Sor und Malats. Er spielt es nicht so, wie es Debütanten normalerweise spielen – nervös und unsicher, vorsichtig und Risiken vermeidend – nein, er spielt es so, als hätte er es schon zigmal auf den Bühnen der Welt vorgeführt. Routiniert manchmal, gelegentlich sogar gelangweilt … dabei ist er noch so jung! Aber Stücke wie „Sevilla“, die anderen Gitarristen den letzten Nerv rauben, schüttelt er aus dem Ärmel, auch zwei der fünf Stücke von Piazzolla („Romántico“ und „Compadre“).

Xian Ji Liu Latin Guitar Sonatas CDXianji Liu: Latin Guitar Sonatas
Werke von Leo Brouwer, Sergio Assad und Roberto Sierra
Aufgenommen im Januar 2017. Erschienen ℗ 2017
Gitarre: Paco Marin
IBS CLASSICAL 62017, im Vertrieb von NAXOS
… Er hat in Beijing studiert, danach in Köln und Weimar …

♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

In den letzten Jahren ist es bei Gitarristen üblich geworden, für Aufnahmen, die sie als besonders wichtig erachten, mehrere große Sonaten des 20. Jahrhunderts zu Programmen zusammenzuschnüren. Ponce, Rodrigo, Brouwer, Ginastera, José, Castelnuovo-Tedesco … Möglichkeiten gibt es etliche – sie alle ergeben am Schluss musikalisch schwergewichtige Werkzusammenstellungen, keine folkloristischen Schaustücke, nichts für’s ZDF!

Der chinesische Gitarrist Xianji Liu hat ausschließlich lateinamerikanische Werke für seine Sonaten-CD ausgewählt, die Komponisten sind Sergio Assad, Leo Brouwer und Roberto Sierra. Francisco J. Giménez hat einen klugen Einführungstext zu dem CD-Programm geliefert … der höchstens gelegentlich ergänzende Worte oder gar Widerspruch verträgt. Es heißt da, die Sonatenform habe in Europa im 20. Jahrhundert zunehmend an Popularität verloren … „at the same time, the sonata allowed Latin American composers to build an identity by incorporating local sonorous traits in a sense as much structural as symbolic, legitimising them thanks to the form’s very prestige“. So kamen Manuel Ponce und Alberto Ginastera zu Ruhm und Ehren, der bedeutendste und weltweit erfolgreichste Komponist Lateinamerikas, Heitor Villa-Lobos [Manuel Negwer im Plattentext zu seinem Buch „Villa-Lobos – der Aufbruch der brasilianischen Musik“, Mainz u.a.2008], allerdings nicht. Er hat keine Sonaten geschrieben und sich weitgehend an der Musik seiner brasilianischen Heimat orientiert. Ähnlich hat Astor Piazzolla verfahren. Er hat zeit seines Lebens Tangos geschrieben und ist darin von seiner europäischen Kompositionslehrerin Nadia Boulanger (1887–1979) sogar ausdrücklich bestärkt worden.

Mauro Giuliani Opere solistiche per voce e chitarraMauro Giuliani: Opere solistiche per voce e chitarra
Rossana Bertini, Sopran; Davide Ficco, Gitarre
Aufgenommen im Juli 2013; erschienen ℗ 2018
Gitarre: Louis Panormo 1837
TACTUS TC 780703, im Vertrieb von NAXOS
… interpretatorisches Gleichgewicht …

♦♦♦

CD bei Amazon bestellen

Diese Aufnahme hat ein paar Jahre in den Archiven des Labels Tactus geschlummert, bevor sie jetzt auf CD erschienen ist … dabei lässt sich kein plausibler Grund für die Verzögerung finden. Im Gegenteil! Schon das Titelbild wäre ein rasches Erscheinen wert gewesen, ist es doch – mindestens aus meiner Sicht der Dinge – nicht nur eine reizende Darstellung mit Mops und Gitarre, es ist auch eine Rarität. Und Sie wissen ja: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“. Das abgebildete Gemälde stammt, nebenbei bemerkt, von François-Hubert Drouais (1727–1775) und stellt Armand Louis II und Armand Louis Jean, die Söhne von Arman Louis I de Béthune dar.
Das Repertoire, das die Künstler präsentieren, besteht – mindestens, was die solistischen Gitarrenwerke angeht –, aus Wohlbekanntem: „Grande Ouverture“ op. 61, Händel-Variationen op. 107, und „Gran Sonata Eroica“ op. 150. Aber der „Star“ des Konzertes ist – mit allem Respekt! – ohnehin Rossana Bertini, die Sopranistin. Natürlich, die Werke, die wir von ihr hören dürfen, sind weitaus weniger „populär … bis abgedroschen“, wie es die Solokompositionen sind, nein, im Gegenteil, sie gehören zu den Kostbarkeiten des Repertoires. Schon die „Sei Ariette. Poesia di Metastasio coll’accompagnamento di piano-forte o chitarra“ op. 95 (hier natürlich mit Gitarren- und nicht Klavierbegleitung) sind perfekte, in sich geschlossene Kunstwerke, und gehen auf Texte des großen Pietro Metastasio (1698–1782) zurück, der immerhin für das Libretto der Oper „La clemenza di Tito“ und andere Mozart-Werke verantwortlich zeichnet.

Weber Carl Maria von Complete SongsSchwandt Christoph Carl Maria von WeberCD: Carl Maria von Weber: Complete Songs for Voice and Guitar
Patrizia Cigna, Sopran; Adriano Sebastiani, Gitarre
Aufgenommen im Mai 2017, Gitarre: Antonio Scandurra, 2013, erschienen ℗ 2018
Gesangstexte unter: www.brilliantclassics.com
Brilliant Classics 95323

… respektable Einspielung …
♦♦♦
CD bei Amazon bestellen?

BUCH: Christoph Schwandt: Carl Maria von Weber in seiner Zeit. Eine Biografie. Mainz u.a. 2014, Schott Music, ISBN 978-3-7957-0820-7, € 35,–
… Wie deutsch ist Herr von Weber? …
Buch bei Amazon bestellen?

Drei Zyklen mit Liedern bekommen wir geboten: Opera 13, 25 und 29, dazu acht Einzellieder. Alle von Carl Maria von Weber. Der war selbst Gitarrist, die Gitarrenbegleitungen sind also (vermutlich) von ihm selbst. Wie weit er das Instrument beherrscht und geschätzt hat, können wir nicht sagen. An Solokompositionen jedenfalls ist nur wenig überliefert, die Begleitsätze zu den Liedern sind eher schlichterer Art. Die kammermusikalischen Werke lassen ahnen, dass Weber keine ausgesprochene Vorliebe für virtuoses Gitarrenspiel hatte.

Dowland Lachrimae PhantasmJohn Dowland: Lachrimae or Seven Tears
PHANTASM; Elizabeth Kenny, Laute; Laurence Dreyfus, Jonathan Manson, Mikko Perkola, Emilia Benjamin, Markku Luolajan-Mikkola, Viola
Aufgenommen im Juli 2015, erschienen
℗ 2016
Booklet mit deutscher Übersetzung im Download unter
http://www.linnrecords.com/recording-download.aspx
LINN RECORDS CKD 527, im Vertrieb von NAXOS
… jugendlicher und dynamischer …
♦♦♦♦♦ | CD bei Amazon bestellen?

Dowland – Benjamin
Werke von John Dowland und George Benjamin
Sit Fast Viol Consort: Atsushi Saka
ï, Isabelle Saint-Yves, Marion Martineau, Nicholas Milne, Joshua Cheatham; Sarah Breton, Mezzosopran; Karl Nyhlin, Laute
SIT FAST Dowland Benjamin CD Aufgenommen im Dezember 2016, erschienen 2017
 EVC D034, im Vertrieb von Helikon Harmonia Mundi
… keine volksweite Untergangsstimmung! …
♦♦♦ | CD bei Amazon bestellen?

David Gorton: Variations on John Dowland
Longbow; Peter Sheppard Sk
ærved, director; Stefan Östersjö, guitar‘
 Aufgenommen im Juni 2015, erschienen ℗ 2017
TOCCATA CLASSICS TOCC 0396, im Vertrieb von NAXOS
… Von Dowland ist auf der CD von David Gorton nur noch mittelbar die Rede …
♦♦♦♦ | CD bei Amazon bestellen?

LACHRYMAE REVISITED
David Gorton Variations on Dowland Duo van Vliet: Ian Anderson, Viola; Rafał Łuc, Akkordeon
Aufgenommen im August 2014 und Juni 2015, erschienen
℗ 2017
 ORCHID CLASSICS ORC 100069, im Vertrieb von NAXOS
… in einer mehr als außergewöhnlichen Besetzung …
♦♦♦ | CD bei Amazon bestellen?

Der Zyklus „Lachrimæ, or Seaven Teares“ von John Dowland steht im Mittelpunkt dieser vier Aufnahmen, von denen allerdings nur eine, die von Phantasm und Elizabeth Kenny bei LINN-Records nämlich, für ihre Käuferinnen und Käufer den kompletten Zyklus mit insgesamt einunLachrymae Revisiteddzwanzig Kompositionen bereithält. Die ursprüngliche Werkfolge hat John Dowland komponiert, zusammengefasst und 1604 veröffentlicht. Sie besteht zunächst aus sieben Pavanen („SEAVEN TEARS FIGURED IN SEAVEN PASSIONATE PAVANS“):

Lachrimæ Antiquae
Lachrimæ Antiquae Novae
Lachrimæ Gementes
Lachrimæ Tristes
Lachrimæ Coactae
Lachrimæ Amantis
Lachrimæ Veræ

Päffgen Ragossnig 2002Am 3. Januar 2018 starb in Antwerpen der international bekannte und geschätzte Gitarrist, Lautenist, Lehrer und Musikwissenschaftler Konrad Ragossnig.Neben seiner Familie trauern zahllose Schüler, Freunde und Bewunderer um den allseits geschätzten Musiker.

»Ein begabter Schüler braucht lediglich einen Lehrer, der ihn nicht behindert«
Interview mit Konrad Ragossnig
Das Gespräch führte Leo Witoszynskyj am 3. Dezember 2000 in Wien

(Foto: Peter Päffgen und Konrad Ragossnig beim Forum Gitarre, Wien, 2002.  Foto: © Dorothea Päffgen)

Leo Witoszynskyj: Konrad, in Deinem vor 22 Jahren gegebenen Interview hast du sehr durchdachte Ansichten geäußert und dabei einen doch eher pragmatischen Zugang zu Fragen der Aufführungspraxis bekundet. Damals hast du viel über Klang- und Texttreue gesprochen. Was hat sich seither geändert. Haben diese Gesichtspunkte noch dieselbe Bedeutung für Dich wie damals?

Konrad Ragossnig: Ich glaube, deren Bedeutung hat sogar noch zugenommen. Die Ausbildung des Klangs ist mir bei meinen Schülern ein zentrales Anliegen – schließlich sprechen wir ja von einer Tonkunst. Aber natürlich ist die Heranbildung eines Ton- und Klangbewusstseins nur ein Faktor. So, wie es eine Klangunterschätzung gibt, gibt es auch eine Klangüberschätzung, die Klangverliebtheit. Bei dieser läuft man dann Gefahr, die Architektur, das Gerüst zu verlieren. Was die Texttreue betrifft, wäre anzumerken: Faksimile-Ausgaben und Urtext-Editionen boomen, wenngleich sie auch kritisch gelesen sein wollen!

Witoszynskyj: Welche Entwicklung haben die Gitarre beziehungsweise die Laute seit Deiner Zeit in Basel, in diesem Zentrum für Alte Musik, genommen?

Luthers Laute CDLuthers Laute
Franz Vitzthum, Countertenor; Julian Behr, Laute
Kompositionen von Ludwig Senfl, Josquin de Prez, Hans Newsidler, Arnolt Schlick, Claude Goudimel und anderen
Aufgenommen im November 2014, erschienen 2015
Gespielt auf Lauten von Klaus Jacobsen und Julian Behr [sic]
Christophorus CHR 77388, im Vertrieb von Note 1
… Zwei Musiker der Extraklasse …

♦♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Martin Luther (1483–1546) ist nicht als Musiker in die Geschichte eingegangen, sondern als Mönch, später (natürlich katholischer) Priester und schließlich Universitätsprofessor in Wittenberg. Fach: katholische Theologie.

Als junger Mann soll er eine heftige Liebesbeziehung mit einer Frau unterhalten haben … lange, bevor er Katharina von Bora heiratete. Ihr Name: „Frau Musica“.

An den Schulen, die Martin Luther besucht hatte, hat er intensiven Musikunterricht genossen, Laute soll er gespielt haben, in Chören soll er gesungen haben. Sein Freund Crotus Rubeanus (Johannes Jäger, 1480–ca. 1545, aka Venator) nannte ihn gar einen „musicus et philosophus eruditus“, einen gebildeten Musiker und Philosophen. Mit verschiedenen Musikern hat er in Kontakt gestanden, Texte aus seiner Feder liegen uns in vertonten Fassungen vor … darunter „Frau Musica singt“ (von 1538):

Die beste Zeit im Jahr ist mein,
da singen alle Vögelein,
Himmel und Erden sind der voll,
viel gut Gesang, der lautet wohl.

[…]

Paganini Works for Violin Viola Cello and GuitarNiccolò Paganini: The complete works for violin/viola, cello & guitar
Nils-Erik Sparf, violin/viola; Andreas Brantelid, cello; David Härenstam, guitar
Aufgenommen im Mai 2016, ℗ 2017
Violine: Stradivari 1709; Viola: Johann Öhberg 1770; Cello: Stradivari 1707; Gitarre: Jim Redgate, Adelaide, 2014
proprius PRCD 2078, im Vertrieb von NAXOS
… Mit diesem Terzett hat Niccolò Paganini seinen Schritt hin zur musikalischen Romantik unterstrichen …

♦♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Niccolò Paganini (1782–1840) war Geiger. Nein, er war mehr, er war einer der ersten international tätigen Virtuosen und wurde der „Teufelsgeiger“ genannt … obwohl Goethe dazu meinte: „Nein [...], der Mephistopheles ist ein viel zu negatives Wesen, das Dämonische aber äußert sich in einer durchaus positiven Tatkraft. Unter den Künstlern findet es sich mehr bei Musikern, weniger bei Malern. Bei Paganini zeigt es sich im hohen Grade, wodurch er denn auch so große Wirkungen hervorbringt.“

Aber Paganini wurde nicht nur als Geigenvirtuose gefeiert, er spielte auch exzellent Gitarre und komponierte viel für dieses Instrument, das allerdings zu seiner Zeit als Konzertinstrument weitaus weniger populär war, als die Violine. Außerdem war die große Zeit der Gitarre 1833, als zwei der drei Kompositionen der Sammlung entstanden und uraufgeführt wurden, fast schon vorüber.

Das Programm jedenfalls beginnt mit einer „Serenata in C“, die im Autograph so überschrieben ist: „Serenata a Viola, Violoncello e Chitarra, Dedicata a madamigella Dominica Paganini da Suo Fratello Nicollò“. Das Stück hat Paganini also für seine Schwester Dominica anlässlich deren Hochzeit geschrieben, die am 20. Juli 1808 in Genua gefeiert worden ist.

50th Anniversary Michele Pittaluga Guitar CompetitionLaureate Series – Guitar
50th Anniversary Michele Pittaluga Guitar Competition
Laureates 2006–2015
Aufgenommen 2007–2016, ℗ 2017
NAXOS 8.573850
… Wir sollten froh sein, dass wir ihn haben! …

♦♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Der Gitarrenwettbewerb in Alessandria gehört zu den renommiertesten überhaupt … das ist unbestritten! Und er existiert aufgrund einer privaten Initiative und ist auch heute noch weitgehend privat finanziert. Bravo!

Michele Pittaluga, der Gründer des Wettbewerbs, wurde im Januar 1918 in Alessandria in Piemont geboren. Er studierte Chemie in Turin … bis ihn 1943 die Nazis verhafteten und in einem Konzentrationslager festsetzten. Michele Pittaluga war Jude.

Pittaluga hatte seit früher Jugend eine Leidenschaft für Musik gepflegt. Jetzt, im KZ, nutzte er sie für seine Mithäftlinge und organisierte Konzerte … schließlich war 1945 die verbrecherische Herrschaft der Nazis beendet und Michele Pittaluga hatte sie überlebt.
Er führte sein Chemie-Studium weiter und studierte zusätzlich Pharmazie. Nach Examina und Promotion gründete er in Alessandria ein Unternehmen, das sich mit dem internationalen Vertrieb von chemischen Produkten und von Medikamenten befasste.

The Legend of Alirio Diaz 2The Legend of Alirio Díaz Vol. 2
Studio Recordings 1963/℗ 2016
Werke von Albéniz, Granados, de Falla, Malats, Segovia, Turina und anderen
IDIS, Istituto Discografico Italiano, 6713, im Vertrieb von Klassik Center Kassel
… aber ein Epigone war er nie …

♦♦♦♦♦

CD bei Amazon bestellen?

Alirio Díaz, einer der großen Gitarristen des 20. Jahrhunderts, ist am 5. Juli 2016 in seiner langjährigen Wahlheimat Rom gestorben – darauf ist hier schon hingewiesen worden! Unzählige Plattenaufnahmen liegen von ihm vor – mit ihnen das ganze „klassische Repertoire“ der Zeit Segovias und seiner Schüler. Das Label IDIS produziert seit Jahren digitalisierte Neuaufnahmen alter Aufnahmen mit Gitarrenmusik – die zweite CD von Alirio Díaz liegt nun vor.

Alirio Díaz ist als begeisterter Anhänger von Andrés Segovia und seiner Kunst großgeworden und hat auch später als dessen Assistent an der Accademia Musicale Chigiana in Siena gearbeitet. Musikalisch ist Díaz stark von Segovia und von dessen Repertoirevorlieben und interpretatorischen Eigenheiten beeinflusst gewesen – gleichzeitig hat er keinen Zweifel daran gelassen, dass er sehr eigene Ansichten über die Gitarre und ihre Spielweisen vertrat.