Giuliani pop

Giuliani Floete Gitarre CDMauro Giuliani: Complete Original Works for Flute & Guitar
Mikael Helasvuo (Flöte) – Jukka Savijoki (Gitarre)
Aufgenommen im Juli 1988, erschienen 2013
BIS-9045, im Vertrieb von Klassik Center Kassel
… höchst unterhaltend …

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Diese Aufnahme ist vor 25 Jahren entstanden und doch ist sie noch auf dem Stand der Dinge … wenn man den freilich güldenen, klaren Klang der Miyazawa Flöte aus 14 Karat Gold dem einer hölzernen Traversflöte, wie sie zu Giulianis Zeit in Gebrauch war, vorzieht. Die Frage nämlich, warum die Querflöte, die (heute) aus Metall ist, in der Instrumentenkunde und im Orchester zu den Holzblasinstrumenten gezählt wird, ist nur über Umwege zu beantworten. Sie war tatsächlich aus Holz, bis Theobald Böhm (1794—1881) sie reformierte und, als gelernter Goldschmied, ab sofort aus Gold und anderen Edelmetallen herstellte. So, als Holzblasinstrument aus Metall, wird die Querflöte heute benutzt.

Im Umfang der Erforschung der historischen Aufführungspraxis wird allerdings auch die Flute Traversière wieder gebaut und gespielt, die ursprüngliche Querflöte aus Holz. Sie ist leiser, klingt weicher und differenzierter als ihre metallene Nachfolgerin. Wie bei etlichen anderen Musikinstrumenten, unter anderem auch der Gitarre, war gegen 1800 die Forderung nach lauteren Instrumenten immer drängender geworden. Die gesellschaftlichen Umwälzungen nach 1789 hatten dieses Bedürfnis mit sich gebracht – Immer mehr Zuhörer mussten mit der Musik erreicht werden, immer größere Säle bespielt.

 

Beide, Mikael Helasvuo und Jukka Savijoki spielen auf modernen Instrumenten, von denen die Flöte und ihr Hersteller schon namentlich gewürdigt sind. Die Gitarre ist, um dem Gebot der Gleichbehandlung Genüge zu tun, von Daniel Friederich.

Natürlich: Die moderne Flöte strahlt. Sie ist im Zusammenspiel mit der (modernen) Gitarre eher dominant … zu vordergründig vielleicht, wenn man bedenkt, dass Giuliani gerade wegen der gleichberechtigenden Behandlung der Instrumente geschätzt wurde. Die „Wiener Moden Zeitung und Zeitschrift für Kunst, Schöne Literatur und Theater“ schrieb in diesem Zusammenhang am 5. März 1818 über die Variationen op. 84: „Bey op. 84 könnte man bemerken, daß der Titel nicht ganz sichtig ist, indem die Gitarrestimme nicht begleitend, sondern durchaus konzertierend (die zweyte und die vierte Variation sind ganz für die Guitarre) und von bedeutender Schwierigkeit ist.“

Und doch ist es ein Vergnügen, dieser Musik zu lauschen! Sie hält eine Menge Überraschungen bereit, ist höchst unterhaltend und … aufs Eleganteste präsentiert!