Giuliani pop

 Federico Moreno-Torroba
Sonata-Fantasía and the early guitar works
Pietro Locatto, guitar
Aufgenommen im September 2017 und September 2018
Gitarre: Luigi Locatto, Pino Torinese, 2003 (nach Enrique García, Barcelona 1904)
STRADIVARIUS STR 37127, im Vertrieb von Note1 -Music
KORREKTUR: Vertrieb ab sofort bei NAXOS!

… Und er beweist, dass er spanisch denken, fühlen und musizieren kann …

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Federico Moreno Torroba (1891–1982) war kein Gitarrist, sondern hauptsächlich bekannt für seine Zarzuelas. Zarzuelas (auch „Sarsuelas“) sind nicht nur Fischgerichte, wie sie vornehmlich in Katalonien angeboten werden, es sind „eigentlich“ Singspiele, die vereinfachend gern als „spanische Operetten“ bezeichnet werden. Emilio Casares Rodicio schreibt in der zweiten Auflage der MGG: „Die Zarzuela ist eine spanische Bühnengattung mit sowohl gesungenem als auch gesprochenem Text. Nach ihrer Entstehung als höfisches Drama im 17. Jahrhundert durchlebte sie eine wechselvolle Entwicklung und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zum städtischen Massenschauspiel. Der Begriff zarzuela („Brombeersträuchlein“) leitet sich vermutlich von dem von Brombeersträuchern umgebenen Palacio de la Zarzuela (bei Madrid) ab, wo die ersten Zarzuelas aufgeführt wurden.“ [Art. „Zarzuela“ in MGG2, Sachteil Bd. IX, Sp. 2137–2148].

Da die Ihnen vorliegende Zeitschrift „Gitarre & Laute ONLINE“ und nicht etwa „Oper und Operette“ heißt, handelt der folgende kurze Beitrag ausschließlich von Gitarrenmusik – die hat Federico Moreno Torroba nämlich auch geschrieben, nachdem er Andrés Segovia kennengelernt hatte. Das war 1918, wie Walter Aaron Clark und William Craig Krause, die Autoren des schnell zum Standardwerk avancierten Buches über den Komponisten [Federico Moreno Torroba – A Musical Life in Three Acts, New York 2013] vermutet haben. Das Buch wird hier noch Thema sein!


Segovia war zu der Zeit dabei, ein neues Repertoire für sein Instrument zu generieren. Dabei bemühte er sich besonders, Komponisten für die Gitarre einzunehmen, die selbst keine Gitarristen waren. Auf diese Art wollte er vermeiden, dass immer wieder aufs Neue idiomatische Wendungen kompositorisch verarbeitet wurden, die zwar der Gitarre, nicht aber der „klassischen Musik“ seiner Zeit entsprachen. Notabene: Segovia war ein durch und durch konservativer Musiker, der moderne, atonale Klänge regelrecht ablehnte … aber er war ein sehr effektiver Manager seiner selbst. Andrés Segovia kannte die Welt und die die Welt kannte ihn. Er war für eine Weile eine Art Monopolist, was „klassische Gitarre“ anging … aber tout Paris eiferte ihm nach und so wurde Segovias interpretatorischer Stil trotz seiner unverschämt eigenwilligen Marotten zum weltweiten Standard. Jeder verzückte, träumte, betonte und verzögerte Phrasen ab sofort wie Segovia und nicht, wie es der Professor an der Hochschule einem beigebracht hatte. Gitarristen kopierten ihren Maestro – in der Annahme und der festen Überzeugung, so und nicht anders müsse es sein! Eine ganze Generation Gitarristen spielte wie Segovia
Federico Moreno Torroba war einer der Komponisten, die Segovia auf den Leim gegangen sind. Wer weiß, vielleicht waren Zarzuelas nicht mehr der Renner, vielleicht sah er in seinem neuen Freund Segovia einen Geschäftspartner … auf jeden Fall  waren es schwere Zeiten für Musiker und besonders für Komponisten. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war schließlich bestimmt von Kriegen und von Rassismus und Verfolgung. Es war keine gute Zeit für Kunst und Kultur!
Pietro Locatto, der Solist der vorliegenden Moreno Torroba-Auswahl, wurde 1990 in Turin geboren. Bei Stefano Grondona hat er studiert, später bei Frédéric Zigante, verschiedene internationale Wettbewerbe hat er gewonnen. Locatto spielt zurückhaltend und ohne mit seiner zweifellosen Virtuosität zu kokettieren. Auch von Segovianischen Schrulligkeiten hält er sich fern … wenn man von solchen Eigentümlichkeiten überhaupt noch reden kann. Segovia (1893–1987), der Vorbildmusiker für mehrere Generationen von Gitarristen, ist schon über dreißig Jahre tot und viele jüngere Musiker kennen ihn schon nicht mehr – von seinem musikalischen Einfluss ganz zu schweigen. Bei Pietro Locatto jedenfalls hört man ihn nicht mehr … und das ist gut so!
Für Gitarre hat Federico Moreno Torroba gern kurze Portraits und Charakterstücke geschrieben – wie übrigens auch Isaac Albéniz, der ganze Suiten auf spanische Städte oder Landschriften für Klavier komponiert hat. Er (Moreno Torroba) hat sie auch so überschrieben: „Piezas Características“, „Puertas de Madrid“ oder „Castillos de España“.

Es ist eine sehr kurzweilige und spanische Werkauswahl, die uns Locatto hier vorlegt! Und er beweist, dass er spanisch denken, fühlen und musizieren kann. Gut, als international agierender Gitarrist, darf man das auch von ihm verlangen – aber – wie gesagt – er kann’s!