Giuliani pop

Konzert bei der Familie Malfatti in WienLudwig van Beethoven wurde am 17. Dezember 1770 geboren. Das ist ziemlich genau zweihundertfünfzig Jahre her. Wo? Nein, nicht in Wien … auch, wenn er den größten Teil seiner kreativen Lebenszeit dort verbracht hat und weil Wien zur Beethoven-Zeit der klassische Wohnort für Komponisten klassischer Musik war.
Nein, Ludwig van Beethoven wurde hier, am Rhein, geboren. In dem verträumten Städtchen, das rund zweihundert Jahre später zur deutschen Hauptstadt werden sollte. Oder sollte man besser sagen, „zum provisorischen Regierungssitz“? Eine richtige Hauptstadt ist Bonn nie gewesen, keine Metropole und auch keine Kulturhauptstadt. Aber es war nach den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs und der Schoah klug, mit der neuen Regierungsstadt eher Bescheidenheit zu demonstrieren.
Aber das war lange nachdem der größte Sohn der Stadt in Bonn gelebt hatte. Jetzt wird hier, in einer Zeitschrift namens „Gitarre & Laute ONLINE“, Ludwig van Beethoven ob seines Gedenktages gewürdigt … dabei hat er – außer ein paar Petitessen für Mandoline … nichts für Zupfinstrumente komponiert.
Konrad Wölki schreibt in seiner Broschüre „Geschichte der Mandoline“ von 1979 umfänglich über Beethovens „Adagio“ Es-Dur und seine „Sonatine“ c-Moll für Mandoline und Cembalo und auf der Basis dieser Stücke legt er seinen Lesern Beethoven als Zupfmusikkomponist ans Herz … der er nie war. Später sollen noch zwei weitere Stücke Beethovens gefunden worden sein, über die dann – wie über die anderen – in eher obskuren Zeitschriften berichtet worden ist.

Die Beethoven-Kompositionen für Mandoline und Cembalo sind WoO (Werke ohne Opus-Nummern) und im Verlag Edition Musica in Budapest erschienen. Gelistet sind sie in Konrad Ragossnigs „Handbuch der Gitarre und Laute“, Mainz u.a.,42003, Schott Music
Damit ist die Rolle, die Ludwig van Beethoven in der (und für die) Zupfmusik seiner Zeit gespielt hat, beschrieben. Mehr war nicht. Dass Anna Malfatti auf dem Gemälde „Konzert bei der Familie Malfatti“ mit Gitarre dargestellt worden ist, deutet auf die enorme Popularität hin, die das Instrument damals kurzfristig genossen hat. Wir erinnern uns: Mauro Giuliani war 1806 nach Wien gekommen und hatte dort eine sensationelle Karriere gemacht. Mit der Gitarre. Danach löste das Instrument eine Hysterie aus. Die Gitarre war die Gewinnerin – und mit ihr Interpreten, Gitarrenbauer, Musikverleger, Saitenmacher usw.

Abbildung: „Konzert bei der Familie Malfatti“, anonymes Ölbild, am Klavier Therese Malfatti, in der Mitte ihre Schwester Anna mit Gitarre. Rechts hinter Therese sieht man Dr. Giovanni Malfatti, einen in Wien angesehenen und bekannten Arzt, bei dem auch Beethoven eine Zeit in Behandlung gewesen ist und der auch 1827 an Beethovens Sterbebett geholt wurde.