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Francois de Fossa Vol 3François de Fossa (1775–1849): Solo Works for Guitar
Runar Kjeldsberg, Romantic Guitar
Aufnahmedaten: nicht bekannt
Gitarren: René Lacôte (ca. 1820) und Gennaro Fabricatore (1830)
Vol. 1: Four Fantasias; CD;
℗ 2014; EMK 021
Vol. 2: Opus. 6; Opus 15; 2 CDs;
℗ 2016; EMK 024
Vol. 3: Inspirations; 2 CDs;
℗ 2017; EMK 029
Alle im Vertrieb von
http://www.musikkoperatørene.com
… eine spektakuläre Edition …

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Hans Ovesen, der die Titelgrafiken für die drei de Fossa-CDs angefertigt hat, ist uns hier schon bekannt. Maximilian Trapp hat im letzten Jahr eine CD mit dem Titel „Les Deux Amis“ besprochen und seine Rezension schloss mit diesen Worten: „Hans Ovesen, der Künstler und Gestalter, stellt sich im Internet als Architekt, Schriftsteller, Gitarrist und als Bildender Künstler vor und ich empfehle einen Blick in seine Homepage! Vielleicht liefern seine Zeichnungen, Gemälde oder serielle Grafiken Material für weitere CD- oder LP-Designs? Mir gefallen sie!“ Mir auch! Jetzt liegen drei weitere CD-Editionen vor, deren Coverbilder unverkennbar auch von Hans Ovesen stammen. Diesmal sind nicht Fernando Sor und Dionisio Aguado dargestellt, diesmal ist es François de Fossa (1775–1849), dessen Solowerke für Gitarre auf den insgesamt fünf CDs zum Teil erstmalig eingespielt sind.
Runar Kjeldsberg ist Norweger und Empfänger des renommierten Förderpreises der Staatlichen Norwegischen Kunststiftung. Seine künstlerischen Examina hat er in Maastricht abgelegt, ebenso in Strasbourg, Orléans und Kristiansand, seine Lehrer waren Carlo Marchione, Alexis Muzurakis und Gerard Abiton.
François de Fossa: Seit Jahren arbeiten Musiker und Wissenschaftler daran, sein musikalisches Œuvre wiederzuentdecken oder – sagen wir – aufzubereiten. Besonders Matanya Ophee und Erik Stenstadvold sind zu nennen, wenn es um die Neuausgaben von de Fossas Werken geht.
François de Fossa war so etwas wie ein „Amateur“, was die Musik anging … wenn solche Klassifizierungen auf künstlerische Tätigkeiten überhaupt anwendbar und/oder sinnvoll sind. Sie passen eher zu den Gepflogenheiten von Handwerkern und Gilden, die schon im Mittelalter die Zahl ihrer Mitbewerber möglichst überschaubar und die Qualität der angebotenen Arbeit verlässlich beschreibbar halten wollten. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, trotzdem verdient man als alleiniger Platzhirsch mehr.
„Hauptberuflich“ war François de Fossa alles andere als Künstler – er war Soldat … und zwar auf beiden Seiten der zu seiner Zeit ausgetragenen Konflikte. Er verdingte sich nämlich für Freund und Feind, mal für Frankreich, mal für Spanien. Und abgesehen vom Schlachtengetümmel: François de Fossa verdiente sich als Komponist, ausübender Musik und Musiklehrer ein Zubrot – so viel zum Thema „Amateur“.

Francois de Fossa Vol 2Runar Kjeldsberg kann man nur gratulieren für die CD-Edition, die uns jetzt vorliegt … nicht nur wegen der Grafiken, die Hans Ovesen beigesteuert hat – aber wegen der auch! Nein, schon das Unternehmen, alle Solowerke von François de Fossa zusammenzufassen, ist eine Großtat … weitgehend den aufführungspraktischen Gepflogenheiten ihrer Entstehungszeit zu folgen, allerdings heute nicht mehr wirklich. Die Verwendung historischer Instrumente ist mittlerweile gang und gäbe – auch, dass sich Interpreten so weit wie möglich an den aufführungspraktischen Gepflogenheiten ihrer Entstehungszeit orientieren. Denn historische Instrumente zu verwenden, ist bekanntlich nur ein Schritt in Richtung „Authentizität“, und zwar der für „Otto Normalmusiker“ einfachste, wenn auch nicht billigste. Denn ein historisches Instrument ist zunächst nichts anderes, als ein austauschbares Versatzstück, dessen Verwendung ohne weiteres Zutun keineswegs aus alter Musik „Alte Musik“ macht. Das leistet erst der Interpret und dessen Sorgfalt im Umgang mit den musikalischen Vorlagen.
Schon die Entscheidung, historisches Saitenmetarial zu verwenden, also Darmsaiten, setzt ein beim Interpreten ein grundsätzliches Umorientieren voraus: kürzere oder überhaupt keine Fingernägel an der rechten Hand, weil die das weichere Saitenmaterial beschädigen könnten; weniger Abzüge und Portamenti (aus gleichem Grund); geringere Tempi, weil das „Schneller-höher-weiter“ weder dem Lebensgefühl der Menschen vor – sagen wir – zweihundert Jahren entsprochen hat, noch dem zur Verfügung stehenden Instrumentarium. Die Zeit war langsamer, leiser und intimer.

Und Runar Kjeldsberg wird dem gerecht … er präsentiert uns fein und artig Repertoirestücke, von denen die meisten auf Vorlagen des frühen 19. Jahrhunderts zurückgehen: auf das „Andante quasi Allegretto“ aus der Serenade op. 8 für Streichtrio (Violine, Viola und Violoncello) von Ludwig van Beethoven zum Beispiel, auch auf populäre Themen wie „Folies d’Espagne“, die häufig von Lautenisten und Gitarristen bearbeitet worden sind … das war schließlich das Repertoire, mit dem sich Gitarristen zur Zeit de Fossas befassten: Opern, Kammermusik und schließlich sogar sinfonische Werke – alles, was en vogue war. Bearbeitungen wurden in großer Zahl von den Musikverlagen herausgebracht oder selbst angefertigt.

Es ist eine spektakuläre Edition, die uns Runar Kjeldsberg hier präsentiert! Mit seinem Virtuosentum weiß er zu überzeugen und gleichzeitig mit seinem sensiblen Umgang mit historischen Vorgaben. Er hat sie überwunden, die Klippe, die manchem Interpreten von Alter Musik lange schier unüberwindlich im Wege ist, die Klippe zwischen natürlichem, freiem Spiel und dem rationalen, an historischen Vorgaben orientierten Interpretieren. Wie war das noch: Man muss alles lesen und verinnerlichen, was es zum Thema Interpretation und Aufführungspraxis Alter Musik gibt – und dann muss man alles wieder vergessen. Erst danach weiß man wie‘s geht. Runar Kjeldsberg ist auf dem Weg!