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Svoboda Michal La BusquedaMichal Svoboda: La Búsqueda
Werke von Agustín Barrios und Miguel Llobet
Aufgenommen im Dezember 2016, erschienen ℗ 2017
Gitarre von Mario Rosazza-Ferraris, Rom 2004
ARCODIVA UP 0191-2 131, im Vertrieb von Klassik Center, Kassel
… überzeugende Debüt-CD …

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Ein junger Gitarrist, der ein Programm aus- und aufführen möchte, das ausschließlich aus Stücken von Gitarristen/Komponisten besteht, von Musikern also, die selbst gut oder vielleicht sogar einzigartig Gitarre spielen oder gespielt haben, geht einem Risiko aus dem Weg … und stellt sich gleichzeitig einem anderen. Er kann sich – einerseits – darauf verlassen, dass die Stücke, die er da spielen will, in Kenntnis der idiomatischen und spieltechnischen Eigenarten der Gitarre geschrieben, also „spielbar“ sind, muss sich aber – andererseits – darauf gefasst machen, dass er es mit höchst anspruchsvollem Material zu tun haben wird, für das Referenzeinspielungen gleich mitgeliefert werden.

Michal Svoboda, mit dessen CD wir es hier zu tun haben, kommt aus Tschechien. In Znojmo wurde er 1985 geboren, bei Stanislav Juřica hat er studiert, danach in Wien bei Alexander Swete und bei Tomasz Zawierucha in Feldkirch. Für seine jetzt vorliegende Debüt-CD hat er Stücke ausgewählt, die unverkennbar von Gitarristen/Komponisten geschrieben sind. Sie haben dieses Flair von „passend“ oder „instrumentengerecht“ – außerdem sind sie uns, die wir rund hundert Jahre nach ihrem Entstehen debattieren, mehr als bekannt.

Svoboda spielt Stücke von Barrios (1885–1944) und Llobet (1878–1938), die beide auf der Basis der Volksmusik ihrer jeweiligen Heimatländer komponiert haben … und zwar zu einer Zeit, als in Europa an einer revolutionären Um- oder Neugestaltung der musikalischen Sprache gearbeitet wurde.
Immerhin waren Barrios und Llobet Zeitgenossen von Arnold Schönberg (1874–1951) und seiner Schüler Alban Berg (1885–1935) und Anton Webern (1883–1945) – komponiert haben sie eher wie die Angehörigen der Musikergeneration davor … wie Schubert (1797–1828) vielleicht oder Robert Schumann (1810–1856). Das ist keineswegs verwerflich, waren folkloristische Klänge doch bei der Herausbildung nationaler musikalischer Stile von zentraler Bedeutung – allerdings hat sich Michal Svoboda entschlossen, den Hörern seiner ersten CD ein eher konservatives Programm anzubieten – konservativ und in der Gitarrenwelt durchaus populär. Von Barrios gibt’s – naturgemäß – Einzelstücke, von „Oración Para Todos“ bis „Un Sueño en la Floresta“. Von Llobet hat er die „Romanza“ von 1896 ausgewählt, die Variationen über ein Thema von Sor und schließlich sechs „Canciones Populares Catalanas“.

Wir wissen es: Die Komponisten Barrios und Llobet waren brillante Gitarristen und gleich die einleitende „Oración“ von Barrios verlangt vom Gitarristen feinstes Legato. Das hört sich banal an, ist es aber keineswegs, weil die Gitarre bekanntlich einen punktuellen Ton hat, der ein Aneinanderbinden von Tönen verbietet … oder zumindest schwierig macht. Es geht … und Michal Svoboda beweist das auch. Aber immer gelingt es ihm nicht! Überhaupt, es sind manchmal Banalitäten, die mich an seinem Spiel stören. Ein „Stottern“ in der „Danza Paraguaya“ zum Beispiel oder „Aussetzer“ in der einen oder anderen Variation von Llobet/Sor. Das ist – gerade für junge Musiker, die gerne auf technische Perfektion getrimmt sind – ungewöhnlich!
Aber ist es nicht seltsam? Wir reden hier über ein Fehlen von Legato oder über ein „Stottern“ und das sind spieltechnische Unzulänglichkeiten, die ich eigentlich für immer für behoben gehalten habe … gleichzeitig beweist Michal Svoboda auch, dass er hinreißend schöne gesungene Melodien spielen kann. Die katalanischen Volkslieder in Bearbeitung von Miguel Llobet bieten schließlich ausreichend Gelegenheit dafür!
Michal Svoboda hat eine überzeugende Debüt-CD herausgebracht, die ihn als nicht nur kreativen Musiker vorstellt, sondern auch als Virtuosen. Ihm gelingt noch nicht alles, aber: DE GUSTIBUS NON EST DISPUTANDUM.