Giuliani pop

Presti CD 6642The Art of Ida Presti
Werke von de Visée, Bach, Paganini, Albéniz, Malats, Fortea, Moreno-Torroba, Villa-Lobos, Sor, Pujol, Lagoya
Aufgenommen 1938 und 1956
IDIS 6642, im Vertrieb von Klassik Center, Kassel

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Ida Presti kennen die meisten unter uns, wenn überhaupt, als Duopartnerin von Alexandre Lagoya. Dass sie aber vorher schon als Wunderkind eine sensationelle Karriere gemacht hat, davon liest man nicht viel … und auch, wenn Eleftheria Kotzia versucht, Idas Namen im Gespräch zu halten, ich fürchte, dass er bald nur noch den „Historikern“ unter den Gitarrenfreunden geläufig sein wird.

Eleftheria Kotzias Artikel über Ida Presti, der 1992 in Gitarre & Laute erschienen ist, finden Sie hier in Gitarre & Laute ONLINE, ansonsten gibt es leider wenig neuere Literatur zum Thema. Die unten folgende Diskographie hat Eleftheria nach Rücksprache aus Beiträgen der Pariser Zeitschrift „Les Cahiers de La Guitare“ übernommen.

Ida Presti hat 1938 ihre ersten Aufnahmen gemacht, da war sie dreizehn oder vierzehn Jahre alt. Die Datierung 1934—1936 in der Diskographie ist offenbar falsch, denn Marco Bazzotti, der Herausgeber der vorliegenden IDIS-CD und auch John W. Duarte, der 1995 eine CD mit ähnlicher Auswahl herausgegeben hat (Ida Presti and Luise Walker: Les grands dames de la guitare, PEARL GEMM CD 9133, Pavilion Records Ltd.), schreiben übereinstimmend, die Aufnahmen seien 1938 entstanden. Duarte hat dazu noch die Matrizen- und Platten-Nummern der Produktionen angegeben. Interessant ist, dass auf beiden CD-Neuproduktionen die Volkslieder von Ponce und auch der spanische Tanz von Enrique Granados fehlen. Was den Rauschpegel angeht, ist unüberhörbar bei der neueren CD von IDIS Hand angelegt worden: weniger Rauschen bei insgesamt gleicher Aufnahmequalität.

Das Repertoire, das Ida Presti 1938 eingespielt hat, war natürlich zu dieser Zeit Standard: Die Visée-Stücke wurden schlichtweg „Pièces anciennes“ genannt und es war auch nicht die komplette Suite, wie sie später José de Azpiazu, Karl Scheit und Nachfolger herausgegeben haben. Es war die Auswahl an „alten Stücken, wie sie bei Napoleon Coste in seinem „Livre d’or du Guitariste“ zu finden war. Von Bach wurden natürlich keine kompletten Suiten oder Partiten gespielt, sondern Einzelsätze wie hier die Courante aus der dritten Cello-Suite. Und auch die Sonatina von Federico Moreno-Torroba wurde nicht zyklisch gespielt, sondern zerlegt in Einzelsätze – Ida Presti hat, wie Segovia, nur den ersten Satz für ihre Schallplattenaufnahme ausgewählt.Andere Stücke, zum Beispiel die „Serenata Española“ von Joaquín Malats, die schon Francisco Tárrega für Gitarre transkribiert hat, oder auch „Andaluza“ von Daniel Fortea, sind später völlig aus der Mode gekommen – sehr zum meinem Erstaunen übrigens, was die Serenata von Malats angeht. Das Stück von Fortea ist eher platt, aber die „Serenata Española“ ist ein sehr wirkungsvolles Stück. Es gibt unendlich viele Aufnahmen davon, darunter je eine auf ihre Art hinreißend schöne von Alirio Díaz und Julian Bream, die eigentlich dafür gesorgt haben müssten, dass das Stück für immer im Repertoire blieb … aber die „Serenata“ ist aus den Programmen verschwunden, ähnlich wie „Andaluza“ von Fortea. Wahrscheinlich, weil sich „klassische“ Gitarristinnen und Gitarristen nicht (mehr) mit Salonmusik befassten … aber die Serenata ist und bleibt attraktiv! Und sie war enorm populär. Man höre beispielsweise Joaquín Malats, den Komponisten selber, am Klavier, in einer Originalaufnahme von ca. 1903 (digitalisiert nach der Aufnahme auf einem Wachszylinder) bei YouTube].

Die vierzehnjährige Ida Presti hat das Stück 1938 mit dem damals üblichen Pathos gespielt, virtuos und natürlich technisch makellos, aber mit diesem für unsere Verhältnisse übergroßen Maß an Glissandi und agogischen Verzückungen. Aber Malats selbst hat so gespielt, wie wir hören können. Und von Segovia und seinen Zeitgenossen kennen wir die Spielweise auch.

Was wir von Andrés Segovia und seinen Zeitgenossen allerdings nicht kennen, ist die frische und unverbogene Art, wie sie Ida Presti in ihrem Spiel präsentiert. In keiner Phase manieriert, aufgesetzt oder unehrlich. Ihr Spiel ist anders, als man es von einer Vierzehnjährigen erwartet hätte, gut! Aber es strahlt Originalität aus und juvenile Energie.

Auf der CD folgt eine Aufnahme, die aus einer TV-Aufzeichnung von 1950 herausgefiltert worden ist: Villa-Lobos' „Prélude Nº 1“. Dieser Mitschnitt ist beileibe kein Vergnügen … dafür ist die Klangqualität zu schlecht. Aber er ist ein weiterer Beweis für die Jahrhundertbegabung, die Ida Presti war. Die Leichtigkeit, mit der sie spielt, hat sie schließlich auch in das Gitarrenduo mit Alexandre Lagoya eingebracht.

Es folgen fünf Aufnahmen von 1956, entstanden achtzehn Jahre nach den frühen Aufnahmen, von denen schon die Rede war. Ida war inzwischen 32 Jahre alt und hatte den Zweiten Weltkrieg hinter sich gebracht. Sors Andante Largo op. 5/5 beginnt den Reigen … und schon höre ich das Unschuldig-Spielerisch-Kindliche ihres Spiels nicht mehr pur. Ida Presti hat sich in den Jahren von Vorbildern gelöst und einen eigenen Stil entwickelt. Andrés Segovia, der genau in diesen Jahren nach dem Krieg seine ganz große Zeit hatte, ihn hört man in Ida Prestis Spiel überhaupt nicht mehr. Das „Andante Largo“ von Sor ist sicherlich romantischer und agogisch freier, als man es heute darstellen würde, und doch weit entfernt von Segovias eigenmächtig schwülstiger Spielweise. Was sie präsentiert, wirkt luftig, leicht und spielrisch … selbst das abschließende Andante aus Bachs zweiter Violin-Sonate BWV 1003, das von Gitarristen – nicht von Geigern– gern als Tragödie aufgeführt wird.

Und Ida Prestis legendäre Virtuosität? Pujols „Guajira“ beispielweise lässt eine Leichtigkeit ahnen, die ein Kennzeichen wahrer Virtuosität ist. Leichtigkeit, fließende Bewegung und eine gewisse Nonchalance zeichnen den Meister aus. Ida Presti lässt sich, wenn’s eng wird, nicht drängen und bleibt Herrin über Dynamik, Phrasierung und alle anderen musikalischen Parameter. Das schaffen nur wenige. Fast immer hört man an schwierigen oder schnellen Stellen eines Stücks, dass dem jeweiligen Interpreten irgendein Aspekt entgleitet, sei es nun die Lautstärke oder der metrische Gleichfluss. Bei Ida Presti gab es solche Aussetzer nicht.

In Elefheria Kotzias Artikel über Ida Presti ist die Rede von einem Film namens "Le petit chose", in dem Ida Presti 1938 eine kleine Rolle gespielt hat. Hier ist ein Ausschnitt aus dem Film. Ida, gerade einmal 14 Jahre alt, spielte den "Gran Vals" von Francisco Tárrega.

 

Diskographie Ida Presti
Gitarre solo

Gramophon, 78rpm, 1934—1936
Ponce, Deux Chansons populaires Mexicaines; Granados, Danse Espagnole Nº 5; Fortea, Andaluza; Malats, Serenata; Albéniz, Rumores de la Caleta; de Visée, Pièces anciennes; Bach, Courante; Moreno-Torroba, Sonatina; Paganini, Allegro Romance

RCA, 45rpm, Nº F 75.022
Sor, Andante Largo; Pujol, Evocation Cubaine

RCA, 45rmp, Nº 75.089
Lagoya, Rêverie et Caprice; Bach, Andante (aus der dritten Violinsuite)

Die gleichen Titel finden sich auf den folgenden Langspielplatten (33rmp) bei RCA
130.033 (Pujol); 530.028 (Bach, Sor); 840.003 (Hommage à Ida Presti: Pujol, Bach, Sor, Lagoya)

 

Diskographie Duo Presti/Lagoya

RCA, 45rmp, Nº 75.01
Carulli, Largo, Rondo; De Falla, Récit du pêcheur, Danse Nº 1 aus La Vida Breve

RCA, 45rpm, Nº 75.5080
Bach, Gavotte & Musette; Albéniz, Tango

RCA, 45rpm, Nº 76.014
Simonot, Suite et danses Royales

RCA, 45rpm, Nº 76.039
Jolivet, Sérénade pour deux guitares

RCA, 45rpm, Nº 76.121
Granados, Danse Nº 4; Lesur, Elégie

RCA, LP, Nº 430.056
Diabelli, Romance et Marche; Carulli, Sérénade in C; Dowland, Three Danses; Bach, Sarabande et Gigue; Granados, Intermezzo

RCA, LP, Nº 230.001
Vivaldi, Concerto in G; Bach, Pélude et Fugue Nº 17; Sor, Divertissement Nº 1

RCA LP, Nº 130.033
Bach, Gavotte et Musette; Carulli, Largo et Rondo; de Falla, Récit du Pêcheur, Danse Nº 1 aus La Vida Breve
Albéniz, Tango; Pujol, Evocation cubaine (Ida Presti, Solo); Händel, Sarabanda varié (Alexandre Lagoya, Solo)

RCA LP, Nº 530.028
Bach, Gavotte et Musette; Bach, Andante aus der 3. Violinsonate (Ida Presti, Solo); Händel, Sarabande varié (Alexandre Lagoya, Solo); Carulli, Largo & Rondo; Albéniz, Tango; Sor, Andante Largo (Ida Presti, Solo); Lagoya, Rêverie et Caprice; (Alandre Lagoya, Solo); de Falla, Récit du pêcheur, Danse Nº 1 ausLa Vida Breve

RCA LP, Nº 830.003 „Hommage à Ida Presti“
(Ida Presti, Solo)
Bach, Andante aus der 3. Sonate für Violine Solo; Pujol, Evocation cubaine; Sor, Andante Largo; Lagoya, Rêverie et Caprice
(Duo Presti/Lagoya)
Presti, La Hongroise; Sor, Divertissement Nº 1;
(Alexandre Lagoya, Solo)
Presti, Danse Rhythmique

PHILIPS LP, Trésors Classiques, Nº L 00570
Bach, English Suite Nº 3: Courante, Allemande, Allegro; Marella, Suite Nº 1; Debussy, Clair de Lune; Petit, Toccata; Granados, Danse Nº 2; Poulenc, Improvisation; Albéniz, Danse

PHILIPS LP, Trésors Classiques, Nº 641.729 LL „Musique Espagnole pour deux Guitare“
Soler, Sonata in D; Galles, Sonata in B Minor; Soler, Sonata in D Minor; Sor, Divertissement Nº 1; de Falla, Danse Nº 1 aus La Vida Breve; Granados, Intermezzo; Albéniz, Tango; Rodrigo Tonadilla

PHILIPS LP, Trésors Classiques, Nº 641.730.LL
(zusammen mit dem Pro Arte Orchester, München)
Haydn, Concerto Nº 2 in G; Vivaldi, Concerti in C und G; Marcello, Concerti in D Minor

PHILIPS LP, Trésors Classiques, Nº 835.759.LX „Musique baroque pour deux guitares“
Händel, Chaconne in D, Fugue in G, Allegro in D Minor; Scarlatti, Sonata D Minor; Albinoni, Adagio; Pasquini, Canzone in E Minor; Marcello, Andante in D Minor

PHILIPS LP, Trésors Classiques, Nº 835.781.LIY
Carulli, Sérénade in G op. 96/3; Paganini, Sonata Concertante; de Falla, Ritual Fire Dance; Castelnuovo-Tedesco, Prelude & Fugue in E; Presti, Etude Fantastique; Petit, Tarantelle

 

Kompositionen von Ida Presti

Gitarre Solo:
Danse Rhythmique, Ricordi 1606
Etude de Matin, Columbia CO 164
Six Etudes, Eschig

Zwei Gitarren:
Etude, Ricordi 1615
Danse d’Avila, Ricordi 1616
Prélude Nº 1, Ricordi 1617

Kompositionen (unveröffentlicht)
Gitarre Solo:

Segovia
Étude à ma mère
Prélude (Hommage à Bach)
Prélude pour Alexandre

Gitarrenduo:
Etude
La hongroise (Homage à Béla Bartók)
Bagatelle
Etude Fantasque
Espagne

Wir danken Les Cahiers de la Guitare, Paris, für zahlreiche Informationen.