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Django 1 gross 300x294Django 3 300x291Django Reinhardt, Djangology Vol. 1. 1934—1935, NAXOS-Jazz [Naxos.com] 8.120515
Vol. 2. 1938—1939: Classic recordings by the “Quintette du Hot Club de France”, NAXOS-Jazz 8.120575
Vol. 3. 1936—1937: Classic recordings by the “Quintette du Hot Club de France”, NAXOS-Jazz 8.120686
Vol. 4. 1937: Classic recordings by the “Quintette du Hot Club de France”: Swingin’ with Django, NAXOS-Jazz 8.120698
Vol. 5. 1938—1939: Classic recordings by the “Quintette du Hot Club de France”: H. C. Q. Strout, NAXOS-Jazz 8.120707
Vol. 6. 1940: Classic Recordings by Django’s Music and “Quintette du Hot Club de France”, NAXOS-Jazz 120726
Vol. 7. 1935—1937: Classic Recordings: Americans in Paris, Part One, NAXOS-Jazz 8.120734
Vol. 8. 1938—1945: Classic Recordings: Americans in Paris, Part Two, NAXOS-Jazz 8.120740
Vol. 9. 1933—1941: Classic Recordings: Django Reinhardt with Vocals Featuring Jean Sablon, Germaine Sablon, Hildegarde, Jerry Mengo, Charles Trenet, Beryl Davis, Freddy Taylor, NAXOS-Jazz 8.120821
Vol. 10. 1940—1942: Classic Recordings: Belleville, NAXOS-Jazz 120822

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Django 5 300x291Django 7 300x290Vor etlichen Jahren – 1998, um genau zu sein – saß ich in einem Konzertsaal in Tampere in Finnland. Der Saal war nicht mit Stuhlreihen bestückt, sondern mit Tischen und Stühlen. Die Leute hatten etwas zu essen vor sich und auf jedem Tisch standen Weinflaschen. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete, schließlich kam ich unmittelbar vom Flughafen und hatte gerade meinen Koffer im Hotel untergestellt und noch keine Gelegenheit gehabt, in ein Programmheft zu schauen.

Die Veranstaltung hatte noch nicht begonnen und ich dachte mir, dass dies kein „klassisches Konzert“ sein konnte. Dafür waren Umgebung und Stimmung zu ungewöhnlich. Ich begrüßte jeden, der an dem Tisch saß, den man mir gewiesen hatte: Leo Brouwer, Oscar Ghiglia, Timo Korhonen, Manuel Barrueco und andere. Ich beantwortete die üblichen Fragen, umarmte diese und jenen … und dann klatschten alle im Saal. Zwei Männer waren auf die Bühne gekommen.

Django 9 300x291Man klatschte nicht nur. Leute riefen Namen und eine ziemliche Unruhe machte sich breit. Die beiden Musiker schienen beim Publikum – und nicht nur da – bekannt zu sein. Es waren Boulou und Elios Ferré.

Ich hatte die Namen noch nie gehört, als sie aber anfingen zu spielen, habe ich mir sofort ein Programmheft genommen und gelesen, mit wem wir es zu tun hatten.

Pierre Matelo Ferré, der Vater der beiden, und Baro Ferré, ihr Onkel, hatten zusammen mit Django Reinhardt im „Quintette du Hot Club de France“ gespielt. Boulou (*1951) hat bei Olivier Messiaen Komposition studiert, der Jazz und der Zigeuner-Swing haben ihn aber nie losgelassen. Bulou Ferré hat mit zahlreichen Jazz-Größen dieser Welt gespielt, mit Stéphane Grappelli (1908—1997) und vielen anderen. Verwandt mit Django sind die Brüder Ferré nicht – aber mindestens seelenverwandt, das kann niemandem entgehen.

Und die Ferré-Brüder haben Djangos Swing weiterentwickelt. Sie haben da weitergemacht, wo Django aufgehört hatte und sind keine Epigonen, keine Nachahmer, wie so viele in ihrer Generation. „Voici Django qui revient!“ schrieb eine französische Jazz-Zeitschrift nach einem Konzert von Boulou, Schaut her, Django ist wieder da!

 

Warum ich das erzähle? Ich erzähle es, weil ich an diesem Abend in Tampere zusammen mit allen anderen Konzertbesuchern auch den Eindruck hatte, Django live zu hören. Da wurde auf alles mögliche improvisiert, da wurden Klassiker wie „Nuages“ gespielt und alles auf einem Niveau, wie man es sehr selten hört. Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre des Buches von Ian Cruickshank (Django’s Gypsies: The Mystique of Django Reinhardt and his People. A unique Collection of Photographs, Illustrations, Memorabilia and Quotations. Newcastle-upon-Tyne 1994, Ashley Mark Publishing Company). Dies ist ein wunderbares Buch zum Stöbern und zum Entdecken zum Thema Django und Familie. Nichts ist daran auszusetzen … sieht man von der notorisch miserablen Litho- und Druckqualität ab, die bei diesem Verlag aber nichts Neues ist.

Die Reihe mit Django-Reinhardt-CDs bei Naxos lässt dagegen keine Wünsche offen. Mich selbst interessieren besonders die frühen Aufnahmen mit dem „Quintette du Hot Club de France“ und Stéphane Grappelli, aber auch die späteren sind enthalten – alles genau mit Aufnahmedaten etc. dokumentiert. So findet man zum Beispiel auch die Stücke, von deren Aufnahme Dietrich Schulz-Köhn in seinem Beitrag berichtet hat: „Nagasaki“ mit Freddy Taylor zum Beispiel ist am 15. Oktober 1936 aufgenommen worden (CD 3) ebenso „Georgia on my mind“ mit dem „Text von Schulz-Köhn“. Dass Naxos-CDs dazu auch noch erschwinglich sind, nehmen sie das bitte als Encore!