Giuliani pop

Two LutesRonn McFarlane & William Simms
Two Lutes: Lute Duets from England’s Golden Age
Werke von John Jonson, John Danyel, John Dowland, Thomas Robinson und anderen
Aufgenommen im Mai und September 2011
Lauten: Ray Nurse und Andrew Rutherford
SONO LUMINUS DSL 92155, im Vertrieb von NAXOS
wie eine gut geölte Nähmaschine …

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Die Lautenduos, die in den Tabulaturbüchern der Elizabethanischen Zeit stehen, erfreuen sich bei Gitarristen und zunehmend auch bei Lautenisten großer Beliebtheit. „La Rossignol“, „Greensleeves“ oder „Drewries accordes“ gehören zu den Stücken, die gern als Aufmacher für Programme gespielt werden – allerdings beschränkt sich die Auswahl oft auf diese und eine Handvoll mehr Stücke … mit der üblichen Begründung, es gebe nicht mehr. Das ist falsch! Im Booklet der vorliegenden Duo-CD heißt es: „As it turns out, in the high renaissance (roughly 1570 to 1620 or so) we have more than eighty works that qualify, and these make up the body of this recording.“ Robert Aubry Davis, der Autor, bezieht sich dabei auf Quellenforschungen, die Lyle Nordstrom, der zusammen mit Paul O’Dette in dem Ensemble „Swanne Alley“ gespielt hat, zu dem Thema angestellt hat.

Lautenduos zweier grundsätzlich unterschiedlicher Arten finden wir im Elizabethanischen Repertoire, schreibt Ronn McFarlane anschließend. Bei der einen spielen die beiden Lauten mehr oder weniger das gleiche Material, wechseln sich aber darin ab, ob sie die melodische Führungsstimme oder eine Begleitstimme ausführen. Bei der anderen Variante spielt eine Laute eine einstimmige Diskantstimme, die andere ein Bassfundament, im Englischen auch „ground“ genannt. Bei diesen Duos steht es dem „Diskant-Lautenisten“ frei, seine Stimme durch „divisions“ anzureichern und virtuos auszuzieren.

Zu hören gibt es auf der CD 27 Einzelstücke, die, und das liegt an der klanglichen Gleichförmigkeit der Auslegung des Ensembles, wenig Abwechslung bereithält. Die für englische Lautenmusik typische Schreibweise mit divisions und das, simplifiziert dargestellt, durchgehende Formschema A—A‘—B—B‘ tun ein weiteres … ebenso und ganz besonders, die Art und Weise, wie die beteiligten Lautenisten. Ron McFarlane und William Simms spielen: im typischen Gitarristenmodus nämlich: schnell, genau und metrisch ebenmäßig; ohne, dass ein irgendwie geartetes Betonungsmuster auffiele. Man höre als Beleg dafür „Trenchmore“ von John Johnson (#4). Klingt – zugegeben! – wie eine gut geölte Nähmaschine … aber wer hört sich schon Nähmaschinen auf CD an?

Dass ein Sichvertiefen in Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis für den einen überflüssiges Unterfangen und für den anderen Ziel und Zweck seines musikalischen Tuns ist, wissen wir. Wir wissen aber auch, dass zur „Alten Musik“ mehr als nur ein „historisches Instrument“ gehört, das oft tatsächlich nur eine Art Staffage ist. Wie man „Alte Musik“ für zwei Lauten zum Leben bringt, haben kürzlich erst Karl-Ernst Schröder und Crawford Young: Amours–Amours–Amours gezeigt.