Giuliani pop

CD Brilliant Segovia ArchiveThe Andrés Segovia Archive
Complete Guitar Music written for Andrés Segovia
Ermanno Brignolo, Gitarre; Orchestra del Conservatorio di Alessandria
Werke von Arregui, Berkeley, de Bréville, Castelnuovo-Tedesco, Cassadó, Collet, Company, Desderi, Ferroud, Fornerod, Frazzi, Gilardino, Haug, Holguín, Laparra, Manén, Martelli, Mompou, Moreno-Torroba, Moulaert, Pahissa, Petit, Peyrot, Presti, Sangiacomo, Sanjuán, Padre Donostia, Scott, Strasfogel, Tansman
Aufgenommen Mai 2011 bis März 2013, erschienen am 1. September 2013
Brilliant Classics [7 CDs] 9427
… eine sensationelle CD-Produktion! …


Dies ist, um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, eine sensationelle CD-Produktion! Die Idee, die hinter ihr steht, ist nicht, die Stücke erneut aufzunehmen, die Maestro Segovia (1893—1987) gespielt und berühmt gemacht hat, sondern die, die zwar für Segovia geschrieben und ihm gewidme Die Geschichte, wie die zahlreichen unbekannten Werke ans Tageslicht gekommen sind, erzählt Brignolo in seinem – für meine Begriffe übrigens viel zu knapp gehaltenen – Booklet-Text. Angelo Gilardino, einer von Brignolos Lehrern, ist 1997 durch die Marquesa de Solobreña, Segovias Witwe, zum Leiter der Andrés-Segovia-Stiftung in Linares, ernannt worden. Dort wurde er in die Lage versetzt, die Hinterlassenschaften des weltberühmten Künstlers zu untersuchen … darunter musikalische Manuskripte und Korrespondenz mit Komponisten. Bei Betrachtung dieser Archivalien wurde schnell klar, welcher Fundus an erstklassigen Kompositionen da auf eine Veröffentlichung wartete und Angelo Gilardino wurde schnell mit dem Musikverlag Edizioni Musicali Bèrben in Ancona einig, dass dort die Werke aus dem Segovia-Nachlass erscheinen sollten. Die vorliegende CD-Produktion ist die klingende Dokumentation des Segovia-Erbes, der Pflichtteil sozusagen, der den postsegovianischen zusteht.t sind, die er aber aus welchem Grund auch immer links liegen ließ und niemals öffentlich spielte oder für die Schallplatte aufnahm. Von einigen Kompositionen wissen wir seit einiger Zeit – dazu gehören die „Quatre Pièces Brèves“ von Frank Martin. Sie sind aber nicht in die Sammlung von Ermanno Brignolo aufgenommen worden. Diese enthält nämlich ausschließlich Kompositionen, die:
a. Segovia gewidmet sind, die er aber nie gespielt oder veröffentlicht hat und die aus diesem Grund unbekannt geblieben sind;
b. Segovia zwar gespielt und auch eingespielt, die er aber vorher weitreichend modifiziert hat. In diese Gruppe gehören Stücke von Mario Castelnuovo-Tedesco, Juan Manén und Federico Mompou
c. erst in jüngerer Zeit geschrieben wurden und auf Sogovia Bezug nehmen. In diese Gruppe gehören einige wenige Kompositionen von Angelo Gilardino und Alvaro Company.

Was die dargestellten Kompositionen angeht, könnte ich jetzt die eine oder andere herausheben, die eine oder andere vielleicht auch mit besonderer Betonung … aber allein die Reihe der Komponistennamen sollte Nachweis genug sein, dass es sich bei den Stücken um wertvolle Beiträge zum Gitarrenrepertoire des zwanzigsten Jahrhunderts handelt. Beispiele:
Aloys-Henri-Gérard Fornerod (1890—1965) war Schüler von d’Indy, zwischendurch auch von Pfitzner. Schließlich war er bis zu seinem Tod Kompositionslehrer und Direktor des Konservatoriums von Fribourg. Er hat mehrere Opern geschrieben, Orchester- und Sakralwerke.
Hans Haug (1900—1967) war ein angesehener Schweizer Dirigent und Komponist. Er hat in Basel und München studiert und war schließlich Chorleiter und Künstlerischer Leiter an Theatern in Basel und Lausanne. Acht Opern hat er geschrieben, außerdem Orchesterwerke und Kammermusik.
Ignace Strasfogel (1909--1994) kam, in Warschau geboren, mit jungen Jahren nach Berlin, wo er Komposition bei Franz Schreker und Klavier bei Leonid Kreutzer studierte. 1926 erhielt er den Mendelssohn-Preis für seine Zweite Klaviersonate, wenig später wurde er musikalischer Assistent von Max Reinhardt, für den er Bühnenmusiken schrieb. 1933 emigrierte er in die USA, wo er hauptsächlich als Pianist und Dirigent arbeitete, später als Korrepetitor und Dirigent an der Metropolitan Opera in New York. Erst in den 1980er Jahren wandte sich Strasfogel wieder kontinuierlich dem Komponieren zu.
Im Booklet der CD findet man die Information, „Prélude, Elegie und Rondo“ sei nicht im Druck erschienen, sondern läge lediglich als Manuskript vor. Diese Information ist falsch! Die Druckversion dieser Komposition ist schon 1993 herausgekommen [olim Gitarre & Laute VerlagsGmbH, Köln – jetzt Verlag Dr. Peter Päffgen, www.PeterPaeffgen.com].
Die Sonatina von Cyril Scott ist von Julian Bream uraufgeführt und danach schon ein paarmal aufgenommen worden (unter anderem von Tilman Hoppstock), insgesamt aber noch ein unbekanntes Stück.
Von Mario Castelnuovo-Tedesco hat Segovia etliche Werke uraufgeführt und immer wieder öffentlich gespielt. Die Sonata op. 77 „Hommage a Boccherini“ ist bei Schott als GA 149 erschienen, allerdings in einer von Segovia stark modifizierten Version. Jetzt ist bei Bèrben eine Neuausgabe herausgekommen.
Man sieht, die Komponisten mit ganz großem Namen waren es nicht, die Segovia für sein Instrument interessieren konnte, immerhin aber namhafte Künstler seiner Zeit … und keineswegs nur Spanier oder Lateinamerikaner, denen das Kolorit der Gitarre vielleicht auch ohne Segovias Zutun vertraut war. Und: Es hat Komponisten gegeben, die für die Gitarre und für Segovia komponiert, deren Werke aber niemals das Interesse des Maestro gefunden haben. Und notabene! Ob jetzt alle Kompositionen vorliegen, die von Segovia angeregt worden sind, für ihn komponiert – und von ihm schließlich von ihm abgelehnt wurden, das wissen wir immer noch nicht. Vielleicht hat Maurice Ravel (1875—1937) doch ein Herz für das neue Instrument gehabt und Manuskripte seiner Komposition(en) für Gitarre sind 1936 in Segovias Haus in Barcelona verbrannt?
Ermanno Brignolo führt uns Stücke aus dem Repertoire Segovias vor … allerdings ohne dabei dessen interpretatorische Marotten zu übernehmen oder nachzuahmen. Nein, Brignolo hält sich an den Notentext, er romantisiert nicht und sagt klar und deutlich die Wahrheit. Immerhin hatte er wenige Vorbilder, was die darzustellenden Stücke angeht … sein Programm enthält schließlich viele Uraufführungen und Ersteinspielungen!
Noch ein Wort zu Angelo Gilardino: Er hat die große Entdeckung gemacht, er zeichnet für die Ausgabenreihe bei Bèrben verantwortlich und er hat schließlich auch die vorliegende CD-Sammlung von Ermanno Brignolo initiiert. Dafür gebührt ihm Anerkennung und Dank!