Giuliani pop

PaganiniChristopher Nupen, Paganini’s Daemon, A Most Enduring Legend. Mit Gidon Kremer, John Williams, Orchestra della Svizzera Italiana, Coro della Radiotelevisione della Svizzera Italiana, conducted by Lawrence Foster
DVD, produziert von Allegro Films in Zusammenarbeit mit ZDF und ARTE 2009, erschienen 2011
Allegro Films, A12CN D, in Deutschland vertrieben von NAXOS
… Musik, gespielt von großen Virtuosen unserer Zeit …

Christopher Nupen ist ein in England lebender, in Südafrika geborener Filmproduzent und Regisseur. Seine Spezialität sind Dokumentarfilme über Musiker und Komponisten. Wir haben ihn und seine Produktionen hier schon vorgestellt im Zusammenhang mit seinen legendären Filmen über Andrés Segovia: „Segovia at Los Olivos“ und „Andrés Segovia: The Sound of the Guitar“. Dass er sich immer wieder mit der Gitarre und ihrer Musik befasst hat, hängt mit seiner Liebe zu diesem Instrument zusammen – immerhin hat er 1962 an den Meisterkursen bei Andrés Segovia und Alirio Díaz in Siena teilgenommen [s. Andrés Segovia in Siena, Siena, Accademia Musicale Ghigiana, 1994, Quaderni della’Accademia Ghigiana Vol. XLVI, S. 62].

Nupen Paganini Titel DVD1Als Produzent für BBC in London hat Christopher Nupen begonnen, später hat er eigene Videos und DVDs herausgebracht, 1968 hat er dann die Produktionsfirma Allegro Films gegründet, die auch die vorliegende filmische Biografie über den „Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini (1782—1840) produziert und herausgegeben hat. Weitere Filme, die internationale Anerkennung fanden, behandelten unter anderem Johannes Brahms, Astor Piazzolla, Jean Sibelius und die legendäre Cellistin Jacqueline du Pré (1945—1987), Schülerin von Pablo Casals, Paul Tortelier und Mstislaw Rostropowitsch. Christopher Nupens Film „The Trout“ über das „Forellenquintett“ von Franz Schubert war schließlich sein größter bisheriger Erfolg. An ihm haben Jacqueline du Pré, Daniel Barenboim, ihr Ehemann, Itzhak Perlman, Zubin Mehta und Pinchas Zukerman mitgewirkt.

Gidon Kremer ist der Geiger, der in Paganinis Rolle als Konzertgeiger geschlüpft ist. Wenn Gitarrenmusik vorgeführt wird, ist es John Williams, der spielt … aber „Paganini’s Daemon“ ist nicht die filmische Darbietung eines Konzerts oder mehrer Konzerte und man hört auch nie ganze Kompositionen, sondern immer nur Bruchstücke, um die es in der erzählten Geschichte um Paganini gerade geht. Die Lebensgeschichte ist es, die erzählt wird. Es sind die Erfolge und Misserfolge des „Teufelsgeigers“, seine harte Kindheit und seine kometenhafte Karriere, schließlich der unerhörte Reichtum, den er durch seine Konzerte erworben hat.

 

Paganini hat seinen Zuschauern Rätsel aufgegeben, er hat immer wieder aufs Neue scheinbar Unmögliches möglich gemacht. 1829 schrieb Carl Wilhelm Ferdinand Guhr (1787—1848), selbst virtuoser und angesehener Geiger, „Über Paganinis Kunst, die Violine zu spielen“ und versuchte Paganinis Spiel zu erklären. Er war dem Maestro, den er bewunderte, auf Tourneen gefolgt und hatte sein Spiel unermüdlich aus der Nähe beobachtet. Aber auch Guhr konnte nicht alle Rätsel lösen. Sie waren es schließlich, die Paganini so berühmt machten. Er war der berühmteste Instrumentalist aller Zeiten, trat in allen Metropolen der damals überschaubaren Welt auf und bestimmte seine Honorare. Es wurde jede Summe bezahlt und am Höhepunkt seiner Karriere hatte Paganini so viel Geld, dass man ihn hätte fünfmal in Gold aufwiegen müssen, um sein Vermögen zu erreichen.

Schon von Giuseppe Tartini (1692—1770) hatte man ob seiner hohen Virtuosität angenommen, er hätte mit dem Teufel im Bund gestanden und er, Tartini, hatte auch mit seiner „Teufelstrillersonate“ die Gerüchte nicht unbedingt widerlegt. Paganini pflegte die Vermutungen durchaus, die über ihn die Runde machten. Sie machten ihn noch berühmter, noch unerklärlicher, sie machten ihn unsterblich.

Als Niccolò Paganini am 27. Mai 1840 in Nizza starb und vor seinem Ableben keine katholische Beichte abgelegt hatte, verwehrte man ihm – nach bischöflicher Überprüfung – ein christliches Begräbnis. Erst 36 Jahre nach seinem Tod wurde sein Leichnam offiziell beerdigt und weitere zwanzig Jahre später, 1896, bekannte sich die Stadt Parma, hier hatte Paganini ein Haus und hier wollte er sich ursprünglich zur Ruhe setzen, zu dem großen Musiker, widmete ihm ein standesgemäßes Grab und errichtete ein Denkmal.

Der Film von Christopher Nupen lässt ahnen, wie Paganini zu Lebzeiten angesehen war, wie er verehrt wurde und welche Erfolge er hatte. Es werden viele Dokumente vorgeführt; hie und dort ein paar originale Aufnahmen von Orten, an denen er gelebt hat und alles wird dokumentiert mit Musik, gespielt von großen Virtuosen unserer Zeit. Und Gidon Kremer, mit dem am Schluss noch ein Interview eingespielt wird, beweist sich als Teufelsgeiger des 21. Jahrhunderts.