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Moretti Worls for Solo GuitarLuigi Moretti. Works for Solo Guitar
Marcello Fantoni
Aufgenommen im März 2018, erschienen ℗ 2018
Word Premiere Recording
DYNAMIC CDS7828, im Vertrieb von NAXOS
… zweifellos mehr Aufmerksamkeit verdient …

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Luigi Moretti hat gelebt von 1774 bis ca. 1856 … davon geht Marcello Fantoni jedenfalls aus … oder Danilo Prefumo, der die textlichen Kommentare im CD-Booklet geschrieben hat? Tatsächlich wissen die beiden anerkennten Gitarrenkundler nur wenig über den Komponisten, obwohl sein Name, Moretti, uns etwas anderes zu verraten scheint. Er kommt uns irgendwie bekannt vor … vielleicht wegen Tobias Moretti, der uns mit einem Deutschen Schäferhund namens Rex bekannt gemacht hat?
Josef Zuth (Handbuch) wusste schon vor fast hundert Jahren einiges über eine Musikerfamilie Moretti. Er nimmt Bezug auf einen „spanischen Gitarrkomponisten“ namens Federico Moretti, der sich selbst „Dilettante“ genannt haben soll. Im folgenden nennt er einige Kompositionen dieses Moretti und ein Lehrwerk: „Principios para tocar la guitarra de seis ordenes“, erschienen in Madrid im Jahr 1799. In Neapel [sic!] ist dann eine italienische Übersetzung der Schule erschienen und zwar als Opus 1!

 

Im Quellenlexikon von Robert Eitner findet sich – so Zuth und natürlich nachweisbar – ein weiterer Musiker mit dem Namen Moretti. Auch er soll Spanier gewesen sein und Zuth meint schlicht: „dieser ist wohl identisch mit Federico M. und auch mit jenem Offizier der wallonischen Garde [daher »Dilettante«] …“ Und schließlich: „Ein etwas jüngerer Conte Don Luigi M. gab bei Ricordi, Mailand, an 20 Werke für Gitarre allein (»Variazioni«), Duetten für Geige (Flöte) und Gitarre […], Trios für Gitarre mit Streichern […] und 1 Quintett […] heraus.“Danilo Prefumo weist einen italienischen (nicht spanischen!) Gitarristen und Komponisten namens Luigi Moretti mit den Lebensdaten 1774 bis ca. 1856 nach – das wurde schon erwähnt. Dieser Moretti entstammte (so Prefumo) einer toskanischen Adelsfamilie.
Eine Generation zurück! Ein Pietro Silvestro Moretti war 1761 nach Neapel gezogen. Nicht viel später hat er eine reiche Erbin geheiratet und mit ihr zwei Söhne gezeugt: „two famous guitarists, Federico and Luigi Moretti, both born in Naples, in 1769 and 1774 respectively.“ Luigi, der ältere der Söhne, blieb zunächst in Neapel, um dann nach Florenz zu gehen, wie wir (so Prefumo) durch eine Bemerkung in einem Brief von Niccolò Paganini, datiert, Florenz, 11. August 1818, wissen: „Guitar Professor Moretti married a Miladi in Naples with sixteen gold sequins allowance a day, and is presently here …“ 1821 wurde Professor Morettis einziger Sohn geboren: Luigi Enrico
Wann, wie und wo Luigi Moretti gelebt hat, darüber liegen uns also mittlerweile Informationen vor, auch wenn Wikipedia meint: „Le notizie biografiche sono poverissime“. Aber unser neuer Kenntnisstand hat nicht dazu geführt, dass Morettis Kompositionen zu einer gewissen Popularität gekommen wären. Weder sind zahlreiche neue Ausgaben mit Kompositionen von Luigi Moretti erschienen, noch CDs – dabei hätte er zweifellos mehr Aufmerksamkeit verdient.
Die dargebotenen Stücke sind kurzweilig und enthalten das, was man von Petitessen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erwartet: anspruchsvolle, aber nicht schweißtreibende Virtuosität, zurückhaltende Romantizismen und schließlich musikalische Pointen, die auf den Punkt gebracht sind. Alles da!