Zweimal Vihuela

Raimondi_AhilliniYasunori Imamura: Spanish Music for Vihuela from the Time of Charles V
Werke von Milan, Narváez, Mudarra, Ortiz und Henestrosa
Aufgenommen im April 2013, erschienen 2014
QUERSTAND VKJK 1318
… vergleichsweise zurückgezogen …

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Massimo Marquese, Vihuela: Música italiana y española para vihuela de mano
Werke von Mudarra, Milan, Francesco Canova da Milano, Narváez, Dalza und Fuenllana
Aufgenommen im Juli 2012, erschienen 2013
CENTAUR CRC 3312, im Vertrieb von Klassik Center, Kassel
… besonnen und detailgenau …

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CD_MarcheseCD_ImamuraDass Musik für Vihuela tatsächlich (wieder) auf Vihuelas gespielt wird und nicht auf Konzertgitarren, ist seit Jahren nichts Besonderes mehr. Emilio Pujol war in den 1930er Jahren nach rund vier Jahrhunderten der Erste, der Vihuela gespielt – einem Nachbau natürlich – und sogar eine Schallplattenaufnahme mit Vihuela-Musik gemacht hat. Danach sollten wiederum Jahre vergehen, bis Graciano Tarragó bei der Deutschen Grammophon das eine oder andere Vihuela-Stück einspielte (Archiv Produktion 198 457, aufgenommen 1967). Vermutlich im gleichen Jahr nahm dann Eugen M. Dombois Stücke von Milan, Mudarra und Narváez auf … allerdings nicht auf einer Vihuela, sondern einer 10-chörigen Renaissance-Laute (für EMI-Electrola) und dann, im April 1974, Konrad Ragossnig, auf einer achtchörigen Laute von David Rubio (für die Reihe „Musik für Laute“ bei der Archiv Produktion).

Ausgaben mit Vihuelamusik waren schon früher herausgekommen, darunter zunächst ausschließlich wissenschaftliche Editionen wie die monumentale Ausgabe „Les Luthistes espagnols du XVIe Siècle“ des Grafen Morphy, in deren Vorwort François-Auguste Gevaert (1928—1908) bedauerte „Unglücklicherweise bleibt der musikalische Inhalt dieser kostbaren Bände den heutigen Musikern gänzlich unverständlich, weil er in einer seltsamen und verwickelten Geheimschrift, der Tabulatur verborgen ist, einer Notierungsweise, welche nicht sowohl die musikalischen Töne als vielmehr, wenn es sich um ein Klavierinstrument handelt, die Tasten anzeigt, welche die gewünschten Töne hervorbringen oder, wenn die Musik für Viole oder Laute bestimmt ist, die Saiten und die Stellen, welche die greifenden Finger berühren sollen.“ (Lpz. 1902) oder die vieldiskutierte Ausgabe des Tabulaturbuchs von Luys Milan durch Leo Schrade (Lpz. 1927).

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Laureate Series: Kyuhee Park

Laureate Series – GuitarKyuhee Park CD
2012 Winner „Alhambra Guitar Competition“
Kyuhee Park
Werke von Scarlatti, Diabelli, Berkeley, Malats, Barrios und López
Aufgenommen im Februar 2013
NAXOS 8.573225
… von beängstigender Virtuosität …

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Mit einem technischen Feuerwerk beginnt Kyuhee Park: Scarlatti Sonate K. 178 in D-Dur. Glatt, sauber … wie Perlen, die zu einer kostbaren Kette aneinandergereiht sind, schumachern glitzernd die Töne am Hörer vorbei. Danach eine ruhigere Scarlatti-Sonate in Moll (K.32). In ihr entspinnt die Interpretin keine Tragik … aber doch ein hohes Maß an zurückhaltender Gelassenheit und Kontemplation. Schließlich wieder Silvester: (K.14).

Schnelle Passagen sind von beängstigender Virtuosität und sie strahlen eine derartige mechanische Präzision aus, dass einem angst und bange wird … bis man schließlich versteht, was einen da stutzig macht: Kostbare Perlenketten bestehen nie aus gleichgroßen Perlen! Erst das sinnvolle Zusammenfügen unterschiedlicher Größen und auch verschiedener Farbschattierungen macht sie zu „Kunstwerken“. Ähnlich entstehen in der Musik erst durch das Aneinanderreihen unterschiedlicher Elemente spannungsgeladene Gefüge. Leider sind aber Klangfarben und auch dynamisches Differenzieren nicht unbedingt Kyuhee Parks Ding. Sie scheint sich – vor allem in schnellen Passagen – darum zu bemühen, möglichst unfallfrei durchzukommen, und das gelingt ihr in Perfektion.

Es folgt Julian Breams Bearbeitung der Diabelli-Sonate A-Dur. Dieses Werk ist uns, wie wir wissen, nicht so und in dieser Zusammenstellung von Diabelli überliefert. Es ist eine Melange, die Bream aus Sätzen zweier unterschiedlicher Sonaten angefertigt hat. Alles ist von Diabelli, aber zusammengewachsen (worden) als etwas, das nie zusammengehört hat. Warum hat Bream das gemacht? Er war der Ansicht, dass Diabelli zwar gut für Gitarre geschrieben hat, dass seine Sonaten aber, was ihren kompositorischen Gehalt angeht, nicht gleichwertig sind. Also hat er das seiner Meinung nach Beste aus zwei Sonaten (einer in F- und einer in A-dur) zu einer neuen, eigenen Sonate (in A-Dur) zusammengefügt. Das würde man heute nicht mehr machen, Bream jedoch ging damals mit dem Stück auf Tournee. Seine Schallplattenaufnahme der Sonate entstand 1969, seine Ausgabe erschien im gleichen Jahr bei Faber & Faber (F0295) … und tatsächlich wusste zunächst niemand, dass es eine Art Pasticcio war, das Bream da zum Besten gab.

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The Andrés Segovia Archive

Fritz Buek Andres Segovia

Andrés Segovia (Portrait von Fritz Buek, 1920er Jahre)

The Andrés Segovia Archive
Complete Guitar Music written for Andrés Segovia
Ermanno Brignolo, Gitarre; Orchestra del Conservatorio di Alessandria
Werke von Arregui, Berkeley, de Bréville, Castelnuovo-Tedesco, Cassadó, Collet, Company, Desderi, Ferroud, Fornerod, Frazzi, Gilardino, Haug, Holguín, Laparra, Manén, Martelli, Mompou, Moreno-Torroba, Moulaert, Pahissa, Petit, Peyrot, Presti, Sangiacomo, Sanjuán, Padre Donostia, Scott, Strasfogel, Tansman
Aufgenommen Mai 2011 bis März 2013, erschienen am 1. September 2013
Brilliant Classics [7 CDs] 9427
… eine sensationelle CD-Produktion! …

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Dies ist, um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, eine sensationelle CD-Produktion! Die Idee, die hinter ihr steht, ist nicht, die Stücke erneut aufzunehmen, die Maestro Segovia (1893—1987) gespielt und berühmt gemacht hat, sondern die, die zwar für Segovia geschrieben und ihm gewidmet sind, die er aber – aus welchem Grund auch immer –  links liegen ließ und niemals öffentlich spielte oder für die Schallplatte aufnahm.

Die Geschichte, wie die zahlreichen unbekannten Werke ans Tageslicht gekommen sind, erzählt Brignolo in seinem – für meine Begriffe übrigens viel zu knapp gehaltenen – Booklet-Text. Angelo Gilardino, einer von Brignolos Lehrern, ist 1997 durch die Marquesa de Solobreña, Segovias Witwe, zum Leiter der Andrés-Segovia-Stiftung in Linares, ernannt worden. Dort wurde er in die Lage versetzt, die Hinterlassenschaften des weltberühmten Künstlers zu untersuchen … darunter musikalische Manuskripte und Korrespondenz mit Komponisten. Bei Betrachtung dieser Archivalien wurde schnell klar, welcher Fundus an erstklassigen Kompositionen da auf eine Veröffentlichung wartete und Angelo Gilardino wurde schnell mit dem Musikverlag Edizioni Musicali Bèrben in Ancona einig, dass dort die Werke aus dem Segovia-Nachlass erscheinen sollten. Die vorliegende CD-Produktion ist die klingende Dokumentation des Segovia-Erbes, der Pflichtteil sozusagen, der den hinterbliebenen Gitarristen und Musikfreunden zusteht. Von einigen Kompositionen wissen wir seit einiger Zeit – dazu gehören die „Quatre Pièces Brèves“ von Frank Martin. Sie sind aber nicht in die Sammlung von Ermanno Brignolo aufgenommen worden. Diese enthält nämlich ausschließlich Kompositionen, die:

CD Brilliant Segovia Archive

  • Segovia gewidmet sind, die er aber nie gespielt oder veröffentlicht hat und die aus diesem Grund unbekannt geblieben sind;
  • Segovia zwar gespielt und auch eingespielt, die er aber vorher weitreichend modifiziert hat. In diese Gruppe gehören Stücke von Mario Castelnuovo-Tedesco, Juan Manén und Federico Mompou
  • erst in jüngerer Zeit geschrieben wurden und auf Sogovia Bezug nehmen. In diese Gruppe gehören einige  wenige Kompositionen von Angelo Gilardino und Alvaro Company.

Was die dargestellten Kompositionen angeht, könnte ich jetzt die eine oder andere herausheben, die eine oder andere vielleicht auch mit besonderer Betonung … aber allein die Reihe der Komponistennamen sollte Nachweis genug sein, dass es sich bei den Stücken um wertvolle Beiträge zum Gitarrenrepertoire des zwanzigsten Jahrhunderts handelt. Beispiele:

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Pepe Romero: Spanish Nights

CD Pepe RomeroPepe Romero: Spanish Nights
Werke von Moreno Torroba, Rodrigo, Celedonio Romero und Turina
Aufgenommen im Dezember 2010, erschienen 2012
Deutsche Grammophon 479 0073
… perfekte Balance …

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Nein, dies ist keine Wiederveröffentlichung älterer Aufnahmen. Es ist eine nagelneue Produktion! Alle Stücke der neuen CD, bis auf die „Suite Madrileña Nº 1“ von Papa Celedonio Romero, hat Pepe Romero schon anderswo verbraten, nur nicht, und jetzt kommt die Überraschung, bei der Deutschen Grammophon! Pepe Romero hat das Label gewechselt.

Hat er das wirklich? Pepe und die „Los Romeros“ standen immer schon bei PHILIPS unter Vertrag. Viele LPs und viele CDs sind da erschienen. Nur Angel Romero war anders. Als Mitglied des Quartetts hat er bei PHILIPS aufgenommen, als Solist stand er bei EMI (oder der amerikanischen ANGEL, einer EMI-Tochter) unter Vertrag. Als dann 1962 Philips Phonographische Industrie und die Deutsche Grammophon in einer gemeinsamen neuen Firma namens Gramophon Philips Group zusammenkamen, die später (1967) Phonogram International hieß und danach (1972) Polygram, war es fast zu erwarten, dass das Unternehmen später zusammen mit etlichen anderen in Universal Music aufgehen würde, dem größten der Major-Labels. Universal Music ist seitdem das weltweit größte Unternehmen der Musikbranche – neben Sony Music und der Warner Music Group. Pepe Romero hat also keineswegs das Label gewechselt, er ist innerhalb  eines Unternehmens weitergereicht worden … und im Werbetext der CD heißt es dann: „his [Pepe Romeros] first album for Deutsche Grammophon.“

Celedonio Romero

Celedonio Romero. [Foto © Gitarre & Laute, Köln]

Die CD enthält zwei Werke von Federico Moreno Torroba (die „Sonatina“ und „Nocturno“), „Tres Piezas Españolas“ von Rodrigo, „Sevillana“ von Joaquín Turina und die schon erwähnte „Suite Madrileña Nº 1“ von Celedonio Romero. Zusammen soll dies „a highly personal musical recreation of the Spain he knew in his youth“ sein.

Am 8. März 1944 wurde Romero in Málaga geboren (er wird also im nächsten Jahr siebzig Jahre alt!), 1957 ist seine Familie in die USA emigriert. Da war er dreizehn Jahre alt! Und doch, trotz seines damals jugendlichen Alters, hat er eine enorm lebendige Erinnerung an sein Heimatland Spanien: „Damals gab es noch Pferdefuhrwerke anstelle der heutigen Taxis, Verkäufer priesen ihre Waren mit Liedern an und waren in Blumendüfte eingehüllt, und die Träume von Freiheit und Frieden fanden ihren Ausdruck in den (wenn auch verbotenen) Künsten. Dieses Bild von Spanien, das ich 1957 verließ, hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt.“ [Booklet] 1957, als die Romeros Spanien verließen, war der Spanische Bürgerkrieg vorüber, auch der Zweite Weltkrieg … aber die Diktatur Francisco Francos sollte noch bis zum Tod des Generalísimo im Jahr 1975 andauern.

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Musikinstrumente im Dorotheum:
Ergebnisse

Mandoline kleinAm 27. November 2013 haben wir auf eine Auktion von Musikinstrumenten hingewiesen, die inzwischen am 20. Dezember im Wiener Dorotheum stattgefunden hat. Wir sind in diesem Zusammenhang auf einige Instrumente näher eingegangen, die entweder als besonders interessant oder hochpreisig eingeschätzt worden sind … oder einem Klientel entsprachen, das sich besonders für Zupfinstrumente wie Gitarren, Lauten oder Mandolinen interessiert.

Die mittlerweile veröffentlichte Ergebnisliste offenbart ein für das Auktionshaus negatives – für eventuelle Käufer eher erfreuliches Ergebnis! Keines der erwähnten Instrumente hat entweder den vom Verkäufer festgelegten Mindestpreis erreicht oder überhaupt einen Interessenten gefunden. Das heißt, dass sich die Besitzer der Musikinstrumente nun endgültig entscheiden, ihre Besitztümer nicht zu verkaufen, weil es sich nicht lohnt … oder dass sie sie bei einer folgenden Auktion zu einem geringeren Preis anbieten. Man wird sehen!

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Dieter Silvan Weiss:
Gitarrenmusik der Deutschen Romantik

Eduard Bayer am Stativ

Eduard Bayer sen. Foto: Leipziger Illustrierte Zeitung 1850

Dieter Silvan Weiss: Gitarrenmusik der Deutschen Romantik
Werke von Adam Darr, Eduard Beyer und Heinrich Albert
Aufgenommen 2013
VITULA MUSIK 4020796449544
 … im Namen des Herrn Jesus …

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Dass diese CD nichts anderes als „Romantische Musik“ enthalten kann, sieht man! Junger Mann in weißem Hemd mit Fliege; dunklem, mit Samt oder Seide abgesetztem Anzug und gen Himmel abschweifendem Blick; eine Gitarre umarmend … Schöne Müllerin oder Winterreise? Nein, es geht um Gitarrenmusik der deutschen Romantik. Und welche Komponisten fallen einem da ein? Richtig: Darr, Bayer und Albert. Keine wirklich großen Namen, aber bekanntere gibt’s nicht!

Dieter Silvan Weiss CDDie zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war nämlich, was die Gitarre angeht, eine Zeit der Entbehrungen. Das Instrument hatte eine Blütezeit zu Beginn des Jahrhunderts durchlebt, war dann aber in Vergessenheit geraten und damit ging die musikalische Romantik an dem „romantischsten aller Musikinstrumente“ vorbei – in diesem Tonfall jedenfalls klagen Gitarrenfreunde seitdem. Der erwartete Katalog unsterblicher Gitarrenwerke der Deutschen Romantik blieb jedenfalls aus.

Werke einiger Kleinmeister sind uns überliefert – unter anderem die von Adam Darr (1811—1866), von denen die meisten erst postum durch die „Freie Vereinigung zur Förderung guter Guitaremusik“ in Augsburg herausgegeben worden sind. Dieter Silvan Weiß spielt eine Sonate, deren drei Sätze 1908 dort erschienen sind (V/1908/Nº 3—5), über vierzig Jahre nach dem Tod des Komponisten.

Die Sonate (Allegro moderato – Andante religioso – Rondino/Allegro scherzando) ist eher vorsichtig geschrieben, konservativ … und doch den Standard der Zeit der „Wiener Klassik“ (mindestens der „Gitarrenklassik“) hinter sich lassend. Darr hat harmonisch kühner gedacht und gehandelt, als seine vermutlichen Vorbilder und er hat formal größere Bögen bevorzugt. Man bedenke, dass, als er mit 18 Jahren eine Art Karriere mit der Gitarre begann, die große Zeit dieses Instruments eigentlich schon vorüber war. Nur hatten sich das Komponieren und der Musikgeschmack geändert.

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Gitarrenmusik der Deutschen Romantik
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Heike Matthiesen traut sich was!

Matthiesen_Serenade_CD[Revidierte Fassung vom 13. Dezember 2013]

Heike Matthiesen: Serenade
Werke von Mertz, Tárrega, Diabelli, Kreutzer, Molitor, Bobrowicz, Ferrer
Aufgenommen im Juni 2012, erschienen 2013
CSM Y 1312-C30, 2013
… Heike Matthiesen traut sich was! …

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Heike Matthiesen traut sich was! Da legt sie ihre dritte Soloplatte vor und die ist voll mit Stücken, die als Salonmusik, als Spielmaterial für Amateurgitarristen ausgewiesen sind. Wir hören Fantasien und Variationen über populäre Themen aus ebensolchen Opern; Transkriptionen von Klavierwerken wie etwa der „Grande Sonate Pathétique“ von Beethoven; am Schluss gar das Loreleylied nach einem Text von Heinrich Heine … natürlich rein instrumental:

Ich weiß nicht was soll es bedeuten
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Alle Stücke, die Heike Matthiesen spielt, sind damals, im 19. Jahrhundert, so populär gewesen, dass sie in gedruckter Form herausgekommen und uns so überliefert sind. Die älteren stammen von Gitarristen der sog. Wiener Schule:  Simon Molitor (1766—1848), Anton Diabelli (1781—1858) oder Johann Kaspar Mertz (1806—1856), die jüngeren aus dem Umfeld des Gitarristen und Komponisten  Francisco Tárrega. Gekauft wurden die Ausgaben von musikinteressierten Bürgern, die Musik, die ihnen gefiel, für sich und keineswegs öffentlich (nach-) spielen wollten … allenfalls im eigenen Salon mit vielleicht einer Handvoll Zuhörern. Die Arrangements durften nicht allzu schwer sein und mussten die beherrschenden Themen der ursprünglichen Kompositionen enthalten oder sich sogar auf sie beschränken.

Spielmaterial dieser Art war populär – das schließen wir aus der beträchtlichen Zahl an Ausgaben, die bei den Verlagen herauskam. Bis 1850 erschienen im Wesentlichen Paraphrasen, Fantasien und Variationen auf „klassische“ Themen – Tárrega und seine Epigonen brachten dann fast nur noch 1:1-Transkriptionen heraus, oft nicht einmal mit präzisen Angaben über die „eigentlichen“ Komponisten. Nach diesem Muster erscheint auch im Programm der neuen Matthiesen-CD das Adagio cantabile aus Beethovens „Sonate Pathétique“ eher unter Tárrega als unter Beethoven.

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Giuliani für Flöte und Gitarre

Giuliani Floete Gitarre CDMauro Giuliani: Complete Original Works for Flute & Guitar
Mikael Helasvuo (Flöte) – Jukka Savijoki (Gitarre)
Aufgenommen im Juli 1988, erschienen 2013
BIS-9045, im Vertrieb von Klassik Center Kassel
… höchst unterhaltend …

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Diese Aufnahme ist vor 25 Jahren entstanden und doch ist sie noch auf dem Stand der Dinge … wenn man den freilich güldenen, klaren Klang der Miyazawa Flöte aus 14 Karat Gold dem einer hölzernen Traversflöte, wie sie zu Giulianis Zeit in Gebrauch war, vorzieht. Die Frage nämlich, warum die Querflöte, die (heute) aus Metall ist, in der Instrumentenkunde und im Orchester zu den Holzblasinstrumenten gezählt wird, ist nur über Umwege zu beantworten. Sie war tatsächlich aus Holz, bis Theobald Böhm (1794—1881) sie reformierte und, als gelernter Goldschmied, ab sofort aus Gold und anderen Edelmetallen herstellte. So, als Holzblasinstrument aus Metall, wird die Querflöte heute benutzt.

Im Umfang der Erforschung der historischen Aufführungspraxis wird allerdings auch die Flute Traversière wieder gebaut und gespielt, die ursprüngliche Querflöte aus Holz. Sie ist leiser, klingt weicher und differenzierter als ihre metallene Nachfolgerin. Wie bei etlichen anderen Musikinstrumenten, unter anderem auch der Gitarre, war gegen 1800 die Forderung nach lauteren Instrumenten immer drängender geworden. Die gesellschaftlichen Umwälzungen nach 1789 hatten dieses Bedürfnis mit sich gebracht – Immer mehr Zuhörer mussten mit der Musik erreicht werden, immer größere Säle bespielt.

Beide, Mikael Helasvuo und Jukka Savijoki spielen auf modernen Instrumenten, von denen die Flöte und ihr Hersteller schon namentlich gewürdigt sind. Die Gitarre ist, um dem Gebot der Gleichbehandlung Genüge zu tun, von Daniel Friederich.

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Llobet & Tampalini

Anido Llobet

Maria Luisa Anido und Miguel Lobet beim Unterricht in Buenos Aires. Foto: ca. 1922

Llobet: Complete Guitar Music
Giulio Tampalini
Aufgenommen im Mai 2012, erschienenen 2013
BRILLIANT Classics 94335
… Kurzatmigkeit gelegentlich als gewolltes Stilmittel …

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Es ist himmlisch, wie Miguel Llobet (1878—1938) die Gitarre in Szene setzen konnte! Die dreizehn katalanischen Volkslieder, mit denen Giulio Tampalini sein Programm eröffnet, sind „nur“ Llobets Arrangements, das musikalische Material hat vorgelegen, als er sie schrieb. Aber er ließ die Gitarre in seinen Arrangements und seinen Kompositionen singen. Er zelebrierte das Legato, das bekanntlich eigentlich nicht ihr Ding ist. Der Gitarre mit ihrer angeborenen Einsilbigkeit muss geschmeichelt werden, sie muss wahr- und ernstgenommen werden, sonst spreizt sie sich, sonst gibt sie zwar Töne, aber keine Melodien von sich. Jeder, der sich je mit diesem Instrument befasst hat, weiß das … aber nicht jeder findet den Schlüssel, um an die Seele der Gitarre zu kommen.

CD Llobet TampaliniLlobet hatte ihn, den Schlüssel! Seine Bearbeitungen von Klavierwerken von Isaac Albéniz oder Enrique Granados für Gitarre oder Gitarrenduo zum Beispiel waren legendär. Sie werden noch heute von internationalen Künstlern bevorzugt – für Aufführungen oder als Vorlagen für „eigene Bearbeitungen“. Llobets Transkriptionen passen einfach! Sie nutzen die Partien des Griffbretts, welche die gewünschten Klangfarben bieten, sie machen die Stücke nicht leichter, aber sie machen sie – ohne tiefere Einschnitte in die Substanz der Musik zu tolerieren und ohne klangliche Einbußen – spielbar.

Natürlich ist Llobets kompositorische Leistung bei den „Canciones Catalanas“ größer als bei Transkriptionen und wahrscheinlich ist es auch angemessen, sie als Originalkompositionen und nicht als Arrangements zu werten. Immerhin hat Llobet bei der Niederschrift nur die Melodie zur Verfügung gestanden –  Hamonisierung, formale Gestaltung und Instrumentierung sind sein Werk. „Canço de Lladre”, „El noi de la Mare“ oder „El testamen d’Amelia“ und die anderen Lieder gehören fest ins heutige Konzertepertoire.

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Musikinstrumente im Dorotheum

gitarre kleinMandoline kleinDas Wiener Dorotheum besteht seit 1707 und ist das größte Auktionshaus in Mitteleuropa, das größte im deutschsprachigen Raum und eines der führenden der Welt. Kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember 2013, werden wieder einmal Musikinstrumente versteigert.

Zahlreiche Streichinstrumente und Bögen stehen zum Verkauf, darunter eine Violine von Andrea Guarneri mit einem Schätzpreis von € 160.000—200.000 und eine Francesco Goffriller für geschätzte 60.000—80.000 Euro. Es folgen Blech- und Holzblasinstrumente unterschiedlicher Art, ein zweimanualiges Zuckermann-Cembalo von 1982 (10.000—12.000 €)  einige Harmonikainstrumente, darunter mehrere Bandoneons, und schließlich Zupfinstrumente.

Eine Wiener Gitarre von Johann Rudert von 1815 (s. Foto) wird auf € 1.600—2.000 geschätzt, eine Wappengitarre von Ludwig Reisinger (Wien ca. 1890) auf € 1.400—1.600 und schließlich eine „besonders feine Meistermandoline/Mandolina Lombarda” (s. Foto) von Wolfgang Früh aus dem Jahr 1995 auf 5.000—6.000 €. Weitere Zupfinstrumente können über den Online-Katalog begutachtet werden oder zwischen dem 14. und 20. Dezember 2013 im Auktionshaus in Wien.

Als Kuriosum steht noch ein Gebinde von 28 Pianola-Rollen mit klassischer Musik im Katalog. Schätzpreis: € 500—600.

Wie bei allen Auktionen ist auch im Dorotheum eine Gebühr zu bezahlen, die sich am Hammerpreis orientiert. Sie beträgt: bis € 10.000 25%, bis € 100.000 22% und über € 100.000 15%.

Dorotheum GmbH & Co KG
Dorotheergasse 17
A-1010 Wien
FON: 0043-1-515 60-0

FAX: 0043-1-515-60-443
www.dorotheum.at
client.services@dorotheum.at

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