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Silvius Leopold Weiss: Sämtliche Werke für Laute, Bde. 1—8

Von Peter Päffgen

Silvius Leopold Weiss, Kupferstich von Bartolomeo Folin nach einem Gemälde von Balthasar Denner (verschollen)

Zu Silvius Leopold Weiss’ Lebzeiten (1686—1750) hatte die Laute es zunehmend schwerer, sich im Musikleben zu behaupten. Der scharfzüngige Johann Mattheson (1681—1764) veröffentlichte 1713 seine vielzitierten Attacken gegen das Instrument: „Die schmeichlenden [sic] Lauten haben würcklich in der Welt mehr Partisans als sie meritiren …“ und gegen die Musiker, die sich seiner bedienten: „und ihre Professores sind so unglücklich / dass wenn sie nur nach der Wienerischen Art / oder nach der Parisischen Mannier ein paar Allemanden daher kratzen können / sie nach der reellen Musicalischen Wissenschaft nicht ein Härchen fragen / sondern sich mit ihrer Pauvreté recht viel wissen. Etliche haben wol gar die Suffisance und geben sich vor Compositeurs aus / da sie doch wahrhafftig nicht gelernt haben / was Con- und Dissonanz sey.“ [Das Neu=Eröffnete Orchestre, Hamburg 1713, S. 274—275]

Mattheson forderte mit seinen Angriffen den jungen Candidatus Juris Ernst Gottlieb Baron (1696—1760) heraus, der das Instrument verteidigte. Seine Schrift „Historisch=Theoretisch und Practische Untersuchung des Instruments der Lauten“ (Nürnberg 1727) ist eine einzige Apologie, die allerdings keinen anhaltenden Erfolg zeitigen sollte. Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war eine Zeit ständig nachlassenden Interesses an der Laute und 1802 stand in Heinrich Christoph Kochs „Musikalischem Lexikon“: „Laute, ital. Liuto. Dieses ehedem so beliebte Instrument, welches für das angenehmste unter den Saiteninstrumenten gehalten wurde, scheint seit geraumer Zeit in Vergessenheit zu sinken.“ [Berlin 1802, Sp. 891] Continue reading Silvius Leopold Weiss: Sämtliche Werke für Laute, Bde. 1—8

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Gustav Mahler 150 Jahre —
»Fünfte« mit Markus Stenz und
Kölner Gürzenich-Orchester

«Von Peter Päffgen

Gustav Mahler: Symphonie Nº 5
Gürzenich-Orchester, Köln; Markus Stenz
Aufgenommen im Januar 2009, erschienen 2009
OEHMS-Classics OC 650

Dass Gustav Mahler, der heute vor 150 Jahren in Kalischt in Böhmen geboren wurde, Köln besonders geschätzt hat, erfüllt heute vermutlich die Kölner mit Stolz. Auf einem Briefbogen des Dom-Hotels, wo er anlässlich der Uraufführung seiner fünften Symphonie am 18. Oktober 1904 logierte, schrieb er an Alma, die aus gesundheitlichen Gründen in Wien geblieben war: „Vielleicht habe ich hier in Köln eine künstlerische Heimat gefunden“. Das Orchester, die „Concert-Gesellschaft, Köln“ fand er „entzückend“, die Arbeit „eine wahre Freude“. Inzwischen heißt das Orchester Gürzenich Orchester und es ist unter ihrem GMD Markus Stenz dabei, alle Symphonien Mahlers einzuspielen — für das unabhängige Label OEHMS.

Mit der Fünften haben sie begonnen, mit der Fünften, von der der Komponist schon 1904, vor der Uraufführung, angenommen hatte, er würde das Publikum mit ihr überfordern. Der Rhein, so meinte Mahler, bliebe sicher „der einzige Kölner, der nach der Premiere ruhig seinen Weg weiter nehmen wird, ohne mich für ein Monstrum zu erklären“. Aber schon nach der Premiere war das Werk, vom Kölner Publikum mindestens, wohlwollend aufgenommen worden. Nicht einmal die Presse verriss es … Mahler war gerettet!

War er zu retten? Gustav Mahler war ein Grübler und Zweifler, einer, der mit dem Material kämpfte und doch in ein musikalisch-tonales System eingebunden war, dessen Grenzen er respektierte und gleichzeitig in Frage stellte. Aber dieses Ringen um einen neuen, weil eigenen Stil müssen alle ernsthaften Künstler bestehen. Das Vortasten in neue Welten bringt vorher nie Gedachtes zutage und nie Gehörtes. “Aktuell ist Mahler […] als Korrektiv des gegenwärtigen Standards von Musik. Sein œuvre enthält Dimensionen, die in jenem Fortschritt nicht aufgehen, den er, ohne den Schönberg, Berg und Webern nicht zu denken wären, mitinaugurieren half“ schrieb Adorno anlässlich Mahlers hundertstem Geburtstag vor fünfzig Jahren und auch schrieb er: „Der Nötigung zur Organisation der Form hat Mahler so wenig sich entzogen wie irgendein konstruktivistischer Komponist nach ihm.Continue reading Gustav Mahler 150 Jahre —
»Fünfte« mit Markus Stenz und
Kölner Gürzenich-Orchester

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Django auf CD

Von Peter Päffgen

Django Reinhardt, Djangology Vol. 1. 1934—1935, NAXOS-Jazz [Naxos.com] 8.120515
Vol. 2. 1938—1939: Classic recordings by the “Quintette du Hot Club de France”, NAXOS-Jazz 8.120575
Vol. 3. 1936—1937:  Classic recordings by the “Quintette du Hot Club de France”, NAXOS-Jazz 8.120686
Vol. 4. 1937: Classic recordings by the “Quintette du Hot Club de France”: Swingin’ with Django, NAXOS-Jazz 8.120698
Vol. 5. 1938—1939: Classic recordings by the “Quintette du Hot Club de France”: H. C. Q. Strout, NAXOS-Jazz 8.120707
Vol. 6. 1940: Classic Recordings by Django’s Music and “Quintette du Hot Club de France”, NAXOS-Jazz 120726
Vol. 7. 1935—1937: Classic Recordings: Americans in Paris, Part One, NAXOS-Jazz 8.120734
Vol. 8. 1938—1945: Classic Recordings: Americans in Paris, Part Two, NAXOS-Jazz 8.120740
Vol. 9. 1933—1941: Classic Recordings: Django Reinhardt with Vocals Featuring Jean Sablon, Germaine Sablon, Hildegarde, Jerry Mengo, Charles Trenet, Beryl Davis, Freddy Taylor, NAXOS-Jazz 8.120821
Vol. 10. 1940—1942: Classic Recordings: Belleville, NAXOS-Jazz 120822

Vor etlichen Jahren – 1998, um genau zu sein – saß ich in einem Konzertsaal in Tampere in Finnland. Der Saal war nicht mit Stuhlreihen bestückt, sondern mit Tischen und Stühlen. Die Leute hatten etwas zu essen vor sich und auf jedem Tisch standen Weinflaschen. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete, schließlich kam ich unmittelbar vom Flughafen und hatte gerade meinen Koffer im Hotel untergestellt und noch keine Gelegenheit gehabt, in ein Programmheft zu schauen. Continue reading Django auf CD

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Django zum Hundertsten

Von Dr. Dietrich Schulz-Köhn

Gemeint ist natürlich Django Reinhardt, wie es sich für eine Gitarren- und Lautenzeitschrift geziemt … Wenn ich an meiner Schreibmaschine sitze und über eine Formulierung nachdenke, fällt mein Blick auf eine kleine Gitarre aus Sperrholz anderthalb Meter vor mit an der Wand. Sie ist nicht größer als eine Hand, von der Handwurzel bis zur Spitze des Mittelfingers. Für mich ist sie mehr als ein Souvenir, sie ist eine Art „Reliquie“. Denn sie war die „Eintrittskarte“ zur Wiedereröffnung des „Clubs St. Germain-des-Prés“ in Paris im Mai 1953. Für die Vernissage des Clubs, für seine Wiedereröffnung, hatte man statt gedruckter Einladungen diese kleine Gitarre ausgehändigt, was ich sehr sinnvoll fand, denn Django konnte ja weder lesen noch schreiben. Es war das letzt Mal, dass ich ihn sah und hörte, denn Django starb am 16. Mai 1953 – also vor dreißig Jahren – mit nur 43 Jahren.

Von all den Jazzmusikern, die mir im Lauf meines Lebens begegnet sind, von Armstrong zu Ellington, von Benny Carter zu Red Norvo und Stan Kenton, habe ich mich Django Reinhardt immer besonders verbunden gefühlt. Das begann im März 1935, als ich in der gerade ins Leben gerufenen französischen Zeitschrift „Jazz Hot“ las, dass im Dezember 1934 ein Quintett mit dem Gitarristen Django Reinhardt und dem Geiger Stéphane Grappelli vier Titel für die Marke „Ultraphone“ eingespielt hatten. Die Kritik war so enthusiastisch, dass ich, jung wie ich war, eine „Attacke“ ritt. Ich studierte damals in Königsberg/Pr. und traf beim Mittagstisch öfter einen Elsässer, der im Französischen Generalkonsulat arbeitete. Jung, so hieß er, versprach mir zu helfen. Und bald danach hielt ich die vier Schellackplatten in Händen – ein Kurier hatte sie gebracht. Natürlich nicht meinetwegen, aber immerhin. Der Kurier, ein Feldwebel a. D., fuhr einmal in der Woche von Paris über Brüssel, Amsterdam, Berlin, Danzig, Königsberg, Litauen, Lettland und Estland bis Leningrad, überall diplomatische bzw. konsularische Post in den Städten aus seinem Abteil reichend und umgekehrt genauso. Seitdem hat Django Reinhardt quasi meinen Lebensweg begleitet.  Man muss sich vorstellen, was das bedeutete, 1934 im Nazi-Deutschland an ein paar „heiße Scheiben“ zu kommen. Denn einen Geldtransfer gab es nicht; man durfte im Monat zehn Reichsmark ins Ausland überweisen, und die wurden in den Pass eingetragen …! Continue reading Django zum Hundertsten

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Heike Matthiesen bei DeutzKultur

Von Peter Päffgen
Foto: © 2010 by Nils Harder [Nils-Harder.de]

Deutz liegt auf der „Schäl Sick“, der rechtsrheinischen Seite Kölns. Wie Kalk und Mühlheim. Schon im dritten Jahrhundert bauten die Römer hier eine Brücke über den Rhein, um Truppen schneller über den Fluss bringen zu können, aber auch um Handelswege einzurichten. Wie sie das gemacht haben, wissen wir von Caesar (De Bello Gallico 4,16—4,19). Hundert Jahre später wurde die Römerbrücke abgerissen, danach gab es rund 1400 Jahre bei Köln keinen festen Rheinübergang … vermutlich, weil die Germanen kein Latein kannten.

Später, im neunzehnten Jahrhundert, wurde dann auf der „Schäl Sick“ das Geld verdient. Nicolaus August Otto, Erfinder des gleichnamigen Motors, gründete 1864 die erste Motorenfabrik der Welt (spätere Deutz AG), die wenig später zu einem Weltunternehmen heranwachsen sollte, in Mühlheim entwickelte sich die kleine Seilerei Felten & Guilleaume zu einem bedeutenden Unternehmen, das Kabel aller Art herstellte, unter anderem die Überseekabel für Telegrafen- und Telefondienste.

Mehrere Rheinbrücken verbanden bald die rechts- und die linksrheinischen Städte Köln und Deutz bzw. Mühlheim und so verwundert es nicht, dass das größere Köln bald die prosperierenden rechtsrheinischen Nachbarn eingemeindete – nicht immer mit völliger Zustimmung der Bürger der „Schäl Sick“. Aber dort wurde, wie gesagt, das Geld verdient. Deutz hieß nach 1888 Köln-Deutz, Mühlheim ab 1914 Köln-Mühlheim. Continue reading Heike Matthiesen bei DeutzKultur

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Rosen und Revolutionen: Jens Rosteck über Hans Werner Henze

Von Peter Päffgen

Jens Rosteck, Hans Werner Henze: Rosen und Revolutionen. Die Biographie. Berlin 2009, Propyläen [Propyläen] [ISBN 978-3-549-07350-6], € 26,95

Hans Werner Henze wurde am 1. Juli 1926 in Gütersloh geboren. 2006 ist er also achtzig Jahre alt geworden und im nächsten Jahr, 2011, wird er fünfundachtzig. Einer dieser stattlichen Geburtstage war vermutlich Anlass für die vorliegende ebenso stattliche Biographie, wenn nicht überhaupt die Tatsache, dass über diesen „großen Komponisten […] eine der wichtigsten und international angesehensten Musikerpersönlichkeiten der Gegenwart“ [Klappentext] bisher (mindestens in deutscher Sprache) vergleichsweise wenig (biographisches) veröffentlicht wurde.

Hans Werner Henze war zeit seines Lebens eine sperrige und streitbare Persönlichkeit, sein Werk hat in keine Schublade gepasst und er war in heftige Skandale verstrickt, was ihn für verschiedene Publizisten interessant, für andere aber zur persona non grata machte. Weder ist Literatur zu Henzes Biographie erschienen, noch umfängliche Werkbetrachtungen oder überhaupt ein (offizielles) Werkverzeichnis. So nennt Jens Rosteck (jensrosteck.de) sein Buch auch selbstbewusst „Die Biographie“: Es gibt keine andere!

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Hans Werner Henzes Gitarrenmusik als Spiegel seiner Musikästhetik

1990 und 1991 erschienen in Gitarre & Laute vier Folgen eines Beitrags von Matthias Kläger, in denen es um Hans Werner Henzes Gitarrenmusik ging. Jetzt, über zwanzig Jahre später, sind diese Zeitschriften nur noch in Bibliotheken einzusehen, wir wollen aber allen die Chance geben, diese wichtigen Texte weiterhin lesen zu können. Hier sind die Artikel als PDF.

Matthias Kläger, Hans Werner Henzes Gitarrenmusik als Spiegel seiner Musikästhetik Teil 1, erschienen in Gitarre & Laute XXII/1990, Nº 5
Matthias Kläger, Hans Werner Henzes Gitarrenmusik als Spiegel seiner Musikästhetik Teil 2, erschienen in Gitarre & Laute XXII/1990, Nº 6
Matthias Kläger, Hans Werner Henzes Gitarrenmusik als Spiegel seiner Musikästhetik Teil 3, erschienen in Gitarre & Laute XXIII/1991, Nº 1
Matthias Kläger, Hans Werner Henzes Gitarrenmusik als Spiegel seiner Musikästhetik Teil 4, erschienen in Gitarre & Laute XXIII/1991, Nº 2

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Dieter Kreidler über seine neue Gitarrenschule

Interview, geführt auf der Frankfurter Musikmesse am 27.03.2010
Von Dr. Ludger Kowal-Summek

Foto © 2010 by Konstantinos Zafiriadis; Schott Music, Mainz

Foto: © 2010 by Konstantinos Zafiriadis, Schott Music, Mainz

Was hat Dich überhaupt bewogen, Deine alte, aber doch sehr erfolgreiche Gitarrenschule, die ja aus zwei Bänden und einem Lehrerhandbuch besteht, nach mehr als 30 Jahren zu überarbeiten? Was eigentlich ist es genau, eine Überarbeitung oder eine Neufassung? Wie siehst Du es selbst?

Der Schott Verlag kam vor einigen Jahren auf mich zu mit der Bitte, meine Gitarrenschule zu überarbeiten. Dabei stellte sich mir die Frage, ob eine Revision ausreichen würde oder ob nicht auf Grund heutiger Rahmenbedingungen, den generell veränderten schulischen Lernvoraussetzungen, auch für Schüler an Musikschulen und im Privatunterricht, eine Neufassung sinnvoller wäre.

Nach reiflichen Überlegungen stand für mich fest: der methodisch-didaktische Rahmen muss neu überdacht werden. Aus diesen grundsätzlichen Überlegungen ist dann die Konzeption für eine ganz neue Schule entstanden.

Bist Du wirklich der Meinung, die methodisch-didaktischen Inhalte sind komplett neu oder denkst Du einfach, dass sie sich, z. B. was mir aufgefallen ist, dass sich didaktische Elemente wie z. B. der Daumenanschlag einfach verschoben haben. Warum?

Das ist eine sehr gute Frage. Natürlich musste ich mich damit beschäftigen, ob z.B.  der Wechselschlag als Kerntechnik beim künstlerischen Gitarrenspiel für den Ersteinstieg wirklich so effizient ist.

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33-127 von Peter Ablinger

Von Peter Päffgen

Peter Ablinger [ablinger.mur.at]
33-127 for electric guitar and CD
Seth Josel, [josel.sheerpluck.de] Electric Guitar
Aufgenommen im November 2005, erschienen 2009
Mode Records [moderecords.com], in Deutschland bei Sunny Moon [sunny-moon.com], Köln, mode 206
… einsilbig und sperrig …
*****

Über beide, den Komponisten und den Interpreten dieser CD, muss ich erst etwas sagen. Nicht, weil sie neu im Geschäft wären oder völlig unbekannt, keineswegs! Aber sie gehören nicht in die Szene, aus der normalerweise Neuerscheinungen mit Gitarrenmusik kommen.

Peter Ablinger wurde 1959 in Schwanenstadt in Österreich geboren. Er studierte zunächst Graphik in Linz, danach Jazzklavier an der Musikhochschule Graz und schließlich, von 1979 bis 1982, Komposition privat bei Gösta Neuwirth, und an der Musikhochschule Wien bei Roman Haubenstock-Ramati. Seit 1982 lebt Peter Ablinger als freischaffender Musiker und Komponist in Berlin. Continue reading 33-127 von Peter Ablinger

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Kamill Arturowitsch Frauči (?)

Von Markus Grohen

Über Sascha (Alexander Kamillowitsch) Frauči haben wir am 3. Mai 2010 noch berichtet, weil da eine CD mit älteren Aufnahmen dieses Ausnahme-Gitarristen erschienen war. Heute geht es weniger um Sascha, als vielmehr um Kamill Arturowitsch Frauči, Saschas Vater. Er war sein Lehrer und auch der von Evgeny Finkelstein, Vyacheslav Golikov und von verschiedenen anderen Musikern, die in den letzten Jahren auf sich aufmerksam gemacht haben. Jetzt ist bei Arbat-Film ein Dokumentarfilm herausgekommen, in dem es um diesen ungewöhnlichen Mann geht … der eine ebenso ungewöhnliche Geschichte hat. Sabine Gölz und Oleg Timofeyev haben den Film konzipiert und realisiert. Er ist als DVD bei Arbat-Film erhältlich. Hier ist der Trailer, der auch bei YouTube zu sehen ist:

http://www.youtube.com/watch?v=2D8sBY0_NxQ

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Joaquín Turina im Urtext

Von Peter Päffgen

Joaquín Turina, Obras para Guitarra/Guitar Works, Editado por Marián Álvarez Benito, Madrid u.a. 2009, Schott ED 9540, € 17,95

Fünf Werke hat der spanische Komponist Joaquín Turina (1882—1949) für Gitarre geschrieben. Sevillana op. 29 ist 1923 entstanden und zwar aufgrund einer Anfrage von Andrés Segovia, der das Stück dann am 17. Dezember 1923 in Madrid uraufgeführt hat. Fandanguillo op. 36 ist 1925 entstanden. Andrés Segovia soll dieses Stück im Februar 1932 uraufgeführt haben, neue Forschungen haben aber ergeben, dass Regino Sainz de la Maza es schon vier Jahre vorher in einem Konzert in Madrid gespielt hatte. Die Niederschrift von Ráfaga op. 53 hat Turina am 17. August 1929 begonnen. Wann das Stück vollendet worden ist und wer es wann uraufgeführt hat, ist bisher nicht bekannt. Es ist nicht Andrés Segovia gewidmet.

Die Sonata para Guitarra op. 61 ist Turinas substanziellstes Gitarrenwerk. Geschrieben ist es 1930, Segovia hat es im Januar 1932 in Rom uraufgeführt. Homenaje a Tárrega op. 69 ist das letzte der Gitarrenwerke von Turina. Geschrieben wurde es 1932. Wer es wann uraufgeführt hat, wissen wir nicht. Continue reading Joaquín Turina im Urtext

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Jakob Pick, Fischhändler in Ehrenfeld

Von Stefan Lieser

Selbst, wenn man die Stössel-Laute wieder einführen wollte, es fehlt an den geeigneten Lehrern für das Instrument“ war einer der abschließenden Sätze des Kölner Instrumentenbauers Wilhelm Monke über die Problematik der Renaissance der Stössel-Laute. Ich zitiere ihn in der letzten Ausgabe der Zeitschrift „Gitarre & Laute“. Was Monke allerdings auch sagte „Wenn Jakob Pick noch leben würde, wäre das kein so großes Problem“. Jakob Pick: Ein Kölner Fischhändler, der als der beste Stössel-Lautenspieler galt. Vor gut einem Jahr, am 24. Mai 1984, ist Jakon Pick im Alter von 83 Jahren gestorben. Ein verspäteter Nachruf:

Ich weiß nicht, was ich dem Jungen noch beibringen soll, der  kann doch schon alles“, soll Georg Stössel über den zwanzigjährigen gesagt haben. Tatsächlich war Jakob Pick ein Naturtalent: „Er spielte völlig ohne Noten, fehlerfrei“, erinnert sich Margarethe Will, eine seiner Schülerinnen.

In seinem der Haus- und Volksmusik eng verbundenen Elternhaus erhielt Jakob Pick schon früh Klavierunterricht. Der Vater, Werkzeugmacher bei der Kölner Firma Felten & Guillaume, musste zwar eine Familie mit zwölf Kindern ernähren, deren Ältester Jakob war, aber den Unterricht für den talentierten Sohn finanzierte er trotz aller Probleme. Wie Jakob Pick schließlich zur Stössel-Laute kam, ist wohl eher auf ein Missverständnis zurückzuführen. „Als Junge wollte er eine Gitarre geschenkt haben, die Eltern überreichten ihm aber eine Stössel-Laute“, so die älteste Tochter Jakob Picks, Gertrud Saupp. Die leichte Spielbarkeit des Instruments, verbunden mit dem musikalischen Talent Jakobs, das musste zwangsläufig eine erfolgreiche Mischung ergeben. Schon Anfang der zwanziger Jahre nahm Pick Kontakt zu Stössel auf. Vom Meister selbst wurde er auf den Lauten unterrichtet, mit Sohn Hans-Georg Stössel veröffentlichte er 1928 eine „Stössel-Lauten-Schule“. Continue reading Jakob Pick, Fischhändler in Ehrenfeld

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Neue Kreidler-Schule in drei Bänden

Von Dr. Ludger Kowal-Summek

Dieter Kreidler, Gitarrenschule Band 1. Gitarre spielen mit Spaß und Fantasie, Mainz u.a. 2009, Schott Verlag, Ausgabe ohne CD ED 20351, € 14,95; Ausgabe mit CD ED 20351-50, € 19,95

Dieter Kreidler, Gitarrenschule Band 2. Gitarre spielen mit Spaß und Fantasie, Mainz u.a. 2009, Schott Verlag, Ausgabe ohne CD ED 20352, € 14,95; Ausgabe mit CD ED 20352-50, € 19,95

Dieter Kreidler: Gitarrenschule Band 3. Gitarre spielen mit Spaß und Fantasie, Mainz u.a. 2010, Schott Verlag, Ausgabe ohne CD ED 20581, € 14,95; Ausgabe mit CD ED 20581-50, € 19,95

Der Band1 der neuen Kreidler- Gitarrenschule enthält die Grundlagen zu Melodiespiel (in der II. Lage) und Liedbegleitung sowie erstes Ensemblespiel. Dies macht schon deutlich, dass sich die Gitarrenschule sowohl für den Einzel- als auch für den Gruppenunterricht eignet. Die ersten sechs Seiten der Schule sind gefüllt mit diversen Informationen zu der Gitarre und zu ihrer Haltung. Natürlich gibt es auch hier schon eine Menge zu lernen und auszuprobieren. Alles, was auf dem Weg des Gitarre-spielen-Lernens wichtig ist, wird als ‚Aufgepasst! ‘ oder ‚Schon gewusst? ‘ farbig hervorgehoben. Continue reading Neue Kreidler-Schule in drei Bänden

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Neue CDs Mai 2010

Von Peter Päffgen

Wieder ist es ein Sammelsurium musikalischer Impressionen, das ich Ihnen anbiete. Es beginnt mit Harfenmusik und endet …  Sie werden sehen!

Aranjuez, Concertos and Dances for Harp
Xavier de Maistre [xavierdemaistre.com]
Vienna Radio Symphony Orchestra, Bertrand de Billy
Werke von Rodrigo, Ginastera, Tárrega, Granados
Aufgenommen im Dezember 2009, erschienen 2010
RCA [Sonymasterworks.com] 8869/644462
… ungewohnte Einsichten und höchst beglückende musikalische Erlebnisse! …
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Joaquín Rodrigo hat sein Concierto de Aranjuez selbst für Harfe und Orchester transkribiert und zwar für den baskischen Harfenisten Nicanor Zabaleta (1903—1993). Er, Zabaleta, war für die Harfe so etwas, was Andrés Segovia für die Gitarre war. Er hat seinem Instrument, das eine ebenso strahlende wie bewegte Geschichte hatte, eine neue Zukunft gegeben, eine Zukunft als Soloinstrument. Dafür hat er ein neues Repertoire geschaffen – teils durch Transkriptionen, teils dadurch, dass er bei Komponisten Werke bestellt hat. Ginastera schrieb für ihn, Villa-Lobos, Krenek und viele andere. Wie Segovia hat Zabaleta Meisterkurse an der Accademia Musicale Chigiana geleitet. Continue reading Neue CDs Mai 2010

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Alexandr Kamillowitsch Frauči auf CD

Von Peter Päffgen

Alexandr Kamillowitsch Frauči (1.4.1954—2.6.2008) war einer der Großen der klassischen Gitarre – als Musiker, als Lehrer und auch als jemand, der Mitmenschen für sein Instrument begeistern und einnehmen konnte. Zwei LPs hat er in den Jahren 1977 und 1981 aufgenommen – später auch eine CD, von der ich hier später berichten werde.

Die beiden LPs sind jetzt auf CD wieder veröffentlicht worden:

Alexander Frauchi, guitar
Werke von Bach, Scarlatti, Paganini und Sor

Aufnahmen aus den Jahren 1977 und 1981MELODIYA, in Deutschland bei Codaex [codaex.com], MEL CD 1001671
*****

Frauči war ein Gitarrist der Segovia-Ära. Nicht nur hat er dessen Repertoire gespielt, er hat auch seine Ausgaben benutzt und, wenn man ehrlich ist, war er auch ein wenig durch seine interpretatorischen Marotten beeinflusst. Aber er war nie ein Epigone des großen Spaniers, nie jemand, der dessen Eigenheiten kritiklos kopiert hätte. Alle Interpretationen der Chaconne waren nach Segovia stark von diesem beeinflusst – und sie sind es irgendwie heute noch. Aber Sascha Frauči hat das Werk weitaus weniger romantisiert, als der Spanier. Er schafft es auch, Momente hoher Virtuosität gegen solche völliger Ruhe und regelrecht pastoraler Idylle zu setzen, wie ich es bei keinem anderen Gitarristen bisher erfahren durfte. Das sind Höhepunkte in Fraučis Spiel! Continue reading Alexandr Kamillowitsch Frauči auf CD