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	<title>Kommentare für Gitarre &amp; Laute ONLINE</title>
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	<description>Das Fachjournal … seit 1979</description>
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		<title>Kommentar zu Blühende Fantasie! von Rolf Kohring</title>
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		<dc:creator>Rolf Kohring</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 18:08:08 +0000</pubDate>
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		<description>Als ich vor einem Jahr den Moser’schen Text über die vermeintliche Sor-Fantasie-Fälschung las, erwartete ich eine brillante Entlarvung - und wurde schwer enttäuscht. Außer vermeintlichen Bloßstellungen der Mmlle Houze durch die vierte Widmung in so kurzer Folge und Buchstabenaneinanderreihungen fehlte es an jedweder nachvollziehbaren Argumentation. Ich war daher sehr froh, in G&amp;L mit dem Beitrag von P.Päffgen zu lesen, daß es anderen, berufeneren, ebenso irritierend erging. Schon das Argument mit der Widmung ist seltsam. Warum sind drei Widmungen gut, eine vierte aber eine „Bloßstellung“? Und: wenn das MS etwa um 1830 entstanden ist (so zu lesen im CD-Booklet von Pepe Romero), dann sind doch mindestens zwei Werke mit Widmungen an sie d a n a c h entstanden (und veröffentlicht!), die Fantasie könnte also das erste Widmungswerk dieser Art für N. Houze sein (was erklären würde, daß er hier noch „Schülerin“ schrieb). Und Bloßstellung – vor wem denn? Wenn das MS vom Lehrer direkt und unveröffentlicht an die Schülerin ging, dann wußten (bis zur Wiederentdeckung 160 Jahre später) nur zwei Menschen auf der Welt von dieser Widmung: Sor und Houze. Summa summarum: die breitgetretene Widmungsaffäre ist ein schwaches Argument, das schwächste in eine ohnehin dürftigen Kette. Ähnlich angreifbar sind die anderen von W.Moser vorgetragenen Argumente, die von P.Päffgen diskutiert werden. Ich denke, es gibt aber noch ein Argument, daß weder bei P.Päffgen noch bei W.Moser diskutiert wird und das weniger mit musikwissenschaftlicher Kenntnis, sondern mehr mit dem „gesunden Menschenverstand“ zu tun hat. Ich bin Paläontologe, habe also mit Fossilien zu tun, und weil diese kommerziellen Wert haben können, sind sie leider auch Gegenstand von Fälschungen. Wenn man sich damit etwas beschäftigt (und das hab ich), dann kommt man zu folgender Erkenntnis: Es gibt bei Fälschungen immer ein bestimmtes Verhältnis zwischen dem AUFWAND, die Fälschung anzufertigen (finanziell, logistisch, materiell, Aneignung von Fähigkeiten etc.) und dem ERTRAG, den man bekommen kann (jedenfalls wenn es um kommerzielle Aspekte geht und nicht um ideelle, etwa wenn man jemanden schaden will, aber letzteres dürfte hier wohl entfallen). Dabei gilt die einfache Regel: je größer der Aufwand, desto größer der Ertrag. Da Fälschungen aber ein Verbrechen sind, gibt es Methoden, diese zu entlarven, und die sind inzwischen so ausgefeilt, daß es immer schwerer wird, „echte“ Fälschungen anzufertigen. Nicht erst seit der Konrad Kujau’schen Hitlertagebuch-Affäre (1983) wissen wir, daß es solche Methoden gibt, erst kürzlich wurde so das MS von Sebastian Haffners Buch “Geschichte eines Deutschen“ als echt bestätigt. Das heißt: man muß heute einen riesigen Aufwand betreiben, und das lohnt nur bei einem entsprechend zu erwartenden Ertrag. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Man muß sich doch nur mal klar machen, was für einen Aufwand unser Fälscher betreiben mußte. Zunächst hätte er sich (unbenutztes) Papier etwa von 1830 besorgen müssen, welches einer chemischen Überprüfung standgehalten hätte (ich weiß nicht, wo es so was gibt). Dann hätte er sich Tinte besorgen müssen, die keine Substanzen enthalten durfte, die erst nach 1839 entwickelt worden sind. Dann hätte sich der Fälscher in die Schreibweise von Sor einarbeiten müssen (glaubt man Kujau, wäre das noch der leichteste Teil der Übung gewesen). Und dann käme der schwerste Teil. Unser Fälscher kopierte ja nicht etwas, er imitierte etwas, er komponierte ein Stück ganz im Stil von Sor. Ich hab mich immer gefragt, warum analysiert W.Moser nicht das Stück, ob es denn überhaupt von Sor sein kann. Die Antwort ist ganz einfach: es gibt offensichtlich in diesen zehn Seiten Musik keine einzige Stelle, die irgendwie verdächtig wäre. Unser Fälscher muß ein hervorragender Gitarrist und Musiker gewesen sein. Und Sor-Kenner. Meines Erachtens steht dieser ganze Aufwand in keinem Verhältnis zu den 15.000 Dollar, die damals bezahlt worden sind (zur Erinnerung: Kujau bekam für die Tagebücher 9,3 Millionen DM !). Ich denke, mit den Fähigkeiten, den Materialien, solchem Einfühlungsvermögen (und der kriminellen Energie !) hätte unser imaginärer Fälscher mit eine neu entdeckten Klaviersonate von Clara Schumann bei gleichem Aufwand einen vielfach höheren Ertrag gewinnen können. Ich denke, das einfachste Szenario ist, irgend jemand hat mit Papier und Tinte des frühen 19. Jahrhunderts eine Gitarren-Fantasie ganz im Stile von Fernando Sor komponiert. Und das kann eigentlich nur Sor selbst gewesen sein. Für alles andere gibt es offensichtlich derzeit kein plausibles Argument.
R.Kohring</description>
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R.Kohring</p>
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