Enno Voorhorst: Around Barrios

CD VoorhorstAround Barrios: Enno Voorhorst, guitar
Werke von Villa-Lobos, Sagreras, Barrios, Lauro, Moreno-Torroba, Tárrega und Pujol
Aufgenommen im Dezember 2011, erschienen 2013
Challenge Records CC 72601, im Vertrieb von New Arts International
… große Kunst, die Enno Voorhorst auf seiner brandneuen CD wieder einmal beweist …

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Enno Voorhorst besticht immer wieder aufs Neue durch seinen wunderbar runden und klaren Ton sowie durch die Eloquenz seines Spiels. Da durchziehen klare, verfolgbare Linien die Stücke, Melodien, die tatsächlich gesanglich präsentiert werden. Auf einem Musikinstrument mit punktuellem Ton, wie der Gitarre, legato zu spielen, ist – jeder weiß das oder kann es sich vorstellen – schwer! Mehr: Es ist eines der Geheimnisse des Gitarrespiels. Staccato daherstottern kann jeder … aber Melodien zu spielen, sangbare, regelrecht „gesungene“ Melodien, das ist große Kunst, die Enno Voorhorst auf seiner brandneuen CD wieder einmal beweist.
Mit dem fünften Prélude von Heitor Villa-Lobos beginnt er sein Programm, mit diesem Stück Lateinamerika, das oft gespielt wird … aber hier, bei Enno, stimmt der Fluss des Stücks. Er dramatisiert nicht, bei hm hat das Prélude noch die schwingende und stimmige Leichtigkeit, die man von brasilianischer Musik erwartet.

Gleich danach der „Colibri“ von Sagreras. Den kleinen, bunten Vogel, der mit schwirrenden Flügeln in der Luft „stehenbleibt“, bildet Voorhorst überzeugend ab, sein unermüdliches Bemühen, seine Schnelligkeit. Bemerkenswert ist vor allem die Leichtigkeit, mit der Enno Voorhorst den Colibri darstellt – leicht und irgendwie mühelos.
Dann kommen die lateinamerikanischen Klassiker: Barrios und Lauro und schließlich Standards aus dem „Mutterland“: Moreno Torrobas „Suite Castellana“, „Recuerdos de la Alhambra“, „El Abejorro“ und „La Seguidilla“. Alles keine Überraschungen oder Entdeckungen … aber Voorhorst lässt einen vergessen, dass man die Stücke auswendig kann. Selbst den „Recuerdos de la Alhambra“ hört man wieder zu, auch „Abejorro“.
Enno Voorhorsts neue CD ist mehr als hörenswert – auch wenn, was das Repertoire angeht, Vorsicht angesagt ist. Aber ich könnte weitere Beispiele für Stücke nennen, die mich auf der CD regelrecht betört haben: die fünfte Etüde von Villa-Lobos zum Beispiel, die ich selten zuvor so geschlossen und so „symphonisch“ gehört habe. Das Gleiche gilt übrigens für den „Gavôta Chôro“ desselben Komponisten, der danach kommt.

Enno Voorhorst hat wieder einmal seine Klasse gezeigt – und zwar nicht mit aufgesetzter Virtuosität oder neuen Romanzen, nein, er hat es mit musikalischer Überzeugungskraft getan!

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