Weihnachten 2012 … ein Nachtrag

Achtung, die folgenden Hinweise auf Neuerscheinungen sind Reste vom gerade vergangenen Weihnachtsfest. Entweder handelt es sich um Editionen, die nicht konkret an Weihnachten gebunden sind … oder um Ausgaben, die wir nicht für das Hohe Fest empfehlen wollen. Oder um zeitlose Kostbarkeiten, die in einem Jahr auch noch Freude bereiten werden.

Jeden Sommer kommen Spekulatius, Dominosteine und Aachener Printen in den Handel, nicht viel später Spielzeug, braune Ware (Achtung, das sind keine nationalsozialistischen Schriften oder NS-Devotionalien, sondern Artikel der Unterhaltungselektronik!) und was man sonst so zu Weihnachten konsumieren oder verschenken soll. Für Haushalte, in denen Weihnachtsmusik noch selbst gemacht wird, bieten die Musikverlage dann in schöner Regelmäßigkeit Ausgaben in allen möglichen alten und neuen Besetzungen an … in Noten, Tabulatur, mit oder ohne CD. Für Soloinstrumente und diverse kammermusikalische Besetzungen. Dabei rangieren die Klassiker des Repertoires immer noch weit vorne … weil sie jeder kennt und mitsingen kann und weil sie gemeinfrei sind. Man darf sie abdrucken, ohne einem Rechteinhaber (Urheber oder Verleger) dafür eine Gebühr zu bezahlen. Neben „Alle Jahre wieder“, „O Tannenbaum“ oder „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ gibt es seit einigen Jahren zusätzlich Weihnachtshits wie „Driving home for Christmas“ von Chris Rea zum Beispiel oder „Wonderful Christmas Time“ von Paul McCartney, die zu Hits geworden sind und die natürlich nicht gemeinfrei sind … und daher findet man sie auch nicht in x-beliebigen Sammelausgaben. „Jingle Bells“, der vorweihnachtliche Hit in Einkaufszentren und auf Weihnachtsmärkten, wird von Konservativen gern als Ausdruck der Amerikanisierung unserer europäischen Weihnachtskultur verteufelt … ist aber fast so alt, wie viele hiesige Weihnachtslieder. James Lord Pierpont (1822—1893) hat das Lied geschrieben.

Eine der typischenBattenstein Titel Weihnachts-Anthologien ist bei Tomte Music in Düsseldorf herausgekommen. Das war schon 1991 – jetzt ist aber wieder einmal eine Neuauflage im Angebot. Auf dem Cover klebt eine Warnung: „Mit der legendären Original-CD: 75 Minuten traumhaft-besinnliche Weihnachtsklänge (25.000 Stck. Gesamtauflage).“

Thomas Battenstein (Hrsg.): Das Begleitbuch zur CD „Stille Nacht“ – 50 Advents- und Weihnachtslieder, Gitarrenmusik instrumental, stimmungsvoll arrangiert mit allen Texten, Melodiestimmen und Akkordsymbolen, Düsseldorf 1991 (mit CD),
TOMTE MUSIC, TB 19501/4, im Vertrieb von BOSWORTH, €16,90

… fürwahr scheußlich! …

Das Notenheft enthält das, was man so als Weihnachtsliedern kennt … allerdings nur die gemeinfreien: Noten für die Melodie, darüber Akkordsymbole, dazu sparsame bis keine Erläuterungen zu Komponisten und Dichtern.

Aber das Notenheft ist nichts anderes das „Begleitbuch zur CD“ (so jedenfalls wird es dargestellt) … und die ist fürwahr scheußlich! Die „legendäre Original-CD“ enthält die im „Begleitbuch“ enthaltenen Lieder, gespielt auf zwei E-Gitarren und zwar auf öde eintönige und undifferenzierte Art. Wie man eine solche Produktion so schamlos anpreisen kann, ist mir ein Rätsel!

Was zu Weihnachten auch noch auf den Ladentisch kommt, sind die Klassiker des Disney-Film-Repertoires. Jetzt gibt es „das Buch zum Film“:

Disney TitelJohn Hill (Hrsg.), Disney Songs for Classical Guitar – 20 favorites arranged for solo guitar in standard notation & tablature, Milwaukee/WI, 2012, HAL LEONARD ISBN 978-1-4234-9792-9, € ca. 16,00
… was ist ein „Hunchback“? …

Keine Weihnachtslieder im eigentlichen Sinn – aber es sind Titel, die Viele mit Weihnachten verbinden. 1937 erschien der erste Film: „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ oder: „Snow White and the Seven Dwarfs“, 1941 „Dumbo“ und 1951 „Alice im Wunderland“. Später kamen jährlich Filme heraus: „Ralph reichts“ (2012), „Winnie Puuh“ (2011), „Rapunzel – Neu verföhnt“ (2010) oder „Küss den Frosch“ (2009). In allen Filmen ist Musik verarbeitet – viel davon ist auch ohne optische Unterstützung berühmt geworden. „It`s a small World“ zum Beispiel, das jedem, der einmal im „Magic Kingdom“ in Orlando/Florida gewesen ist, sein Leben lang nachläuft. Oder „Can You Feel the Love Tonight“ das Elton John für den Film „Lion King“ geschrieben hat?

Zwanzig Lieder aus großen Disney-Produktionen sind hier zu einer Anthologie zusammengestellt, zwanzig Lieder, die in der ganzen Welt bekannt sind. Wiedergegeben sind sie in eher leichten Sätzen für Gitarre, komplett mit Fingersätzen versehen, komplett spieltechnisch aufbereitet. Unter den Notenzeilen befindet sich das jeweilige Lied, aufgeschrieben in „modener Tabulatur“. Die Notenausgabe enthält wider Erwarten keine CD, dafür aber wegen der synoptischen Darstellung von Noten und Tabulatur zu wenige Songs … schließlich werden Musiker nur jeweils eine der beiden Darstellungsarten für ihre Zwecke verwenden. Alle Titel, Autorenangaben und erklärenden Texte sind ausschließlich in englischer Sprache abgedruckt … das kann bei Titeln wie „The Hunchback of Notre Dame“ zu Fragen führen, denn … was ist ein „Hunchback“?

Die Disney-Songs sind sicherlich eine willkommene Bereicherung des Unterrichtbegleitenden Spielmaterials – und natürlich stechen sie von dem ab, was sonst angeboten wird.

Anders Miolin, der schwedische Gitarrist mit Lehrstuhl in der Schweiz, spielt über siebzig Minuten Weihnachtsmusik auf einer dreizehnsaitigen Gitarre, die der Gitarrenbauer Ermanno Chiavi in Zürich für ihn gebaut hat und die unter dem Namen „Modell Chiavi-Miolin“ im Handel ist. Sie, die Gitarre, wird auf der neuen CD vorgeführt und weniger die Musik:

Miolin Christmas CDChristmas Dreams on 13 Strings
Anders Miolin, Guitar
Aufgenommen im März 2012
BIS-2026 SACD, in Deutschland im Vertrieb von Klassik Center, Kassel
… Ob ich diese CD unbedingt gebraucht habe, weiß ich nicht! …

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Der Klang der neuen Gitarre ist groß – zu groß manchmal; dann nämlich, wenn ein schlichter Choral wie „Adeste Fideles“ gespielt werden soll und ein Sakraleffekt nichts als verwässert und zum Pausenmachen und Langsamerspielen zwingt. Aber die Möglichkeiten des Instruments sind bemerkenswert! Und die Arrangements und Fantasien über weihnachtliche Themen, sie alle sind von Anders Miolin, stellen sie ins rechte Licht. Vieles wirkt wie improvisiert, andere Stücke haben stark sakral betonten Choralcharakter, andere dagegen sind eher virtuose Variationen über weihnachtliche Themen … obwohl gerade hier die dreizehnsaitige Gitarre an ihre Grenzen kommt, da Dämpfen plötzlich so wichtig wie virtuoses Spiel geworden ist. Das war auf der zehnsaitigen Gitarre, wie Narciso Yepes sie gespielt hat, schon so und ist natürlich bei dreizehn Saiten nicht ohne Zutun einfacher geworden.

Ob ich diese CD unbedingt gebraucht habe, weiß ich nicht! Und ich kann auch nicht sagen, ob die neue Gitarre mit dreizehn Saiten Karriere machen wird oder ob wieder einmal ein ingeniöser Mensch dabei ist, die Gitarre zu erfinden. Anders Miolin hat schon Platten auf der Altgitarr seines Landsmanns Georg Bolin (1912—1993) eingespielt, die meistens elf, mitunter aber auch schon dreizehn Saiten hatte. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war sie ziemlich populär und hat viele Musiker überzeugt, unter ihnen Göran Söllscher. Leider ist sie eine Episode in der Geschichte von Gitarre und Gitarrenmusik geblieben.

Mehr Weihnachtsmusik für ein Zupfinstrument … aber ein gänzlich anderes als die Gitarre.

Pfluger WeihnachtsliederAdvent und Weihnachten
auf der Tiroler Harfe (Volksharfe) inklusive CD

Manching, Preissler-Verlag, 2012, € 16,80
… keine volkstümelnde Musik …

Achtung, dies ist keine volkstümelnde Musik, wie wir sie vom Bayerischen Rundfunk oder vom ZDF kennen! Gut, es ist Musik aus den Alpenländern; Musik, wie sie Mutter und Tochter Hellwig dargeboten haben und wie sie offenbar nur in Trachten gespielt und gesungen werden darf. Eines ist sie allerdings nicht: Liebe-Herz-und-Schmerz-Schlagermusik, die nur deshalb im Dirndl und in Krachledernen präsentiert wird, weil man Senioren mit dieser Alpen-Idylle einfangen möchte. Nein, hier haben wir es offenbar mit echter Volksmusik zu tun, mit Musik, die im Volk entstanden ist. Also: Etwas für Weihnachten 2013! Aber das Spiel der Tiroler Harfe müssen Sie natürlich beherrschen … ein Jahr Zeit zum Üben haben Sie noch!

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