Soundboard XXXVIII/2012/Nº 3

(Ausgabe hier eingegangen am 10. November 2012) Christopher Parkening ist in die „Guitar Foundation of America Hall of Fame“ aufgenommen worden. Während der Feier hat er seinen Rücktritt von der Bühne bekannt gegeben.

Walter Aaron Clark und William Craig Krause geben einen Einblick in ihre Arbeit an dem gerade erschienenen Buch „Federico Moreno Torroba: A Musical Life in Three Acts“ (Oxford University Press, 2012), der ersten Größeren Veröffentlichung über Leben und Werk des Komponisten, der bekanntlich für Andrés Segovia und für die Gitarre im 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle gespielt hat. Ihr Artikel: Federico Moreno Torroba and Andrés Segovia in the 1920s: A Turning Point in Guitar History (S. 8—13) behandelt besonders die über hundert Werke für Gitarre [!], die Moreno Torroba geschrieben hat und von denen viele nie entstanden wären, hätte der Komponist Andrés Segovia nicht kennen gelernt. Moreno Torroba hat „eigentlich“ Zarzuelas geschrieben, von denen hier schon die Rede war. Diese Kunstform ist aber in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts völlig aus der Mode gekommen und er konzentrierte sich immer ausschließlicher auf Gitarrenmusik … und das auch mit anderen Gitarristen als Segovia.

Moreno Torrobas Bekanntschaft mit Segovia, und darauf konzentrieren sich die Autoren in ihrem Artikel, begann ca. 1920 und damit änderte sich die Lebens- und Schaffensgeschichte des Komponisten und gleichzeitig die Geschichte der Gitarre.

Moreno Torroba, der sich selbst immer Torroba nannte, war in eine mittelständische Familie geboren worden. Seine Eltern hatten musikalisches Talent, sein Vater war Orgellehrer am Konservatorium der Stadt Madrid und komponierte für lokale Theater. Federico hatte die Begabung geerbt und begann schon als Heranwachsender zu komponieren. Ein erstes Bühnenstück, „Las decididas“ wurde 1912 am Teatro Lara in Madrid aufgeführt. Federico war 21 Jahre alt. Danach nahm er privaten Kompositionsunterricht. Kurz nach der Uraufführung eines seiner Orchesterwerke haben sich Moreno Torroba und Segovia kennen gelernt und sich angefreundet.

Segovia bezeichnete Moreno Torroba als den ersten Komponisten, der für Gitarre geschrieben hat ohne das Instrument selbst zu spielen und diese Einschätzung hat der Komponist selbst geteilt „I was the first [non guitarist] to write for the guitar. Maestro Falla followed my path somewhat later.“

Weiter geht es mit einem Beitrag von Brian Jeffery: Sor in Trouble with the Spanish Inquisition, 1803 to 1806 (S. 15—19). Dieser Artikel geht zurück auf Dokumente, die erst jüngst im Archivo Histórico Nacional in Madrid gefunden worden sind.

Die Inquisition war zu Anfang des 19. Jahrhunderts weitaus nicht mehr so mächtig, wie sie es mehr als zweihundert Jahre vorher gewesen war, gleichwohl waren Denunziationen an der Tagesordnung und sie  hatten immerhin Untersuchungen zur Folge. Was Fernando Sor angeht, ist er von einer Doña Tomasa Esteve denunziert worden, er habe in ihrem Haus kirchenkritische Dinge gesagt. Dafür hat sie Zeugen angeführt, die das teilweise auch bei der Inquisition bestätigten. Außerdem habe er, Sor, Bücher von Voltaire besessen und auch gelesen [sic], und das war verboten.

Das Gebäude an Vorwürfen brach zusammen, als öffentlich bei der Inquisition verhandelt wurde. Sor wurde voll rehabilitiert, alle Anklagepunkte wurden fallen gelassen. Interessant an der Geschichte ist also nicht wirklich der Ausgang des Prozesses, als vielmehr die Tatsache, dass vor rund zweihundert Jahren solche Vorwürfe noch verfolgt wurden und dass sie ziemlich lange eine Schar von „Fachleuten“ beschäftigten. Und das Wort von Hoffmann von Fallersleben wird einem wieder bewusst:

Der größte Lump im ganzen Land,
Das ist und bleibt der Denunziant!

Es folgte ein Beitrag von Miles McConell: The Guitar Music of Alan Hovhaness (21—26). Alan Hovhaness (1911—2000) war einer der bekanntesten und produktivsten amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts und hat gut vierhundert Opera hinterlassen. Dreizehn Kompositionen hat er hinterlassen, in denen die Gitarre verwendet wird, darunter fünf Solowerke und Konzerte oder Kammermusikwerke mit Gitarre. Um diese Stücke und ihre Entstehung geht es in dem Artikel von McConell, ebenso um eine Darstellung der stilistischen Gundlagen.

Marcello Corcellas Artikelreihe über die Caprichos de Goya wird weitergeführt (S. 28—32). In dieser Ausgabe geht es um die Nummer 15: ¿Si Sabrá más el ducípulo?

Johannes Möller schreibt A Few Words about my GFA Concert Tour (S. 33—34). Möller hat den Wettbewerb der Guitar Foundation of America im Jahr 2010 gewonnen und damit neben der Produktion einer NAXOS-CD, die hier besprochen worden ist, eine Konzertreise durch die USA. Seine Eindrücke schildert er in diesem Artikel in Soundboard. Michael Karmon: Two Backpack Pieces für Gitarre folgen und danach Jack Sanders’ Essay on Playing the Guitar: Space Vision.

Folgende Notenausgaben runden das Heft ab:

Giovanni Antonio Terzi: Branle francese duble, Courante francese (1599) (S. 41—42)

Ludwig van Beethoven: Sonatina, Anh. 5, Nº 1, Transcribed by Richard Yates (S. 44—48)

Henry Worrall: Fantasia on Lucy Long (S. 49—54)

Theo Radic: Shalawa for Two Guitars (S. 55—60)

Filippo Gragnani: Sinfonia, ed. by Richard Long (S. 61—69)

Es folgen ein Interview mit William Kanengiser und Shingo Fujii über „Shiki: Seasons of Japan“ (S. 70—74), eines mit Javier Calderón über Alan Hovhanness’s Concerto Nr. 1 for Guitar (S. 75—77) sowie Besprechungen und  kurze Meldungen.

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