Bardenklänge mit Salvoni

Mertz Salvioni BardenklängeCaspar Joseph Mertz: Barden-Klänge
Graziano Salvoni, guitar
Aufgenommen zwischen Februar und März 2013, erschienen 2014
BRILLIANT Classics (2 CD) 94473
… und dafür kann man nur danken …

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Lange ist die Musik von Johann Kaspar, seit Astrid Stempniks Dissertation von 1990 und auch von Graziano Salvoni als Caspar Joseph Mertz (1806–1856) erkannt, als minderwertiger Kitsch abgelehnt worden. Sogar Fritz Buek (Die Gitarre und ihre Meister, Berlin 1926), der ein bedingungsloser Apologet der Gitarre und ihres Repertoires war, meinte: „Es darf nicht außer acht gelassen werden, daß das Wirken von Mertz bereits in die Zeit der Romantik fiel, daß das Klavier damals schon einen bedeutenden Fortschritt in bezug auf den Ton aufzuweisen hatte und daß die Stimmungsmusik schon einen ziemlich breiten Raum innerhalb der Klavierkompositionen einnahm. Sein Stil ist stark von dieser Musik beeinflußt, und indem er diesen Stil der Gitarre anzupassen suchte, gelang es ihm manchmal, wenn auch in bescheidenen Grenzen und mit einfachen Mitteln, Werke zu schaffen, die einer gewissen Genialität nicht entbehren.“ [S. 39] Sehr reserviert!

Seit einigen Jahren aber, seitdem man die Musik von Mertz immer häufiger nicht auf modernen Gitarren, sondern auf Gitarren seiner Zeit spielt, wird die Akzeptanz seiner Musik gegenüber immer größer.

Graziano Salvoni ist auch nicht der erste Gitarrist, der sich den Bardenklängen widmet. Adam Holzman war vor ihm, auch Richard Savino, Francesco Biraghi und einige Kollegen. Sie alle haben aber nur jeweils eine kleinere oder größere Auswahl der Bardenklänge in ihre CD-Programme aufgenommen. Dass Simon Wynberg schon in den frühen achtziger Jahren eine groß angelegte (fast Gesamt-) Ausgabe der Werke von Mertz herausgegeben hat (Edition Chanterelle), war fast visionär.

Bei Salvoni, hören wir den kompletten Inhalt der Hefte 1 bis 11 der Bardenklänge. Die Hefte 12 und 13 enthalten Werke von Michal Oginsky (1765—1833) – darunter dessen „Douze Polonaises favorites“, die Mertz für Gitarre übertragen hat. Die Hefte 14 und 15 sind posthum, also nach Mertz‘ Tod im Jahr 1856 herausgekommen. Sie fehlen also, diese Hefte 12 bis 15, an einer Gesamteinspielung … wenn man so will! Im Grunde hat Salvoni den vollständigen Zyklus auf CD vorgelegt, und dafür kann man nur danken.

Kann man das? Und sollte man das?

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Michelagnolo Galilei: Intavolatura 1620

Michelagnolo Galilei CDMichaelagnolo Galilei: Intavolatura di liuto
Anthony Bailes, lute
Aufgenommen im Juli 2013
Ramée RAM 1306, im Vertrieb von Note-1
… nicht, dass er der Schnellste, Virtuoseste oder Originellste von allen wäre …

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Als Vincenzo Galilei, Vater von sechs oder sieben Kindern, im Jahre 1591 starb, wurde sein ältester Sohn Galileo (1564–1642) verantwortlich für die Familie. Er übernahm die Verantwortung ohne Murren – so war der Lauf der Dinge!

Galileo war der Mathematiker, Naturwissenschaftler, Astronom und Philosoph. Das Genie der Familie. Und es heißt, er sei auch ein begabter Musiker gewesen.

Aber Michelagnolo (das ist die Florentiner Schreibweise des Vornamens, Michelagniolo schrieb sich sein Großvater, aber auch Michelangelo kommt vor), geboren am 18. Dezember 1575, 11:25h, war der Sprössling, der die musikalische Tradition der Familie weiterführen sollte. Vater Vincenzo war Musiktheoretiker und Lautenist, Mitglied der Camerata Fiorentina und Autor eines – mindestens, was die musikalische Kunst angeht – in die Zukunft weisenden Buches: „Dialogo della musica antica e della moderna“ (Florenz 1581).

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On the carpet of leaves
illuminated by the moon

On_the_carpet_of_leavesPeter Söderberg & Erik Peters: On the carpet of leaves illuminated by the sun
Werke von John Cage, James Tenney, Alvin Lucier und Steve Reich
Aufgenommen 2012 und 2013, erschienen 2014
ALICE ALCD028, im Vertrieb von NAXOS Schweden
… ein besonderes Vergnügen …

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1. Ein Sinus-Oszillator liefert für 13:49 Minuten einen durchgehenden Ton von 164,8 Hz. Gleiche Frequenz, gleiche Lautstarke. Dazu spielt Peter Söderberg in sehr regelmäßigen Abständen einen fast gleichen Ton auf einer Oud. Auf einer nicht bebündeten Oud. Das Stück „On the Carpet of Leaves Illuminated by the Moon“ von Alvin Lucier lebt davon, dass sich die Töne, die von der Oud geliefert werden, um minimale Intervalle – angegeben sind zwei bis drei Cent – verändern. Diese minimalen Abweichungen addieren sich im Verlauf der Komposition auf einen Ganzton, also 200 Cent, um die die Oud um den Sinuston kreist. Bei zwei so nah beieinander liegenden Schwingungen entstehen Interferenzen, Schwebungen, die der Hörer immer wieder aufs Neue für sich bewerten muss.

2. James Tenneys „Cromatic Canon“ für Laute und Live-Elektronik lebt von phase shifting, einer Technik, die von den amerikanischen Minimalisten „erfunden“ worden ist. Man stelle sich vor, man spiele ein und dieselbe Komposition auf zwei Tonbandmaschinen gleichzeitig ab. Da niemals zwei Bandmaschinen hundertprozentig gleich schnell laufen, ergeben sich nach ziemlich kurzer Zeit klangliche Abweichungen, aus der sich später raffinierte Klangmuster entwickeln … um nach ziemlich langer Zeit für einen Moment wieder zum parallelen Klang zurückzufinden.

3. One7 von John Cage gehört zu den „Number pieces“ des Komponisten, die nach der Anzahl der mitwirkenden Interpreten benannt sind. One7 ist also eine Solokomposition, die hier aber von zwei Musikern realisiert wird – auf einer Gitarre und Live-Elektronik. Es geht um das Erzeugen von zwölf Klängen „for any way of producing sounds“, für die lediglich die zeitliche Abfolge in einer Partitur festgelegt ist. Das Stück ist dreißig Minuten lang und für diese dreißig Minuten wird ein streng gegliederter Ablaufplan geliefert, in den die unterschiedlichen Klangerlebnisse eingetragen sind und der für jede Aufführung neu berechnet wird.

In One7 wird der Hörer also mit einer Reihe von Klängen konfrontiert, die von einer akustischen Gitarre einerseits und einem Computer erzeugt worden sind.

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illuminated by the moon
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7:1

Nationalhymnen NAXOS CDDie 32 Nationalhymnen zur Weltmeisterschaft in Brasilien
Slovak Radio Symphony Orchestra, Slovak State Philhamonic: Peter Breiner
NAXOS 8.552014

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Ohnehin sind die Deutschen die wahren Brasilianer … schrieb der Wiener Kurier am Tag danach. Nach dem 7:1 zwischen der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft und der von Brasilien am 8. Juli 2014. Für die Brasilianer war die WM damit zu Ende – obwohl sie sich eigentlich auf einen längeren Aufenthalt eingestellt hatten.

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Der „Neder-Landtsche Gedenck-Clanck” von Adrian Valerius. Hier ist 1626 die spätere Niederländische Nationalhymne zum ersten Mal veröffentlicht worden.

Ab sofort würden nur noch drei Nationalhymnen gespielt: die von Argentinien, Deutschland und die der Niederlande – am Beginn der WM-Endrunde waren es 32. Italien flog schon in der Gruppenphase raus, ebenso Spanien und England. Auch Portugal. Dafür kamen Costa Rica, Kolumbien und sogar die USA weiter, wo bis vor ein paar Jahre nicht einmal bekannt war, dass Fußbälle rund sein können. Die Marseillaise würde man also nicht mehr hören, auch nicht die Nationalhymne Spaniens … die keinen Fußballer in Verlegenheit bringt, weil sie nämlich keinen offiziellen Text hat. Muss niemand mitsingen!

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Valerius fol. 46

NAXOS bringt seit einigen WMs und EMs Aufnahmen mit allen relevanten Nationalhymnen heraus, gespielt von Symphonie-Orchestern und nicht von Blaskapellen. Das ist korrekter und weniger emotional. Wir werden sehen, welche Hymnen am Schluss gespielt werden! Die holländische vielleicht?

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Valerius fol. 47: Hier die Harmonisierungen für Laute und Zister in Tabulaturen

Die Niederländische Hymne wird seit dem 16. Jahrhundert gesungen, offiziell ist sie aber erst 1932 als Nationalhymne eingesetzt worden. Erstmalig veröffentlicht wurde sie 1626 von Adrian Valerius in seinem „Neder-Landtschen Gedenck-Clanck“ und zwar – Notabene! – mit Harmonisierungen „vande Luyt ende Cyther“ [für Laute und Zister], notiert in den jeweiligen Tabulaturen … die hier gerade einmal einen Klick entfernt sind!

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Frank Bungarten spielt Sor

Fernando Sor (1778–1839): 24 Selected Studies
Frank Bungarten, guitar
Aufgenommen im August 1990, erschienen 1991, Neuauflage März 2014
MDG 305 0390-2, im Vertrieb von NAXOS
 eine musikalische Delikatesse allerersten Rangs …

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Sor Etueden Bungarten CD

  • Frank Bungartens Aufnahme der 24 Etüden von Fernando Sor ist 1990 entstanden und ein Jahr später bei MDG erschienen. Im gleichen Jahr ist sie von Peter Päffgen in Gitarre & Laute (PRINT) besprochen worden (XIII/1991/Nº 6, S. 31). Die Besprechung von 1991 drucken wir unverändert ab.

24 Etüden von Fernando Sor hat Frank Bungarten bei MDG eingespielt … nein, kein Begleitmaterial für den Instrumentalunterricht – Demonstrationen der Qualität und Vielschichtigkeit dieser Musik. Und da ist viel zu demonstrieren! Die hauptsächlich ob ihres Namens weithin unterschätzten Stücke sind kleine, in sich geschlossene Kunstwerke allerhöchsten Rangs, und zwar Kunstwerke sehr unterschiedlicher Art.

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Marco Dall’Aquila

Sandro Volta MarcoDall’Aquila: Music for Lute
Sandro Volta
Aufgenommen im April 2013, erschienen 2014
BRILLIANT CLASSICS 94805
… vergleichsweise hölzern …

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Marco Dall’Aquila: Pieces for Lute
Paul O’Dette
Aufgenommen im August 2009, erschienen 2010
HARMONIA MUNDI HMU 907548
… Eindruck von der Modernität der Musik …

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1505 erhielt ein Marco d’Aquila (ca. 1480–ca. 1544) vom Rat der Republik Venedig für zehn Jahre die Erlaubnis, Tabulaturen zu drucken. Leider hat er nie ein Lautenbuch herausgebracht – mindestens ist weder eines überliefert noch finden sich irgendwelche Notizen in Urkunden oder Berichten. Vermutlich ist ihm Ottaviano Petrucci in Venedig zuvorgekommen, der 1505 zwei Bücher von Francesco Spinacino herausgebracht hat.

Von demselben Marco aus L’Aquila sind allerdings handschriftlich Kompositionen erhalten, der größte Teil davon in einem Manuskript der Bayerischen Staatsbibliothek in München (D-Mbs: Mus.Ms.266), das aber, so Paul O’Dette im Booklet seiner CD, ist ‚zwar faszinierend, aber frustrierend ungenau‘. Die Quellenlage ist also, was Marco d’Aquila angeht, problematisch … aber es wird daran gearbeitet.

Paul Odette MarcoSeit einigen Jahren ist Arthur J. Ness, der ob seiner Ausgabe sämtlicher Lautenwerke von Francesco da Milano bekannt ist (Cambridge, Massachusetts 1970), dabei, eine Ausgabe der Werke von Marco Dall’Aquila herauszugeben, die im Moment (nur) im Internet erscheint und in Einzellieferungen mit Ergänzungen ihrer Vervollständigung entgegengeht [Ser Marco Dell’Aquila, sonador de lauto: Opera Omnia, 4 Bde. http://mysite.verizon.net/vzepq31c/marcodallaquila/]. Ein letztes Update ist am 1. Dezember 2013 erschienen.

Eine weitere Gesamtausgabe aller Lautenwerke von Marco Dall’Aquila soll im nächsten Jahr, 2015, erscheinen. Herausgeber sind Paul O’Dette und Maurizio Pratola, der Verlag ist die Libreria Musicale Italiana in Lucca.

Bei der Musik, die uns von Marco d’Aquila und seinen unmittelbaren Zeitgenossen überliefert ist, handelt es sich um Lautenwerke, die entweder kurz nach 1500 oder vor der Jahrhundertwende entstanden sind und stilistisch im 15. Jahrhundert wurzeln. Wir können davon ausgehen, dass die Laute vorher – im späten Mittelalter, wenn wir so wollen – mit einem Plektrum angeschlagen wurde und dass sich zu dieser Zeit der Fingeranschlag entwickelte. Erst dadurch ist polyphones Spiel auf der Laute möglich geworden! Schon 1536, gut dreißig Jahre später, sind in verschiedenen gedruckten Lautenbüchern Stücke von Francesco da Milano herausgekommen, in denen uns sehr feine, filigrane und hoch entwickelte Polyphonie auf dem Instrument präsentiert wird, die ihrem Komponisten den Beinamen „Il Divino“, der Göttliche, einbringen sollte.

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Adam Darr (1811–1866) für zwei Gitarren

Adam Darr

Adam Darr. Portrait, veröffentlicht in seiner Zither-Schule

Adam Darr: German Romantic Guitar Duets
John Schneiderman und Hideki Yamaya, Gitarren
Erschienen 2013
2 CDs bei Edition Hänssler PH 13052, im Vertrieb von NAXOS
… Sie formen Mikro- wie Makrostrukturen der Stücke sehr behutsam …

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Nein, sensationelle Musik ist das nicht, die wir hier zu hören bekommen. Sensationell ist vielleicht die Entdeckung dieser Musik und ganz sicher der Mut, den die beiden Musiker aufgebracht haben, sie so spektakulär in Szene zu setzen … auch übrigens der unternehmerische Geist des Labelmanagers, der sie veröffentlicht hat, obwohl die potentiellen Käufer seiner Produktion den KompoDarr Duets CDnisten – wenn überhaupt – eher aus einer Zeit kennen, als die Gitarre in Deutschland als „untergegangen“ galt.

Musik von Adam Darr (1811–1866) haben wir zuletzt von einem missionierenden Gitarristen gehört, der sich romantischer deutscher Gitarrenmusik angenommen hatte. Ein „Capricho“ op. 6 für zwei Gitarren haben zudem vor vielen Jahren Philippe Lemaigre und Guy Lukowski aufgenommen (EMI 1A 063 1995441) … sonst gibt es nichts, wäre nicht Joseph Richard Costello vor einigen Jahren auf die Idee gekommen, über Adam Darr eine Dissertation zu schreiben: „Adam Darr (1811–1866): The Career and Works of a German Romantic Guitarist and Zitherist“ (Arizona State University 2005). Über diese Dissertation wird hier noch zu lesen sein – zunächst aber war ihr Autor nicht unbeteiligt daran, dass sich der kalifornische Lautenist und Gitarrist John Schneiderman zusammen mit seinem Kollegen Hideki Yamaya darangemacht haben, Kompositionen von Darr zu studieren und aufzunehmen. Voilà, hier ist das Ergebnis!

Die vorliegende Einspielung fokussiert sich auf die substanzielleren Werke der von Darr geschriebenen Duos: auf vierzehn kleinere Stücke, fünf längere Konzerte und zwei Tänze, des weiteren einen Trauer-Marsch“ … heißt es im Sleeve-Text, für den übrigens Joe Costello mitverantwortlich ist.

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Portuguese Baroque Villancicos

Evora CDÉvora: Portuguese Baroque Villancicos
A Corte Musical, Rogério Gonçalves
Aufgenommen im März 2013, erschienen 2014
PAN Classics PC 10304, Im Vertrieb von Note-1
… Endlich, endlich können Musiker, wenn sie Alte Musik spielen, aus dem Baum agieren …

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“Das Ensemble macht das sehr gut, sehr authentisch. Besetzt ist A Corte Musical mit zwei Violinen, Barockgitarre und Theorbe, Spanische Harfe, Violone, Barockfagott und Schlagwerk. Dazu die Sänger: zwei Soprane, Altus und Tenor.”

Die Besprechung ist bei
http://www.Peter-Paeffgen.eu
zu lesen!

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Pierre Pitzl: Rome—Paris—Madrid

Bartolotti Tabulatur 1Rome – Paris – Madrid: European Baroque Guitar Music
Pierre Pitzl, Gitarre
Werke von Bartolotti, Granata, Corbett, de Visée, Sanz und Guerau
Aufgenommen im April 2013, erschienen 2014
ACCENT ACC24287, im Vertrieb von Note-1
… sie so eloquent, so natürlich und elegant vorgetragen werden, wie es Pierre Pitzl auf seiner CD tut …

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Pierre Pitzl war hier schon Thema: Konzert | CD

Pierre Pitzl spielt barocke Gitarrenmusik. Er spielt sie – natürlich, möchte man fast sagen – auf einem Instrument der Zeit, in der sie entstanden ist, auf einer fünfchörigen „Barockgitarre“ … bzw., um genau zu sein, auf der Kopie einer barocken fünfchörigen Gitarre.

Pitzl CDNatürlich? Nun, „moderne Gitarristen“ – oder sagen wir besser Spieler von modernen, sechssaitigen Konzertgitarren – haben selten ein Händchen für diese Art von Musik. Das hängt beispielsweise mit den zahlreichen Arpeggien zusammen, die diese Musik ausmachen und die auf orchestral klingenden, sechssaitigen Gitarren nicht mit der nötigen Leichtigkeit und Eleganz darzubieten sind. Die meisten Bearbeitungen, die für moderne Gitarre angeboten werden, nehmen zudem keine Rücksicht darauf, dass die klangliche Eigenart der Barockgitarre mit ihrem engen, geringen Tonumfang zusammenhängt. So lange man dies als ihren Nachteil auffasst und in Bearbeitungen für sechssaitige Gitarre deren Bässe als Basis nutzt, erhält man zwar einen volleren Gesamtklang, man entfernt sich aber immer weiter von dem zarten, spielerischen und keineswegs lauten Spiel der Gitarre, das Robert de Visée seinem Herren und König Louis XIV. in dessen Privatgemächern liefern musste. Keine Fußballstadien, auch keine Konzertsäle … nicht einmal Salons mit einer Handvoll Zuhörern hatten die Gitarristen dieser Zeit zu unterhalten. Es waren private und oft sehr private Gelegenheiten, an denen Gitarristen aufzuspielen hatten.

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50x Guitar

50xGuitare CD50 x Guitar
Eduardo Fernández, Alexandre Lagoya, Ida Presti, Pepe, Celín, Angel und Celedonio Romero
Aufgenommen zwischen 1962 und 1998, erschienen 2014
DECCA 478 6745
… Interpreten erster Güte …

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Dies ist ein Querschnitt durch das Gitarren-Repertoire auf drei CDs. Alles zwischen Bach und Rodrigo. Die Werkauswahl könnte von Andrés Segovia sein – der hat schließlich mindestens bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts bestimmt, was gespielt wurde und was nicht. Einige Stücke des Programms sind in der Zwischenzeit aus der Mode (zum Beispiel die Spanischen Tänze von Enrique Granados, auch Dauerbrenner wie „Asturias“ oder „Sevilla“ von Isaac Albéniz), damals aber spielte sie buchstäblich jeder und überall. Andere Kompositionen hat Maestro Segovia zum Ausgleich links liegen gelassen, darunter war das „Concierto de Aranjuez“ und alles von Barrios.

CD-3 der Anthologie enthält drei Konzerte von Joaquín Rodrigo: „Concierto de Aranjuez“, „Fantasia para un Gentilhombre“ und „Concierto para una Fiesta“, alle gespielt von Pepe Romero und der Academy of St. Martin in the Fields unter Neville Marriner. Allein wegen dieser CD lohnt sich die Anschaffung des Dreier-Sets. Selten hört man die Rodrigo-Konzerte mit einem so guten Orchester, selten auch mit einem Solisten wie Pepe Romero, der die Werke zelebriert, der sie so sorgfältig phrasiert und akzentuiert, als wären es Solostücke. Selten gehen Solisten in Konzerten mit Orchester so fürsorglich mit dem musikalischen Material um! Das „Concierto para una Fiesta“ gehört zudem ohnehin zu den seltener gespielten Werken.

Die Aufnahmen der Rodrigo-Konzerte sind zwischen 1976 und 1984 entstanden und haben, mindestens für damals, Pepes Statur als Musiker bewiesen … die ich, wenn es um Solowerke und auch Aufführungen des Familien-Quartetts ging, gelegentlich nicht einmal erahnen konnte. Die „Malagueñas“ seines Vaters Celedonio (CD-1) zum Beispiel ist kein Meisterwerk, aber ich habe von Papa Romero andere Opera gehört – gespielt fast immer von Pepe, der sie dazu als Jahrhundertwerke anpries –, die mich gelehrt haben, was „Fremdschämen“ bedeutet. Und doch ist Pepe Romero einer der ganz Großen der Gilde – mindestens war er es! Beweise finden sie in der Anthologie 50x Guitar!

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