Tetra Guitar Quartet: about time

Tetra Quartet about time CDTetra Guitar Quartet: about time
Werke von Elgar, Mahler, Beethoven, Dyens, Morley und Tim Garland
Aufgenommen im August 2013
BGS  Records 124, im Vertrieb von NEW ARTS INTERNATIONAL
… ein Spaß besonderer Art …

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Dies ist die Jubiläums-CD des TETRA-Gitarrenquartetts zu dessen fünfundzwanzigstem Geburtstag. Stewart French, Stephen Goss, Carl Herring und Graham Roberts – sie sind heute die Mitglieder des Ensembles, das 1988 gegründet wurde.

Edward Elgar, Gustav Mahler und Ludwig van Beethoven … die Namen dieser Komponisten auf einer CD für Gitarrenquartett? Natürlich sind es Transkriptionen, klar, und trotzdem! Bach hätte mich nicht gewundert, auch Tschaikowski nicht und nicht einmal Schubert … aber Gustav Mahler?

Edward Elgar hat mehr geschrieben als sein überall bekanntes Cellokonzert und den Marsch „Pomp and Circumstance Nº 1“ – unter anderem das kleine Orchesterstück „Sevillaña (Scène Espagnole)“, mit dem TETRA, als Überraschung sozusagen, ihr Programm beginnt. Bravi! Vor allem in der Bearbeitung für Gitarren ist dieses Stück ein Spaß besonderer Art. Es gibt ihn also … den englischen Humor!

Elgar war nie in Spanien gewesen, als er 1884 „Sevillaña“ schrieb. Und doch war dieses Stück noch am Abend seiner Uraufführung in London ein glänzender Erfolg … vielleicht, weil auch viele der anwesenden Zuhörer nie vorher in Spanien waren? Mit „Sevillaña“ jedenfalls hat Elgar keine Spanien-Parodie zwischen Sangria und Flamenco hinterlassen, sondern ein leichtes, luftiges und vielleicht daher mediterran wirkendes Stück, das die Musiker vom TETRA-Quartett glänzend gelaunt vortragen. Ein paar Kastagnettenklänge, die nicht in der originalen Partitur stehen – dort ist im Schlagwerk tamb. (Tamburin) notiert – klopfen die Gitarristen auf Zargen und Böden ihrer Instrumente herbei. Mehr spanischen Akzent gibt’s nicht.

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Winterreisen

Nowak, Otto (1874-1945 ) - Composer Franz Schubert by a Music PartyFranz Schubert 1797—1828) Winterreise
Raphaël Favre, Tenor; André Fischer, Gitarre
Aufgenommen im August 2012, erschienen 2013
STRADIVARIUS STR 33981, im Vertrieb von Note-1

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Abbildung rechts: Otto Nowak (1874—1945), Franz Schubert im Kreise musikalischer Freunde

Franz Schubert: Winterreise (12 Lieder), Heideröslein, König in Thule, Am Feierabend, Der Tod und das Mädchen, Wohin
Christoph Prégardien, Tenor, Tilman Hoppstock, Gitarre
CHRISTOPHORUS CHR 77352, im Vertrieb von Note-1

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Natürlich, die Winterreise ist „eigentlich“ mit Klavierbegleitung komponiert und herausgegeben, dabei hat Schubert eine Gitarre von Johann Georg Stauffer besessen und sie auch gespielt. Aber seine Lieder hat er ausnahmslos mit Pianoforte notiert und so sind sie auch in den Erstausgaben erschienen.

Und doch hat es schon zu Schuberts Lebzeiten Bearbeitungen mit Gitarrenbegleitung gegeben und tatsächlich scheinen einige seiner Lieder hervorragend für diese Besetzungsvariante geeignet zu sein. Vielleicht sind es nicht unbedingt die der „Winterreise“, aber einige Lieder des Zyklus „Die Schöne Müllerin“ bieten sich wegen ihrer Sujets regelrecht für eine Bearbeitung mit Gitarre an. Die Texte beider Liederzyklen sind von Wilhelm Müller (1794—1827) und wären, so meint Hoppstock in seinem sehr informativen Text im Booklet der CD, „wahrscheinlich – ebenso wie der Dichter selbst – ohne die Vertonung Franz Schuberts längst in Vergessenheit geraten.“ So aber, in der Symbiose, zu der Text und Musik miteinander verbunden sind, ist ein großes Kunstwerk von immenser Dichte entstanden und das wird durch die klangliche Reduktion nicht geschmälert.

Winterreise_CD_Fischer_FavreWinterreise_CD_HoppstockEine neue Aufnahme aller 24 Lieder der „Winterreise“ liegt von Raphaël Favre vor – begleitet von André Fischer. Im Booklet dieser CD ist ein Bild des Wiener Historienmalers Otto Nowak (1874—1945) in Schwarz-Weiß wiedergegeben, das Schubert singend und Gitarre spielend darstellt. Nowak wurde fast ein halbes Jahrhundert nach Schuberts Tod geboren – sein Bild ist also nicht mehr als die romantisierende Darstellung einer Szene, in der man sich Schubert vorstellte: Eine Gruppe Menschen lauscht bei Kerzenlicht dem Komponisten – ein Flügel steht im Raum, an dem („vorsichtshalber“) ein Pianist sitzt: „Schubertiade“.

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Neu eingegangene Noten

Die nachfolgenden Notenausgaben sind hier vor dem 24. März 2014 zur Rezension eingegangen.

Peter Ansorge (Hrsg.), Bruno Szordikowaski und Martin Hegel, Easy Concert Pieces for Guitar Vol. 12, Mainbz u.a., Schott, 2013, ED 21636
Günther Becker, Vier Studien, herausgegeben von Guido Böger, Brühl, Edition Gravis, 2012, eg 1986
Alois Bröder, Abbozzi für Gitarre und Klavier (1995), Berlin, Verlag Neue Musik, 2013, NM 1683
Matteo Carcassi, 25 Studies op. 60 for Guitar, herausgegeben von Lucio Matarazzo, Bologna, Ut Orpheus, 2013, CH 166
Juan Manuel Cortés, Graelsia. Reihe: Gitarre & Harfe, herausgegeben von Maximilian Mangold und Mirjam Schröder, Berlin, Verlag Neue Musik, 2013, NM 1527
John Dowland, Melancholy Galliard, Sir John Smith His Almaine, A Fancy. Reihe: New Karl Scheit Guitar Edition, herausgegeben von Johannes Monno, Wien u.a., UE, 2009, UE 34 484
Joël Dugot (Hrsg.), Anthology of 17th Century French Pieces for 2 Baroque Lutes. Vol. 1: Music by Ennemond Gautier and Pierre Dubut. Reihe: Silva de Sirenas, hrsg. v. Miguel Yisrael, Bologna, Ut Orpheus, 2013, SDS 13
René Eespere, Epigramm VI für Sopran, Flöte und Gitarre. Reihe: Conmtemporary Music for Guitar, Collection Reinbert Evers, herausgegeben von Reinbert Evers, Berlin, Verlag Neue Musik, 2013, NM 1678
Veit Erdmann-Abele, Nachtklänge. Reihe: Gitarre & Harfe, herausgegeben von Maximilian Mangold und Mirjam Schröder, Berlin, Verlag Neue Musik, 2013, NM 1619
Roland Fink, The Ash Grove (2005), Basel, Pan Verlag, 2013, pan 471
Mauro Giuliani, Variationen über eine Romanze aus „La Gloire et l’Amour“ op. 105 für Gitarre. Reihe: New Karl Scheit Guitar Edition, herausgegeben von Thomas Müller-Pering, Wien u.a., UE, 2009, UE 34 483

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Christina Pluhars »seconda pratica«

Music fo a whileMusic for A While: Improvisations on Henry Purcell
Philippe Jaroussky, Countertenor; Raquel Andueza, Sopran; Vincenzo Capezzuto, Alto; Dominique Visse, Countertenor
L’Arpeggiata unter der Leitung von  Christina Pluhar
Aufgenommen im Juni 2013, VÖ: 28.02.2014
ERATO/WARNER MUSIC 08256 463375 0 7
… ein köstliches Wechselspiel …

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L’Arpeggiata: Christina Pluhar
The Complete Alpha-Recordings (6 CDs)
Featuring Marco Beasly, Lucilla Galeazzi, Johannette Zomer, Gianluigi Trovesi …

  • CD1 Giovanni Girolamo Kapsberger: La Vilanella
  • CD2 Stefano Landi: Homo fugit venut umbra
  • CD 3-1 Emilio de’ Cavalieri: Rappresentatione di Anima e di Corpo 1
  • CD 3-2 Emilio de’ Cavalieri: Rappresentatione di Anima e di Corpo 2
  • CD 4 La Tarantella Antidotum Tarantulae
  • CD 5 All’Improvviso: Ciaccone, Bergamassche & un po’ di Follie …

Arpeggiata_KassAufgenommen zwischen Juni 2000 und August 2004, Zusammenstellung erschienen 2014
ALPHA 828 (outhere music, im Vertrieb von Note 1
… Alles in mediterranen Farben strahlend … zwischen Flamenco und Oratorium, Tarantella und Españoletas …

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Der neue Stil, „stile nuevo“ oder „stile moderno“ – Komponisten des frühen 17. Jahrhunderts initiierten eine bewusste künstlerische Wende, die sie auch als „seconda pratica“ gegen Unverständnis und Angriffe verteidigten. Während die „prima pratica“ polyphone Satzweisen bevorzugt hatte, wurde jetzt die Melodie in den Vordergrund gestellt und damit das Wort. Im Anhang an diese Wandlung wurde der Einzelgesang mit Generalbassbegleitung, Monodie genannt, stilistisch vorherrschend – mit ihm die Oper, die sich seit Anfang des 17. Jahrhunderts als neue musikalische Großform etablierte.

Henry_Purcell_by_John_Closterman_2

Henry Purcell: Portraitgemälde von John Closterman (1660—1711)

Giovanni Girolamo Kapsberger (1580—1651) ist Lautenisten bekannt und zwar hauptsächlich wegen seines „Libro primo d’intavolatura di lauto“ von 1611 und seiner Tabulaturbücher für Chitarrone. Davon, dass von dem „Nobile Alemano“ – so wurde er genannt, weil er als Sohn eines deutschen Offiziers in Habsburgischen Diensten geboren wurde – auch zahlreiche Vokalkompositionen überliefert sind, davon profitiert das Publikum rund 350 Jahre nach seinem Tod eher selten. Dabei sind Madrigale, Motetten und mehrere Bücher mit Villanellen gedruckt überliefert, dazu Einiges an instrumentaler Ensemblemusik … die „Sinfonie a quattro con il Basso continuo“ von 1615 zum Beispiel.

Mit Villanellen von Kapsberger haben Christina Pluhar und ihr Ensemble L’Arpeggiata im Jahr 2000 die Zusammenarbeit mit dem Label Alpha begonnen. Die dabei entstandene CD ist die Nº 1 der vorliegenden Zusammenstellung.

Villanellen waren lebendiger Ausdruck des „stile nuovo“, in dessen Rahmen ja Textverständlichkeit postuliert worden ist. Sie sollte erreicht werden durch Festhalten an syllabischer Textverteilung und durch schlichte instrumentale Begleitungen, für die der Chitarrone in Mode kam aber auch die fünfchörige Barockgitarre. Im Titel seines ersten Buchs mit Villanellen (1610) hat Kapsberger allerdings freigestellt, wie sie instrumental begleitet werden sollten: „Libro primo di villanelle a I. 2 et 3 voci accommodate per qualsivoglia strumento con l’intavolatura del chitarrone et alfabeto per la chitarra spagnola“. Chitarrone und Gitarre waren scheinbar als Continuo-Instrumente favorisiert, ansonsten stand es Musikern aber frei, die Instrumente zu besetzen, die sie zur Verfügung hatten oder bevorzugten. Und genauso – „accommodate per qualsivoglia strumento“ – ist Christina Pluhar verfahren: sie selbst, Eero Palviainen, Edin Karamazow und Giovanna Pessi (alle Lauteninstrumente, Gitarre oder Barockharfe) im basso continuo, dazu Violen, Lirone, Geige, Zink, Orgelpositiv und Schlagwerk … nicht zu vergessen natürlich die exzellenten Sänger Johanette Zomer (Sopran) sowie Pino de Vittorio und Hans-Jörg Hammel (Tenor).

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„Yo soy la locura” auf CD

raquelandueza100_v-ARDFotogalerie

Raquel Andueza; © by Andueza

Raquel Andueza & La galanía
Yo Soy la Locura: Musik im Spanien des 17. Jahrhunderts

Aufgenommen im September 2010
ANIMA E CORPO AeC 0001, im Vertrieb von Note1
… in rundum überzeugenden Interpretationen …

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Am 26. Oktober 2012 gab es im Kleinen Sendesaal des WDR am Wallrafplatz in Köln ein bemerkenswertes Konzert: „Yo Soy la Locura“/„Ich bin die Wahnsinnige“ mit spanischer Musik des 17. Jahrhunderts. Ich habe hier am 24. November 2012 über dieses Konzert berichtet, ein Tag später wurde es in WDR-3 gesendet. Jetzt liegt im deutschen Vertrieb Note-1 eine CD mit dem gleichen Programm vor, gesungen und gespielt von den Musikern, die auch am 26. Oktober 2012 beteiligt waren: Raquel Andueza, Sopran; Jesús Fernández Baena, Theorbe und Pierre Pitzl, Barockgitarre.

Yo Soy La LocuraDas Repertoire, das präsentiert wird, ist, mindestens streckenweise, Gitarristen nicht unbekannt. Es tauchen sogar hie und dort Komponistennamen auf, die Gitarristen kennen …Gaspar Sanz zum Beispiel oder Lucas Ruiz de Ribayaz. Aber auch, wenn dem nicht so wäre: „Folías“, „Marizapulos“ oder „Españoletas“ zum Beispiel sind gebräuchliche ostinate Tanzformen gewesen, die zu der Zeit in Spanien immer wieder auftauchten … so, wie es in Italien der „Passamezzo“ war oder die „Romanesca“.

Dazu kommen Lieder, Villancicos, Tanzlieder … weltliches Repertoire des 17. Jahrhunderts und das in rundum überzeugenden Interpretationen: „Raquel Andueza ist eine Große der Alten Musik, eine Sängerin, die sich vornehm zurücknimmt und ihre Musik doch ebenso strahlend wie wortgewaltig herüberbringt. Die CD, die nun in Deutschland erhältlich ist, wird für viele Musiker, die sich mit spanischer Musik dieser Zeit befassen, Anregungen liefern können. Denn eines ist klar: Das Meiste, was man schließlich hört, steht nicht in den Noten oder Tabulaturen, sondern muss extemporiert werden. Raquel und die Instrumentalisten von La Galanía wissen wie’s geht! Mehr?

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Astor-Trio mit Piazzolla und Bach

CD Astor TrioAstor Trio
Bach & Piazzolla
Aufgenommen im Februar 2012
KSGAUDIO 67025
… Ihre erste CD auf jeden Fall ist sehr anregend und lässt hoffen, dass bald mehr kommt! …

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Der „Star“ des Astor-Trios ist – ich muss es einräumen, obwohl sich das Label KSGExaudio eigentlich weitgehend mit Gitarrenmusik befasst – Alexander Prushinskiy, der Geiger. Nicht, dass Tobias Kassung (Gitarre) und Stanislav Anischenko (Kontrabass) jeder für sich eine schlechte Figur abgäben, keineswegs, aber Alexander Prushinskiy beherrscht das musikalische Geschehen mit einer derartigen Strahlkraft und musikalischen Eleganz, dass seine Kombattanten schlichtweg zu Statisten werden. Aber notabene: Er gibt keineswegs die Rampensau, die das größere Durchsetzungsvermögen seines Instruments, der Geige, für sich nutzt! Natürlich ist die Geige ohnehin das beherrschende Instrument: Sie füllt die höchste Stimme aus und ist damit a priori für Melodien zuständig. Und sie kann echtes Legato, was auf einer Gitarre gelegentlich nicht möglich ist. Dass für den musikalischen Boden ein Kontrabass eingesetzt worden ist und der auch noch aus Diskretionsgründen weitgehend staccato oder gar pizzicato gespielt wird, war eine wunderbare Idee, durch die die Stücke nicht nur ein Fundament, sondern auch eine gewisse luftige Weite erhalten haben, eine neue klangliche Dimension.
Gegeben werden auf der CD zwei der sechs Violinsonaten von Johann Sebastian Bach (BWV 1014 und 1016) und von Astor Piazzolla die „Histoire du Tango“ und vier Einzelkompositionen: „Tanti anni prima“, Adios Noniño“, „Oblivión“ und „Libertango“.

Die vier Sätze der „Histoire“ von Piazzolla gelingen dem Trio tänzerischer, sinnlicher als ich sie je gehört habe … und man hört sie tatsächlich oft. Vor allem, wenn man durch die Konzertsäle der internationalen Gitarrenfestivals reist. Von der heutigen Aufnahme empfehle ich besonders den Satz „Café 1930“, in dem auch die Gitarre gelegentlich zu Wort kommt. Bordelle um 1900 waren tatsächlich Freudenhäuser, wenn man Piazzolla glauben mag. Seine Musik von „Bordel 1900“ hat nichts Schwulstig-erotisches, sondern eher Tänzerisches … Freudiges. Prushinskiy … nein, dem Trio gelingt dieser Satz besonders, aber auch „Café 1930“ und die anderen.
Danach kommt die Sonate E-Dur BWV 1016 … und sagen Sie jetzt bitte nicht, Bach zu spielen habe mit Sinnlichkeit nichts zu tun! Wenn Sie das meinen, hören Sie bitte das einleitende „Adagio“ dieser Sonate. Allein schon das wunderbar abgeglichene Zusammenspiel von Violine und Gitarre ist ein Vergnügen besonderer Art … und das trotz des Quietschens bei Lagenwechseln. Aber mit dem müssen wir wohl leben!

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Miloš — Aranjuez

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Miloš Karadaglic, Foto: © by Margaret Malandruccolo, Deutsche Grammophon Gesellschaft

Miloš — Aranjuez
Miloš Karadaglic, London Philharmonic Orchestra: Yannick Nézet-Séguin
Werke von Manuel de Falla und Joaquín Rodrigo
Aufgenommen im September 2013, VÖ: 14.2.2014
Deutsche Grammophon 00289 481 0652
… Miloš Karadaglic bietet alles Geforderte …

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Nein, dies ist keine CD, die sich durch mutige Repertoireerweiterungen auszeichnet. Das hat auch niemand erwartet. Die großen Labels haben sich seltsamerweise noch nie durch Faibles für einsame künstlerische Entschlüsse ausgezeichnet, sondern eher durch das Festhalten an Altbekanntem. Seltsam ist das, weil die Majors ja eigentlich Geld genug haben müssten, auch mal ein Risiko einzugehen … allerdings wird man in Berlin sagen, man habe mit der Verpflichtung des Künstlers Miloš Karadaglic schon genug Risiko auf sich genommen. Das mag ja sein, aber dummerweise weiß jeder Gitarrenaffine, dass die beiden Konzerte von Joaquín Rodrigo und die Solostücke von Manuel de Falla und Rodrigo, die auf vorliegender CD zusammengefasst sind, zum Populärsten gehören, das jemals für Gitarre komponiert worden ist. Mehr noch: Das „Concierto de Aranjuez“ war viele Jahre lang das populärste Konzert für irgendein Soloinstrument und Orchester überhaupt. Populärer, als das Violinkonzert von Beethoven oder das b-Moll-Klavierkonzert von Tschaikowsky.Milos_Rodrigo

Überall auf der Welt wird mittlerweile, was das Vermarkten von Audio-CDs angeht, mit Wasser gekocht. Die Verkaufszahlen sind immer noch im Sturzflug, das Medium CD scheint ausgedient zu hben! Musik wird nicht mehr vornehmlich auf Datenträgern ver- und gekauft, sondern heruntergeladen oder gestreamt. Auch klassische Musik. Und natürlich wird auch damit Geld verdient.

Trotzdem haben sich die Major Labels immer weiter auf „Klassik Light“ zurückgezogen, auf Repertoire, das man risikolos anbieten kann. Gleichzeitig kommen Produktionen mit klassischer Musik auf den Markt, die zwar unter dem Namen mehr oder weniger etablierter Labels angeboten werden, in Wirklichkeit aber von den Interpreten selbst finanziert worden sind: Norman Lebrecht schrieb zu diesem Thema in seinem Buch „Ausgespielt: Aufstieg und Fall der Klassikindustrie“ (Mainz u.a., Schott, 2007): „Viele der CDs, die [in der Fachpresse] rezensiert wurden, vielleicht die Hälfte von ihnen, waren nun Eigenproduktionen – die Herstellungskosten wurden getragen von den Spielern, Freunden, Regierungsstellen oder Sponsoren. Es handelte sich dabei um eine Art Veröffentlichung aus Eitelkeit, der die strenge Hand eines Bearbeiters ebenso fehlte wie eine rationelle wirtschaftliche Grundlage.“ So geht’s beispielsweise: Wohlhabende Papas und Mamas kaufen ihren mäßig begabten Kindern Karrieren, indem sie sie von B-Labels, die sie vorher entsprechend geschmiert haben, „entdecken lassen“. Sie kaufen auch Werke. Bei Komponisten der zweiten Reihe, die bei den großen Labels, Verlagen und auch Interpreten nicht mehr landen können, werden sie bestellt (und bezahlt) und dann auf Tour geschickt. Namen zu nennen, verbietet mir die Höflichkeit … aber sie sind in der Branche bekannt.

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Thomas Schmitt: Spanish Music for 6-course Guitar

CD Schmitt 6ch GitThomas Schmitt: Spanish Music for 6-course Guitar
Werke von Salvador Castro de Gistau, Isidro de Laporta, Federico Moretti, Antonio Abreu und Dionisio Aguado
Aufgenommen im März 2012, erschienen
CENTAUR CRC 3277, im Vertrieb von Klassik Center, Kassel
… mit hohem Respekt …

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Das Bild, das Thomas Schmitts neuer CD voransteht, illustriert auf sehr eindrückliche Art, welche Musik dem Zuhörer in den nächsten gut 65 Minuten präsentiert werden soll: Antonio María Esquivel y Suárez de Urbina: „Baile bolero“ von 1830. Dargestellt sind zwei Tanzende; drei junge Männer und zwei Frauen, die um sie herum sitzen und ihnen, zum Teil klatschend, zuschauen; schließlich ein junger Mann, einen Hut vor sich auf dem Boden, der, die Beine übereinandergeschlagen, Gitarre spielt. Es ist unübersehbar eine sechschörige Gitarre – das sieht man an der Reihe von sechs Wirbeln, der auf der anderen, uns nicht einsehbaren, sechs weitere gegenüberstehen: zwei mal sechs Wirbel, das sind zwölf Saiten und damit sechs Chöre.

 

Die sechschörige Gitarre ist nicht lange gespielt worden. Sie nahm eine Art Übergangsposition ein zwischen der fünfchörigen „Barockgitarre“ und der neuen Gitarre des 19. Jahrhunderts, die sechs einzelne Saiten hatte. Thomas Schmitt hat sich diesem Instrument und seinem Repertoire auf besondere Weise verschrieben, hat er doch nicht nur jetzt die zweite CD vorgelegt, auf der er originale Musik für sechschörige Gitarre spielt, er hat auch 1993 mit einer Dissertation, in der es weitgehend um dieses Instrument geht, im Fach Musikwissenschaft promoviert: „Untersuchungen zu ausgewählten spanischen Gitarrenlehrwerken vor 1800“ (Gitarre & Laute, heute Verlag Dr. Peter Päffgen, Köln). Thomas Schmitts erste CD mit Werken von Federico Moretti, Fernando Ferandiere und Juan Antonio de Vargas y Guzmán ist hier besprochen worden. Sie wurde 2011 aufgenommen und ist ein Jahr später bei la mà de guido in Barcelona erschienen. Im gleichen Jahr hat Schmitt die vorliegende CD aufgenommen und zwar auf der gleichen Gitarre, der Kopie einer sechschörigen Gitarre von Lorenzo Alonso aus dem Jahr 1797.

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Zweimal Francesco

Croton_FrancescosPeter Croton, lute: The Two Francescos
Werke von Francesco Spinacino und Francesco da Milano
Aufgenommen im April 2012, erschienen 2013
CARPE DIEM Records CD-16300, im Vertrieb von Helikon Harmonia Mundi
… wirklich sehr schön, sehr gesanglich! …

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1507 sind die Lautenbücher „Intabulatura de Lauto Libro Primo“ und „Libro Secondo“ von Francesco Spinacino (spät. 15. Jh.—frühes 16. Jh.) in Venedig erschienen. Drucker und Verleger war Ottaviano Petrucci.

Kompositionen von Francesco Canova da Milano (1497—1543) sind in zahlreichen zwischen 1536 und 1603 gedruckten und einigen handschriftlichen Tabulaturbüchern überliefert.

Von beiden, Francesco Spinanico und Francesco da Milano, hat Peter Croton Ricarecari und Fantasien aufgenommen – keine Intavolierungen, keine Tänze.

Das Lautenspiel hat um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert einen entscheidenden Entwicklungsschritt vollzogen, den Schritt nämlich vom Anschlag mit Plektrum zum Fingerkuppenanschlag. Mit diesem Wandel wurde das Spiel mehrerer voneinander unabhängiger Stimmen auf der Laute möglich … es entwickelte sich gleichzeitig und auf der Basis dieser spieltechnischen Neuerung eine erste eigenständige Instrumentalmusik.
Francesco Spinacino, über dessen Lebensweg nichts bekannt ist außer, dass seine Lautenbücher 1507 in Venedig herausgekommen sind, ist in dem Gedicht „Monte Parnaso“ von Philippo Oriolo da Bassano (ca. 1520) als einer der bekanntesten Lautenisten seiner Zeit erwähnt. Das ist alles, was es über Spinacino zu berichten gibt. Nicht einmal im Original erhaltene Exemplare seiner beiden Lautenbücher sind nachgewiesen. Die Berliner Staatsbibliothek [RISM: D.B] hatte ein Exemplar, außerdem die Biblioteca Colombina in Sevilla [RISM: E: Sco], beide sind aber verschollen, das Berliner Exemplar seit dem Zweiten Weltkrieg. Fotos, Mikrofilme und Kopien stehen in verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung und nach einer solchen Kopie ist auch das Faksimile bei Minkoff angefertigt worden (Genf, 1978).

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Yorgos Nousis: My Guitar

Xorgos_Nousis_CDYorgos Nousis: My Guitar
Werke von Yorgos Nousis
Aufgenommen 2013 in Wien, erschienen 2013
Eigenproduktion/Geons Productions
… ausnehmend sonor und klangbewusst …

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Zunächst etwas über Yorgos Nousis, den Interpreten, Komponisten und Arrangeur, der sich mit dieser CD vorstellt. Er ist Grieche, geboren 1978 in Athen, lebt in Wien. Bei Costas Cotsiolis hat er studiert – zusätzlich bei Mathias Seidel und Marco Tamayo in Salzburg. Jazz hat er bei Stavros Angelidis gelernt und Flameno bei Merengue de Córdoba. Dazu kamen Meisterkurse bei Künstlern wie Leo Brouwer, Roland Dyens, Carlo Domeniconi, Dusan Bogdanovic und anderen.

Was lehrt uns diese Vita? Sie lehrt uns, dass wir es mit einem Gitarristen zu tun haben, der – „ganz normal“ sozusagen – mit Sor und Giuliani musikalisch sozialisiert worden ist und der daran anschließend die anderen künstlerischen Ausdrucksformen seines Instrument ausloten wollte. Dabei ist er bei seiner Gitarre, der modernen Konzertgitarre, geblieben und bei Klängen seiner Heimat auch. Unverkennbar griechisch ist schon die einleitende „Rebetiko-Fantasy“, auch die „Naxos-Suite“ oder die „Aegean Fantasy“. Griechische Klänge … mit einem Schuss Heimweh.

Yorgos Nousis spielt ausnehmend sonor und klangbewusst. Johann Sebastian Bachs Fuge c-Moll BWV 847 (aus dem Wohltemperierten Klavier) wird zitiert, auch die eine oder andere griechische Volksmelodie – aber was wir zu hören bekommen, ist gut komponierte Musik, die scheinbar nirgends verlegt ist … auch, wenn einem Hannes Breitschädel im Impressum für Assistenz in Sachen „transatlantic recording and producing“ gedankt wird. Scheint aber keine Verwandtschaft zu sein!

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